Erinnerungen

Über Frankfurter Verbrecher und einen Frankfurter Fußballgott: Alex Meier verlässt die Eintracht

Hat Frankfurt im Herzen: Alex Meier wird die Eintracht nach14 Jahren verlassen. Seine Karriere als Profi will er allerdings noch nicht beenden – und irgendwann dann nach Hessen zurückkehren. Foto: Ina Fassbender/dpa

„Junge, ich habe Angst um dich. Das sind doch alles Verbrecher da in Frankfurt.“ Der Überlieferung nach soll die Mutter von Alex Meier das zu ihrem Sohn gesagt haben, als der 2004 zunächst per Leihe vom Hamburger SV zu Eintracht Frankfurt wechselte.

Mittlerweile ist ihr Sohn der Fußballgott für diese „Verbrecher“. Nun, nach 14 Jahren, 379 Spielen, 137 Toren und 55 Vorlagen für die Eintracht ist Schluss. Zumindest in Frankfurt. Fußball will der 35-Jährige aber noch spielen. Wo, das ist noch unklar. Aber er wird wiederkommen. Denn Frankfurt trägt Meier, der in Buchholz in der Nordheide in der Nähe von Hamburg geboren wurde, im Herzen. Er wird einen Job im Verein bekommen. Zum Abschied erinnern wir uns an eine Ikone.

Der Aufstiegsheld Alex Meier

Als Meier zur Eintracht kam, da war Frankfurt Zweitligist. Auch dank neun Treffern und acht Vorlagen des Stürmers ging es aber zurück in die Bundesliga. Noch einmal – in der Saison 2010/2011 – stieg der heute 35-Jährige mit seinem Herzensklub ab. Meier blieb Frankfurt trotz einiger Angebote treu. Er erzielte in der zweiten Liga 17 Tore und verhalf den Hessen zum direkten Wiederaufstieg.

Meier, der Torschützenkönig

Seine beste Saison hatte Frankfurts Kapitän in der Spielzeit 2014/2015. 19 Mal traf der Fußballgott der Eintracht, Frankfurt wurde am Ende trotzdem nur Elfter. Meier sicherte sich aber die Torjägerkanone – das erste und einzige Mal in der Bundesliga. Kurios: Meier gewann diese Auszeichnung, obwohl er die letzten sieben Spiele der Saison wegen einer Knieverletzung verpasste.

Der sanfte Stürmer

Alex Meier ist ein Torjäger. Ein Knipser. Einer, der weiß, wo er stehen muss. Keiner, der 13 Kilometer im Spiel läuft. Aber einer, der weiß, wie er seinen Kopf einsetzen muss. Und einer, der lieber die Innenseite nimmt, statt des Vollspanns. Wenn Meier schießt, dann meistens mit Bedacht. Da wird nicht geballert, da wird gezielt und gestreichelt. Ruhig. Ein Parallele zu seinem Privatleben.

Der Zurückhaltende

Meier ist keiner, der sich in den Mittelpunkt drängt. Ein introvertierter Fußballer. Sein Privatleben hält er aus der Öffentlichkeit. Er war mal verheiratet. Dann wurde er mit einer Kolumbianerin, einer Barbesitzerin aus Frankfurt, gesehen. Die Bild-Zeitung berichtete darüber 2015. Viel mehr ist über den 1,96 Meter langen Stürmer nicht zu finden. Wenn er mit seinem Golden Retriever am Main spazieren geht, dann ist das schon ungewöhnlich offen für ihn.

Eines der wenigen Details, das über Meier bekannt ist, ist seine Liebe zu Florida (USA). Direkt nach der Saison geht es für ihn nach Miami. Und erst kurz vor dem Trainingsbeginn kommt er zurück. Vielleicht ist es aber gerade diese Zurückhaltung, die ihn in Frankfurt zum Publikumsliebling machte. Neben seinen Toren natürlich. Er ist ein bescheidener Typ, immer fair auf dem Platz. Irgendwie der etwas andere Liebling.

Alex Meiers Abschied

Nun kommt nach 14 Jahren der Abschied aus Frankfurt. Meier selbst hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er gern noch geblieben wäre. Aber er verstehe auch, dass sein Vertrag nicht verlängert wird, auf jüngere Spieler gesetzt werden soll. Der Kapitän geht mit dem ersten Frankfurter Titel seit 30 Jahren. Im Finale des DFB-Pokals stand er nicht im Kader. Er hielt den Pokal zusammen mit seinem Vertreter David Abraham in die Höhe. Nur kurz, dann verschwand er wieder in der zweiten Reihe.

Seinen sportlichen Höhepunkt zum Abschied hatte er schon zwei Wochen vorher. Nach langer Verletzung und Erkrankung wurde er am vorletzten Spieltag gegen den Hamburger SV eingewechselt. Schon beim Warmmachen feierte ihn das Stadion. Vier Minuten stand er auf dem Platz. Dann traf Meier wunderschön zum 3:0. Gegen seinen Heimatverein. Für seine Liebe, die Eintracht. Das Stadion explodierte – rein emotional. Es war sein letzter Einsatz. Meier geht mit einem Titel. Er geht erstklassig. Er geht mit einem Tor. Alex Meier geht wie ein Fußballgott. Vielleicht ja zurück nach Hamburg.

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