Drei Spiele fehlen noch

Almir Numic, Präsident von Tasmania Berlin, über Schalkes Negativserie: „Für uns ist es ein positiver Rekord“

Die Mannschaft von Tasmania Berlin der Saison 1965/66.
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Sie hält noch den Rekord: die Mannschaft von Tasmania Berlin der Saison 1965/66.

Wenn derzeit über den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 berichtet wird, dann fällt ein weiterer Name häufig im selben Atemzug: Tasmania Berlin.

Kassel – Der heutige Oberligist hält – noch – den Negativrekord an Spielen ohne Sieg in der ersten Liga. 31 waren das in der Saison 1965/66. Die Königsblauen stehen nach dem 0:2 gegen Freiburg bei – saisonübergreifend – 28 Partien ohne Erfolg. Heute empfangen die Knappen als Letzter den Drittletzten Bielefeld (15.30 Uhr/Sky).

Anders als bei Schalke kam die Serie bei Tasmania vor 55 Jahren nicht wirklich überraschend. Als die Bundesliga 1963 startete, da war Tasmania, dieser Verein aus dem damaligen Westberliner Stadtteil Rixdorf, was heute Neukölln ist, nicht dabei. Hertha BSC bekam den Platz. Doch als die Hertha zwei Jahre später wegen illegaler Vorgänge bei Handgeldern und Gehältern zwangsabsteigen musste, sollte aus politischen Gründen eine andere Berliner Mannschaft nachrücken. Der Berliner Meister Tennis Borussia war in der Aufstiegsrunde gescheitert und somit raus – auch wenn das nicht unbedingt logisch erscheint. Vizemeister Spandau verzichtete. So erfuhr zwei Wochen vor Saisonstart der Dritte – Tasmania – von seinem Glück. Die Spieler waren noch im Urlaub, wurden angerufen, glaubten an einen Scherz – doch im Radio hörten sie, dass es wahr ist.

Das erzählt Unternehmer Almir Numic, der seit Mai Präsident des Vereins ist. Tasmania kämpfte in der vergangenen Saison gegen den Abstieg, ist nun aber Tabellenführer der Oberliga Nord. In die Bundesliga kehrte der Klub nach 1966 nie zurück. Numic über ...

Almir Numic, Präsident von Tasmania.

die Bedeutung des Rekords für den Klub: Wir bekommen mal wieder ziemlich viel Aufmerksamkeit gerade. Gott sei Dank. Ich bin noch nicht lange dabei, und mir war überhaupt nicht bewusst, wie bekannt Tasmania ist. Ich war, kurz nachdem ich Präsident geworden bin, beruflich unterwegs, habe meine neue Aufgabe nur mal am Rand erwähnt. Und alle wussten gleich Bescheid. Ach, Tasmania, die schlechteste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten. Diese Kultgeschichte ist für uns sehr wichtig – den Negativrekord zu halten. Für uns ist es ein positiver Rekord. Das kann man an Sponsoren und Unterstützer verkaufen. Es gab mal eine Analyse, welcher Verein in Deutschland am häufigsten in den Medien erwähnt wird. Da war neben den Bundesligisten auch Tasmania dabei, ein Amateurklub. Nach Hertha und Union kommt in Berlin lange nichts. Und dann kommt Tasmania – noch vor Regionalligisten wie Berliner AK, Viktoria, BFC Dynamo und Tennis Borussia.

die Auswirkungen der Bekanntheit: Wir haben eine sehr große Fangemeinde. Die Fans machen bei uns auch den Fanshop und bedienen die sozialen Medien. Und da ist dieser Rekord natürlich immer wieder Bestandteil. Wir bekommen auch erstaunliche Anfragen für Trikots aus Australien, Dänemark und Norwegen. Ein Norweger hat sogar unser komplettes Fanpaket bestellt. Der ist regelmäßig in Berlin und kommt dann immer zu unseren Spielen.

seinen Lieblingsklub: Ich bin Vollblut-Dortmund-Fan seit ich ein Kind bin. Aber Schalke 04 hat es nicht verdient abzusteigen. Sie haben eine Mannschaft, die um Platz sieben spielen kann. Irgendwie ist bei denen das Wir-Gefühl verloren gegangen. Da geht es nicht ums Geld. Das Team muss bereit sein, alles für das Wappen zu geben. Ich möchte jedenfalls nicht auf die Derbys verzichten. Die Bundesliga kann nicht schon wieder einen Traditionsverein verlieren. Und ich hoffe natürlich, dass wir den Rekord halten. Ich glaube, dass Schalke heute gegen Bielefeld gewinnen wird.

die Folgen, sollte Tasmania den Rekord verlieren: Da würde etwas wegbrechen. In der Sportschau werden alle Bundesliga-Wappen gezeigt – und das von Tasmania Berlin. Bei Sky werden wir immer wieder erwähnt. Das ist schon enorm wichtig für uns. Aber wir haben diesen Rekord ja auch in einer Saison aufgestellt. Bei Schalke ist es saisonübergreifend. Es muss eigentlich schon ein Verrückter kommen, um das in einer Saison zu schaffen.

die Spieler von damals: Fünf, sechs von ihnen kommen immer noch regelmäßig zu unseren Heimspielen. Ich kenne sie gut, wir unterhalten uns viel. Sie haben mir mal erzählt, dass die Busfahrten damals immer beschissen waren. Dafür habe das Bier danach dann richtig gut geschmeckt (lacht). (Maximilian Bülau)

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