Wirtschaftsexperte schlägt Alarm

FC Bayern: Düsteres Szenario bei Pleite in Paris?

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James Rodriguez vom FC Bayern und Neymar von Paris St. Germain: Beide Superstars verließen im Sommer 2017 die spanische Primera Division.

Dem FC Bayern läuft der Markt davon - glaubt Wirtschaftsexperte Henning Zülch! Sollte Paris St. Germain das Champions-League-Duell gewinnen, wirke sich das negativ auf die Strahlkraft aus.

München - Am Mittwoch, den 27. September (20.45 Uhr), steigt das Spitzenspiel der Champions-League-Gruppe B, wenn Paris St. Germain den FC Bayern zu Gast hat. Laut Professor Henning Zülch von der HHL Leipzig Graduate School of Management geht es in dieser Partie um weit mehr als nur drei Zähler im Kampf um das Weiterkommen. Sollte der deutsche Rekordmeister vom französischen Scheichklub geschlagen werden, habe das auch Folgen auf die Strahlkraft der Münchner und damit nicht zuletzt auf die Einnahmen. 

„Was geschieht denn, wenn Bayern in Paris 0:3 verlieren sollte? Dann ist PSG auf einmal vorne, was die internationale Wahrnehmung angeht. Das ist eine Gefahr für Bayern. Die Marke des FC Bayern wird angekratzt," sagt Zülch in einem Interview mit dem Business Insider. Die Entwicklung auf dem europäischen Transfermarkt mit den wahnwitzigen Geldbeträgen sorge dafür, dass es gerade die deutschen Topklubs schwer haben, mit den neureichen Schwergewichten wie Paris, Manchester City und Co. mitzuhalten. 

Zülch: „Dem FC Bayern läuft der Markt davon“

„Bayern ist nach wie vor einer der am solidesten geführten Fußballvereine weltweit. Das Problem ist nur, dass ihnen momentan der Markt davonläuft. Früher wurden keine existenzbedrohenden Summen für neue Spieler gezahlt. Da war es zu verschmerzen, wenn ein Transfer mal nicht eingeschlagen hat. Heute müssen Klubs ein ganz anderes Risikomanagement etablieren, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Davor scheuen sich noch viele“, sagt Zülch, der die Frage, wie deutsche Vereine mithalten können, von zentraler Bedeutung hält.

„Die Frage ist, mit welcher Strategie man dem begegnen will. Indem man in erster Linie auf junge Spieler setzt wie Leipzig oder Dortmund? Der BVB saugt gerade die ganzen 17-jährigen Talente vom Markt. Das kann aber keine Dauerlösung sein, solange es die Vereine nicht schaffen, die Spieler zu halten. Momentan müssen sie zulassen, dass sie später nach Spanien oder England wechseln. Die Bundesliga ist auf dem Weg, zur Ausbildungsliga zu verkommen. Das kann auch den Bayern nicht gefallen“, sagt Zülch, der eine Studie über die Management-Qualität der Bundesliga* konzipiert hat.

Strategische Partnerschaften sind das Mittel zum Ziel

Als geeignetes Mittel, um der schwerreichen europäischen Elite Paroli bieten zu können, sieht Zülch nicht zwingend das Fallen der 50+1-Regel in Deutschland. Statt eines Investors seien strategische Partnerschaften von entscheidender Bedeutung, es brauche Investoren auf ganz anderen Ebenen. „Strategische Partnerschaften beziehungsweise Allianzen wie sie Bayern und Dortmund ja schon eingegangen sind. Die Geldgeber müssen Unternehmen sein, deren Markenbekanntheit sich mit dem steigenden Erfolg des Vereins erhöht - und auch umgekehrt. Eine Win-win-Situation. Das muss die Antwort sein auf die investorengetriebenen Ligen im Ausland“, so Zülch.

Der Wirtschaftsexperte glaubt nicht, dass die finanzielle Schere zu den Bundesliga-Klubs weiter auseinandergeht: „Ich bin überzeugt davon, dass sich Bundesliga-Vereine wie Bayern, Dortmund oder auch Leipzig langfristig durchsetzen werden. Weil sie auf ein Geschäftsmodell setzen und nicht nur auf kurzfristigen Gewinn aus sind. Nur so wird Erfolg langfristig planbarer. An der ein oder anderen Stelle müssen die Klubs aber mehr ins kalkulierbare Risiko gehen, um mit dem mitzuhalten, was in England, Frankreich oder Spanien geschieht.“

pf

* Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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