Gutachter soll Unterschrift überprüfen

Richterin warnt Ribéry: „Enorme, strafrechtlich relevante Vorwürfe“

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Franck Ribéry (l.) mit seinem Anwalt Gerhard Riedl. 

Der Prozess um die Millionenforderung eines ehemaligen Spielerberates an Franck Ribéry könnte deutlich an Brisanz gewinnen. Das Gericht hat nun eine Gutachten angeordnet.  

München - Er lachte, wie man ihn kennt. Doch vor Gericht am Dienstag ging es um viel Geld für Franck Ribéry (34): Sein früherer Berater Bruno Heiderscheid verklagt den Franzosen auf 3,45 Millionen Euro und fordert Provisionen aus seinem Transfer zum FC Bayern im Jahr 2007.

Wenn ein Fußball-Club heute 30 Millionen Euro für einen Spieler ausgibt, ist das eher ein Schnäppchen. Im Jahr 2007 allerdings war das noch eine kleine Sensation. Eben diese Summe hatte der FC Bayern an Olympique Marseille überwiesen, um sich Ribérys Dienste zu sichern, der in München zum Star reifte.

Bisher war man von 25 Millionen Euro Ablöse ausgegangen. Erst gestern, im Rahmen eines Prozesses am Landgericht, kam die Wahrheit über die damalige Ribéry-Ablöse heraus. Denn dessen Ex-Berater Bruno Heiderscheid fordert zehn Prozent der Transfersumme ein, die Provision habe der Franzose ihm schriftlich zugesichert, aber nie gezahlt. Mit Mehrwertsteuer und Zinsen geht es nun um 3,45 Millionen Euro, die Ribéry zahlen soll.

FC Bayern-Star macht brisante Aussage vor Gericht

Dessen Unterschrift war auch damals schon Millionen wert gewesen, das musste Heiderscheid gewusst haben, als er 2005 zwei Jahre lang Berater des Fußballers wurde. In diese Zeit fiel zunächst der Wechsel Ribérys von Galatatasaray Istanbul zu Olympique Marseille, den Bruno Heiderscheid eingefädelt hatte, weil Ribéry unzufrieden war und in der Türkei mehr als 90 Tage lang kein Gehalt bekommen hatte. Als Dank soll der Star-Fußballer ihm versprochen haben, ihn mit zehn Prozent am nächsten Transfer zu beteiligen – und das war eben der Wechsel zum FC Bayern München.

Es geht also um viel Geld in diesem Prozess, aber es geht auch um Glaubwürdigkeit. Nach einem Versäumnisurteil im März hatte Franck Ribéry Einspruch gegen seine drohende Niederlage beim Gericht eingelegt und war gestern erstmals persönlich erschienen – im Gegensatz zu Heiderscheid, der angeblich in Brüssel eingeschneit war und nicht fliegen konnte. Ein ungleiches Duell also, in dem vor allem Ribéry überraschende Akzente setzte. „Das ist nicht meine Unterschrift“, sagte er, als Richterin Isabel Liesegang ihm die Vereinbarung aus dem Jahr 2006 vorlegte. Eine Aussage mit Brisanz: Denn wenn sie nicht stimmen sollte, drohen dem Star des FC Bayern „enorme, strafrechtlich relevante Vorwürfe“, wie die Richterin mahnte.

Ist das Dokument gefälscht?

Was umgekehrt auch für Heiderscheid gilt: Sollte er das Dokument gefälscht haben, droht ihm ein Strafprozess. Um das zu klären, will das Gericht nun einen Gutachter einsetzen. Am Richtertisch musste Ribéry gestern mehrere Unterschriften zur Probe abliefern. „Für einen der beiden wird es schwierig“, warnte die Richterin, die erst am 16. Januar endgültig über den Fall entscheiden will.

Ob dem Berater überhaupt noch Geld zusteht, ist inzwischen fraglich. „Solange wir nicht wissen, was wirklich vereinbart wurde zwischen den Parteien, wissen wir auch nicht, von welchem Recht wir ausgehen müssen. Nach deutschem Recht wäre der Fall schon verjährt“, sagte die Richterin. Nur nach Schweizer Recht hätte Heiderscheid wohl noch eine Chance, denn bei den Eidgenossen verjährt die Schuldfrist erst nach zehn Jahren. Er selbst wird wohl auch noch aussagen müssen.

„Ich habe mit ihm nie darüber gesprochen, dass er eine Prämie bekommen sollte“, behauptet Ribéry, der dem FC Bayern gestern beim Abschlusstraining fehlte. Tatsächlich ist es eher die Regel, dass Vereine die Berater beteiligen – nicht der Spieler.

Die entsprechenden Dokumente, die Heiderscheid vor Gericht anführt, hat Ribéry nach eigener Aussage „noch nie gesehen“. Sein Anwalt Gerhard Riedl gab zudem an, dass Heiderscheid in einem anderen Fall wegen Fälschung angeklagt sei. Eine Einigung könne er sich „absolut nicht“ vorstellen.

Schon jetzt geht es um fast dreieinhalb Millionen Euro - für Franck Ribéry ist der finanzielle Schaden im Streit mit seinem Ex-Berater aber nicht die größte Gefahr. Vor dem Landgericht München I wurden der beklagte Fußballer des FC Bayern und auch sein ehemaliger Manager als Kläger am Dienstag gleich mehrfach auf die eigentliche Brisanz der Verhandlung hingewiesen. „Enorme, strafrechtlich relevante Vorwürfe“ erkannte die Vorsitzende Richterin Isabel Liesegang und vergewisserte sich sowohl bei Ribéry als auch der Gegenseite, ob allen diese Risiken bewusst seien. Ein

Urteil im Zivilverfahren wurde für den 16. Januar (14.00 Uhr)

angekündigt.

Thieme Andreas

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