Die Entwicklung macht Sorgen

Sieben Thesen zur Zukunft des Fußballs: Es droht der Stadion-Tourismus

Ein Fußball.
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Videoüberwacht: Ohne spezielle Kameras geht beim Fußball schon seit einigen Jahren nichts mehr.

Der Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, heißt es im Volksmund.

Kassel – Aber er verändert sich in nahezu allen Facetten. In dieser Woche haben wir uns mit der Serie „Die Entwicklung des Fußballs“ verschiedenen Themen gewidmet. Zum Abschluss stellen wir sieben Thesen zur Zukunft dieses Sports auf.

These 1: Die Zahl der internationalen Wettbewerbe wird steigen. Gerade erst müssen sich Fans in Europa an die Conference League gewöhnen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Sowohl auf Vereins- als auch auf Nationalmannschafts-Ebene werden die Verbände alles daran setzen, neue Geldquellen zu erschließen – das geht nur über immer neue Wettbewerbe. Es wäre keine Überraschung, wenn es für den bis 2017 ausgetragenen Confederations-Cup bald einen pompöseren Nachfolger geben würde.

These 2: Die Stadien werden weiter voll sein. Auch wenn sich einige Fans mehr und mehr vom Profi-Fußball abwenden – die Stadien werden deswegen nicht leerer. Der Sport wird an emotionalem Wert einbüßen, diejenigen, die die Spiele besuchen, werden keine jahrzehntelange Geschichte mit dem Klub verbinden. Der Stadion-Tourismus ist die Zukunft. Und weil der Unterhaltungswert gegeben ist, finden sich immer genug Leute, die Tickets kaufen.

These 3: Die Nationalmannschaft ist auf Jahre besiegbar. Das vielleicht größte Problem der deutschen Nationalmannschaft derzeit: Die Spieler sind satt. Der Auftritt des DFB-Teams bei der EM war einmal mehr müde, lust- und leidenschaftslos. Die deutschen Fußballer verdienen allesamt eine Menge Geld. Was daran liegt, dass Qualität vorhanden ist. Doch diese Qualität allein reicht nicht aus. Die EM hat gezeigt: Wer als Mannschaft auftritt und für sein Land kämpft, der hat auch ohne die absoluten Spitzenprofis Erfolg. Oder vielleicht gerade deswegen. Deswegen wird für die deutsche Nationalmannschaft der gegenteilige Franz-Beckenbauer-Satz von 1990 gelten: Wir werden auf Jahre hinaus besiegbar sein. Gut möglich, dass die Spieler erst dann wieder ihre Leidenschaft entdecken, wenn sie nicht mehr im völligen Überfluss leben.

These 4: Es werden noch mehr technische Hilfsmittel eingesetzt. Abseits? Handspiel? Foul oder nicht Foul? Wie selbstverständlich werden bereits strittige Szenen durch einen Videoschiedsrichter überprüft. Die Entwicklung ist erst am Anfang. Die Position eines Spielers und des Balles wird irgendwann so genau zu bestimmen sein, dass in Sekundenschnelle geklärt wird, ob es eine Berührung mit der Hand gab, ob ein Foul vorliegt und ob ein Angreifer im Abseits stand. Die technischen Neuerungen werden dazu beitragen, dass auch der Amateurbereich revolutioniert wird.

These 5: Dem Profifußball gehen die Idole aus. Sie können über Cristiano Ronaldo und Lionel Messi denken, was Sie wollen – der Portugiese und der Argentinier prägen den Fußball seit mehr als in einem Jahrzehnt in herausragender Weise. Die Nachfolger von Legenden wie Pele, Franz Beckenbauer, Zico, Diego Maradona, Lothar Matthäus und Zinédine Zidane, Nur: Was kommt danach? Unsere Antwort: nichts annähernd Gleichwertiges. Zwar tun sich immer mal überdurchschnittliche Fußballer hervor – wie Mbappé, Haaland, Neymar und Lewandowski. Doch in puncto Vielseitigkeit können sie Ronaldo und Messi nicht ersetzen.

These 6: Die nationalen Top-Ligen suchen sich Märkte außerhalb Europas. Im Bereich Merchandising und Marketing sind europäische Spitzenklubs wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Manchester United und der FC Barcelona schon länger in verschiedenen Erdteilen unterwegs. Es wird der Tag kommen, an dem ein Bundesliga-Auftaktspiel der Bayern nicht in München, sondern in den USA oder in China ausgetragen wird.

These 7: Die Super League ist noch nicht ad acta gelegt: Der erste Angriff wurde abgewehrt. Doch nun ist klar: Die Topteams finden über Nacht einen milliardenschweren Sponsor, um sich selbstständig zu machen. Die Super League ist nicht gestorben. Sie war erst einmal nur ein Mittel, um die eigenen Interessen in Sachen Champions-League-Reform durchzusetzen. Doch irgendwann wird das nicht mehr reichen. (Bjönr Mahr und Maximilian Bülau)

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