48 statt 32 Teams

FIFA berät über "Mega-WM" - ohne deutsche Opposition

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Gianni Infantino will die „Mega-WM“ mit 48 Teams statt wie bisher 32.

Zürich - Die in Deutschland ungeliebte "Mega-WM" könnte schon Anfang der kommenden Woche beschlossen werden. Noch hoffen die Kritiker aber zumindest auf eine Verschiebung der Entscheidung durch das FIFA-Council.

Der Weltmeister ist klar dagegen, die millionenschweren Klubs sowieso - doch die von FIFA-Präsident Gianni Infantino forcierte "Mega-WM" ist nicht mehr aufzuhalten. Schon vor der vielleicht entscheidenden Sitzung des FIFA-Rats am Dienstag (9.00 Uhr) in Zürich spricht der Schweizer Boss des Weltverbands von einer "überwältigenden" Mehrheit für eine WM mit 48 statt 32 Nationen. 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) scheint mit seinem Widerstand auf verlorenem Posten zu stehen. "Die Weltmeisterschaften waren in der Vergangenheit immer Turniere, die Aktive, Zuschauer und Sponsoren gleichermaßen begeistert haben. Warum also sollte man etwas ändern?", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der weltgrößte Fußballverband sei "grundsätzlich davon überzeugt, dass am bewährten Modus mit 32 Teilnehmernationen festgehalten werden sollte". Nur hat der DFB auf dem Zürichberg keine Stimme. Nach dem durch die Ethiksperre bedingten Rücktritt von Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach sitzt kein deutscher Vertreter am Council-Tisch.

Andere Verbände unterstützen die Pläne 

Wie die britische Tageszeitung Times berichtet, sind zudem längst nicht alle Verbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gegen die Infantino-Pläne. Jede öffentliche Äußerung ist ein politischer Schachzug. Der englische Verband FA bevorzuge beispielsweise demnach das Modell mit 48 Teams, die in 16 Dreiergruppen spielen - aber nur unter der Voraussetzung, dass die UEFA im Verhältnis auch genügend neue Startplätze (bislang 13 plus Gastgeber) erhält. Darauf schielen auch die UEFA-"Schwellenländer", die in der Qualifikation meist knapp scheitern. 

DFB hofft auf Zeitspiel

Der DFB hofft dennoch zumindest auf eine Aufschiebung des Themas, was weiterhin nicht ausgeschlossen ist. "Das FIFA-Faktenpapier zu den vier Alternativformaten, die aktuell zur Diskussion stehen, hat die Mitgliedsverbände erst kurz vor Weihnachten erreicht", sagte Grindel: "Was wir deshalb jetzt zunächst brauchen, ist eine breit angelegte Debatte innerhalb der Verbände und Konföderationen. Eine Entscheidung darf auf keinen Fall übereilt mit der Brechstange getroffen werden."

Es gibt verschiedene Modelle für die „Mega-WM“

Die vier Modelle sehen so aus: Bei den beiden 40er-Varianten würde es entweder acht Gruppen mit fünf Teams oder zehn Gruppen mit vier Mannschaften geben. Bei 48 Teilnehmern denkt die FIFA zum einen an eine Vorqualifikation mit 32 Teams, nach der es wie gehabt mit 32 Mannschaften weitergehen würde. Ein anderer Plan sieht 16 Gruppen mit jeweils drei Teilnehmern vor. DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht bei allen Alternativen "erhebliche" Schwächen, beispielsweise (noch) mehr Spiele um die "Goldene Ananas" und längere Wartezeiten bei noch längeren Turnieren.: 

1. "Bei der 40er-Variante mit acht Gruppen kommen nur die Gruppensieger weiter. Es würde am Ende der Gruppenphase also eine Vielzahl von Spielen geben, bei denen es nur noch um die Goldene Ananas gehen würde." 

2. "Bei der Alternative mit zehn Gruppen würden neben den Gruppenersten die sechs besten Gruppenzweiten in das Achtelfinale einziehen. Das könnte für einige der zweitplatzierten Teams Wartezeiten von bis zu vier Tagen bedeuten, ehe sie wissen, ob sie überhaupt weitergekommen sind." 

3. "Die Playoff-Runde beim 48er-Modell würde das Turnier für die Hälfte der teilnehmenden Nationen um eine Woche verlängern und die Belastung für die Spieler somit erheblich erhöhen." 

4. "Bei der Variante mit 16 Dreiergruppen müsste man wohl das Unentschieden abschaffen, um klare Ergebnisse zu haben und taktisches Verhalten im letzten Gruppenspiel zu vermeiden. Die in dieser Variante angedachte Einführung von Verlängerung und Elfmeterschießen bereits in der Gruppenphase halte ich zudem für problematisch."

Grundsätzlich dagegen positionierten sich die reichen Top-Vereine aus Europa, die eine Mehrbelastung ihrer teuren Profis fürchten. "Politik und Kommerz sollten im Fußball nicht an erster Stelle stehen", sagte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge als Chef der mächtigen Klub-Vereinigung ECA, die einen Protestbrief Richtung FIFA schickten: "Wir müssen uns wieder auf den Sport konzentrieren."

sid

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