EM-Viertelfinale gegen Dänemark (Samstag, 20.45 Uhr, ZDF)

Martina Müller blickt auf DFB-Frauen: Team muss sich jetzt finden

Spricht Klartext: Bundestrainerin Steffi Jones sagt vor dem Viertelfinale: „Jetzt muss es fluppen.“ Foto:  dpa

Kassel. Jetzt wird es ernst für die Fußballerinnen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Im Viertelfinale der Europameisterschaft in den Niederlanden trifft das Team von Trainerin Steffi Jones heute auf die Auswahl Dänemarks.

Anstoß in Rotterdam ist um 20.45 Uhr (live im ZDF und bei Eurosport). Bislang lief es noch nicht rund für die DFB-Auswahl - eine Analyse mithilfe der ehemaligen Nationalspielerin Martina Müller.

Das muss besser werden

• Abwehr: Die deutsche Defensive war bislang nicht gefordert. „Die Mädels müssen konzentriert bleiben. Mit Dänemark kommt ein robuster Gegner auf sie zu“, sagt Müller. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sei es das manchmal zu behäbige Aufbauspiel aus der Abwehr.

• Mittelfeld: In der Zentrale fehlt der 37-Jährigen eine Lenkerin. Dzsenifer Marozsan sei gefordert. Sie müsse mehr als Chefin in Erscheinung treten und die Fäden ziehen. Müller sagt außerdem: „Insgesamt habe ich den Mut vermisst, den Ball direkt in die Tiefe zu spielen.“ Die Stürmerinnen müssten noch mehr gefüttert werden. Die ehemalige Nationalspielerin kritisiert, dass es im deutschen Spiel an Tempo mangelt. Flüssige Kombinationen, Doppelpässe und dergleichen seien nur selten zu sehen. Zum Teil fehle die Abstimmung. „Das Team muss sich jetzt finden, ganz klar.“

• Angriff: Auf die mangelhafte Chancenverwertung will Müller erst gar nicht mehr eingehen. „Allerdings wird aus dem Spiel heraus zu wenig Gefahr erzeugt.“ Viele Aktionen kämen beinahe zufällig zustande. In dieser Hinsicht fordert Müller klarere Abläufe mit mehr Struktur. Wichtig: „Sie müssen es immer wieder probieren. Irgendwann platzt der Knoten.“

Das lief schon ganz gut

• Abwehr: Wenn es mal brenzlig wurde, war die Defensivabteilung zur Stelle. Die mache einen stabilen Eindruck, bilanziert die Stürmerin Müller: „Und die Abwehr ist der torgefährlichste Mannschaftsteil - mehr muss ich dazu nicht sagen.“

Mittelfeld: Bundestrainerin Steffi Jones hat während der Gruppenphase viel rotieren lassen. Das habe zwar hier und da zu Abstimmungsproblemen geführt, „aber die Mannschaft ist flexibler als früher. Da steckt viel Potenzial drin“, sagt Müller. Außerdem lobt unsere Expertin das Spiel über die Flügel. An Flanken habe es nicht gemangelt. Vor allem die aus Baunatal stammende Carolin Simon hat Müller überzeugt: „Technisch stark, toller Schuss.“

Angriff: Trotz der miesen Chancenverwertung seien die Angreiferinnen keine Fremdkörper. Bei Müller hinterließ Mandy Islacker bislang einen guten Eindruck. „Sie arbeitet, kommt zu Chancen, jetzt fehlt nur noch das Glück.“

Das fällt allgemein auf

Seit Jahren ist eine Aufwärtsentwicklung im Frauenfußball zu beobachten. Athletischer. Technischer. Taktischer. Nur: Bei dieser EM ist davon nicht allzu viel zu sehen. Müller erklärt das niedrige Niveau mit den kleineren Fußball-Nationen. Die seien früher nicht so oft dabei gewesen. Nun hätten sie aufgeholt, ohne die ganz große Qualität zu haben, erklärt Müller. „Sie legen halt mehr Wert auf Zerstörung als auf Spielkultur. Aber man kann es ihnen ja nicht verbieten.“

Unsere Expertin

Martina Müller (37) stammt aus dem nordhessischen Kaufungen. Zuletzt spielte sie zehn Jahre für den VfL Wolfsburg. 2015 beendete sie ihre Fußballkarriere. Aber nicht für lange. Aktuell spielt sie in der Landesliga für den STV Holzland im Kreis Helmstedt. Für die Nationalmannschaft bestritt sie 101 Länderspiele. Größte Erfolge: u. a. Weltmeisterin 2003 und 2007, Europameisterin 2001 und 2009, Champions-League-Siegerin 2013, 2014 und Deutsche Meisterin 2013, 2014. Müller arbeitet bei VW in Wolfsburg. Sie ist ledig.

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