Erstmals nach 43 Jahren

Berliner Stadtderby in der Fußball-Bundesliga: Union und Hertha - So nah und doch so fern

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Die Fahnen: Union Berlin empfängt heute Hertha BSC.

Die Hauptstadt hat wieder ein Bundesliga-Derby: Erstmals seit 43 Jahren spielen heute zwei Berliner Fußball-Klubs in Deutschlands höchster Spielklasse gegeneinander. 

Damals waren es Hertha BSC und Tennis Borussia, heute empfängt Union Berlin die Hertha (18.30 Uhr/Sky). Sportlich ist kein klarer Favorit auszumachen. Doch die Identität der beiden Vereine, deren Stadien – nimmt man die A 100 – gerade einmal rund 30 Kilometer voneinander entfernt sind, ist komplett unterschiedlich. Ein Vergleich:

Der Verein

Der ältere der beiden Klubs ist Hertha BSC. Der Verein, der seine Heimspiele im Olympiastadion austrägt, wurde 1892 gegründet und war bereit zum Start der Bundesliga 1963 dabei. Die Blau-Weißen gewannen 1930 und 1931 die Meisterschaft und gehören mittlerweile zum Stammpersonal der Elite-Spielklasse. Hertha BSC hat knapp 37.000 Mitglieder.

Der Vorgängerverein von Union Berlin wurde 1906 gegründet und hieß FC Olympia Oberschöneweide. Nach zahlreichen Namensänderungen entstand 1966 der 1. FC Union Berlin. Die Eisernen – so der Spitzname – spielen im Stadion An der Alten Försterei. Der Verein hat knapp 32 500 Mitglieder.

Das Image

Vom Image her könnten beide Klubs wohl kaum weiter voneinander entfernt sein. Hertha BSC galt und gilt als graue Maus der Bundesliga, ist nicht unbedingt bekannt für attraktiven Fußball. Kurz vor dem Saisonbeginn wurde bekannt, dass die Hertha 37,5 Prozent der eigenen Anteile für 125 Millionen Euro an Investor Lars Windhorst verkauft. Der Hauptsitz der Herthaner liegt im Westberliner Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf – eines der umsatzstärksten Geschäfts- und Handelszentren der Hauptstadt.

Ganz anders kommt da Union daher. Der Ostklub hat seine Heimat im Stadtteil Köpenick – dem größten Bezirk Berlins mit der geringsten Einwohnerdichte. In Köpenick befindet sich das größte Waldgebiet der Hauptstadt, der größte See, der Müggelsee, sowie die höchste Erhebung, die Müggelberge. Köpenick ist im Gegensatz zu den modernen, lauten und hippen Teilen Berlins eher beschaulich, kleinstädtisch.

Dazu passt, dass die Eisernen als bodenständig gelten. Union ist Kult, die Fans sind gegen Kommerz. Am ersten Spieltag riefen die Ultras zu 15 Minuten Stille im Stadion auf – weil mit RB Leipzig ein Vereinsmodell zu Gast war, das den Union-Fans fremder nicht sein könnte. Um erstmals in der höchsten Spielklasse dabei zu sein, musste aber auch Union einen Mittelweg aus Kommerzialisierung und Erhalt der Tradition finden. Das funktioniert bislang.

Das Sportliche

Die Hertha ist nach der Finanzspritze durch den neuen Investor und dem Rekordtransfer von Dodi Lukebakio, der für rund 20 Millionen Euro vom englischen Erstligisten FC Watford kam, mit großen Ambitionen gestartet – und zunächst tief gefallen. Nach vier Spielen hatte die Hertha nur einen Punkt, mittlerweile sind es elf. Im Pokal gab es zuletzt einen Zittersieg nach Elfmeterschießen gegen Dresden.

Für Union zählt dagegen nur der Klassenerhalt. Zwei Siege gegen Freiburg in Liga und Pokal gaben zuletzt Auftrieb. Wie fast überall gilt: Hertha BSC und Union Berlin – zwei Klubs, die sich so nah und doch so weit voneinander entfernt sind.

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