Korruptionsskandal auf neuem Höhepunkt

„Die Mauern stürzen ein“ - Blatters FIFA zerbricht

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Im Juli hatte ein englischer Comedian Sepp Blatter bei einer Pressekonferenz mit Dollarscheinen beworfen. 

Zürich - Der Weltfußball steht weiter unter Schock. Alle warten auf den freiwilligen Rücktritt des gefallenen FIFA-Präsidenten - aber wer kommt dann?

Am Morgen nach dem „Blatter-Beben“ herrschte auf dem Zürichberg eine trügerische Ruhe. Die Tore der FIFA-Zentrale waren - wie an jedem Samstag - geschlossen, viele Mitarbeiter im Wochenendmodus. Auf der FIFA-Straße davor warteten nur noch ein paar Kamerateams auf Neuigkeiten. Im Innersten des Fußball-Weltverbands aber regierte nach wie vor das blanke Chaos.

„Die Mauern um Joseph S. Blatter stürzen ein“, titelte die USA Today nachdem die Strafanzeige gegen den einst allmächtigen FIFA-Präsidenten am Freitag öffentlich geworden war. Die britische Times prophezeite einen „Sturm, der nicht einfach vorbeiziehen wird“ und der Guardian fragte stellvertretend für die Weltöffentlichkeit: „Ist Blatters Zeit als Präsident endgültig abgelaufen?“ Nur was kommt dann?

Noch hielt sich die zuständige Ethikkommission bedeckt. Das Gremium, deren rechtsprechender Kammer der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert (München) vorsitzt, wäre die Instanz, die eine provisorische Sperre gegen den FIFA-Präsidenten und auch gegen UEFA-Chef Michel Platini aussprechen könnte - die beiden mächtigsten Fußballorganisationen stünden vor der Implosion.

„Besteht der Verdacht auf Verstoß gegen das Ethikreglement und erscheint eine rechtzeitige Entscheidung im ordentlichen Verfahren zweifelhaft, so kann der Vorsitzende der rechtsprechenden Kammer auf Antrag des Vorsitzenden der Untersuchungskammer (...) vorsorgliche Maßnahmen (zum Beispiel provisorische Sanktionen) erlassen“, steht in Artikel 83 des Ethikcodes.

"Es hat zweifellos kein Missmanagement gegeben"

Als Ende Mai in Zürich sieben FIFA-Funktionäre verhaftet worden waren und die US-Anklage gegen insgesamt 14 Personen bekannt wurde, hatte die Ethikkommission noch am gleichen Tag reagiert und elf davon provisorisch für alle fußballrelevanten Tätigkeiten gesperrt.

Im Fall von Blatter und Platini, der von seinem einstigen Ziehvater eine „treuwidrige Zahlung“ in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken erhalten haben soll, würden dann wohl die jeweiligen Vizepräsidenten ad interim übernehmen. Ob Issa Hayatou (FIFA) oder Angel Maria Villar (UEFA) die Richtigen sind, um den Schmutz aufzukehren, darf aber bezweifelt werden. Die beide Hauptdarsteller des jüngsten Tiefpunktes scheinen dafür ohnehin keinen Anlass zu sehen.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Schweizer Behörden zu dem Schluss kommen werden, dass dieser Vertrag ordnungsgemäß vorbereitet und verhandelt wurde“, sagte Richard Cullen von der Kanzlei McGuireWoods, die den FIFA-Präsidenten vertritt, der New York Times zu dem Verdacht der Behörden, Blatter habe 2005 mit der Karibischen Fußball-Union (CFU) und Jack Warner einen für die FIFA ungünstigen Deal abgeschlossen: „Es hat zweifellos kein Missmanagement gegeben.“ Ein freiwilliger Rücktritt hört sich anders an.

Platini gibt sich kooperationsbereit

Platini äußerte sich auf SID-Anfrage am Abend persönlich. „Bezüglich der Zahlung, die ich erhalten habe, stelle ich fest, dass dieser Betrag mit meiner vertraglich vereinbarten Arbeit für die FIFA zusammenhängt. Ich bin froh, alle diesbezüglichen Angelegenheiten mit den Behörden geklärt zu haben“, teilte der Franzose mit, der als „Auskunftsperson“ vernommen worden war. Er habe „in vollem Umfang kooperiert“ und stehe jederzeit für weitere Fragen zur Verfügung. Rückendeckung bekam der Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) aus der Politik.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls habe „volles Vertrauen“ in seinen Landsmann, sagte dieser bei France Info. Die Justiz müsse im FIFA-Skandal nun „ihren Job machen“, aber „wir sind glücklich, dass wir Michel Platini haben. Er war ein großartiger Sportler, er ist ein großartiger Funktionär.“

SID

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