„Hier wird ununterbrochen getestet“

Interview mit dem Ex-Kasseler Fußballer Mario Pokar zum Saisonstart in Luxemburg

Eine Szene aus der Europa League 2018: Mario Pokar (links) vom luxemburgischen Fußball-Erstligisten F91 Düdelingen im Spiel gegen Betis Sevilla.
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Eine Szene aus der Europa League 2018: Mario Pokar (links) im Spiel gegen Betis Sevilla).

Kassel – Seit dem 8. März dieses Jahres wurde kein Punktspiel mehr in der höchsten luxemburgischen Fußball-Liga ausgetragen. Nachdem die vergangene Saison wegen der Virus-Pandemie abgebrochen wurde, beginnt nun an diesem Wochenende die neue Serie – allerdings mit einigen Problemen, wie unser Interview mit dem deutschen Profi Mario Pokar zeigt, der für den Erstligisten F91 Düdelingen spielt.

Saisonstart in Luxemburg – ein Grund zur Freude?

Ja, die Vorfreude ist natürlich da. Allerdings kam jetzt die Information, dass unser Spiel verlegt werden muss.

Wie kommt es dazu?

Wegen eines Coronafalls im Umfeld des Teams. Erst wenn alle unsere Spieler zweimal negativ getestet wurden, können wir wieder trainieren. Ich hoffe, dass wir am Montag wieder loslegen können.

Sie hatten fünfeinhalb Monate kein Pflichtspiel. Wie sehr hat die Zwangspause genervt?

Es war nervig. Es war auch eine sehr lange Zeit. Auf die eine Woche kommt es jetzt aber auch nicht mehr an.

Das Eröffnungsspiel zwischen Niederkorn und Racing Luxemburg wurde bereits wegen Coronafällen abgesagt. Wie erleben Sie die Situation?

In Luxemburg wird gefühlt ununterbrochen auf Corona getestet – mit Deutschland nicht zu vergleichen. Wenn ich mich mit luxemburgischen Kollegen unterhalte, dann wird deutlich: Nur weil so viel getestet wird, werden überhaupt Coronafälle entdeckt. Denn viele Positive haben gar keine Symptome gezeigt.

Wie streng sind die Hygienevorschriften für die Fußballer in Luxemburg?

Wir müssen in der Kabine Masken tragen und außerhalb des Spielfeldes Abstand halten. Gern hätten wir in der Vorbereitung gegen eine belgische und eine deutsche Mannschaft gespielt. Da Luxemburg bis zum Mittwoch als Risikogebiet eingestuft worden war, sind die Tests ausgefallen.

Sie leben in Saarbrücken und pendeln nach Düdelingen. Inwiefern spüren Sie besondere Einschränkungen?

Ich bin bislang nicht angehalten und kontrolliert worden. Da ich meine berufliche Tätigkeit in Düdelingen auf dem Papier nachweisen kann und nie länger als 72 Stunden in Luxemburg bin, muss ich auch nichts befürchten.

Viele Teamkollegen haben den Europa-League-Teilnehmer Düdelingen verlassen. Weshalb haben Sie dem Klub die Treue gehalten?

Ich hatte einige Angebote – eines sogar mit einer guten beruflichen Perspektive. Das hat sich aber dann wegen Corona zerschlagen. Mich hätte ein Wechsel in die 3. deutsche Liga durchaus gereizt. Andererseits macht es mir in Düdelingen Spaß, wir sind mit dem Team erfolgreich, und ich kann mit meiner Freundin in Saarbrücken wohnen bleiben.

In Luxemburg wurde die Liga um zwei Mannschaften vergrößert. Welche sportlichen Erwartungen haben Sie an die neue Saison?

Wir hatten einen riesengroßen Umbruch. Ich bin einer der letzten Verbliebenen. Sämtliche Stars sind weg. Ich hoffe dennoch, dass wir eine sehr gute Rolle spielen werden. Wir sind aber keiner der Top-Favoriten. Die luxemburgische Liga ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich stärker geworden. Mittlerweile gibt es elf gute Mannschaften. Hoch gehandelt wird Hesperange, dorthin sind nun unser Hauptsponsor und einige Spieler von uns gewechselt.

F��r Sie wäre es gegen eine Mannschaft mit dem Namen Benfica losgegangen. Das klingt auch nach großem Fußball.

Die Mannschaft ist aus einem Zusammenschluss zweier Vereine entstanden. Benfica Hamm hat 17 Neuzugänge und ist so etwas wie eine Wundertüte. Von daher ist es ganz gut, dass wir erst einmal schauen können, was von diesem Team zu erwarten ist. Allerdings hat es unser Auftaktprogramm dennoch in sich: Wir treffen auf die ersten vier Teams der abgebrochenen Saison. (Björn Mahr)

Zur Person: Mario Pokar

Mario Pokar (30) stammt aus Usingen. Seit 2016 spielt er für den luxemburgischen Fußball-Erstligisten F91 Düdelingen. Seine vorherigen Stationen: 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt II, KSV Hessen Kassel, SV Sandhausen. Der Mittelfeldakteur trug in der Jugend das Trikot von Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach und den Blackburn Rovers. Pokar ist in festen Händen. 

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