Vor dem EM-Duell am Donnerstag

DFB-Gegner in der Analyse: Darum hat Polen 72 Nationalspieler

Paris – Polens Trainer Adam Nawalka frönt seiner Lust am Erstellen von Profilen. Das würde erklären, warum sein Kader zumindest in der Theorie 72 Spieler umfasst ...

27 Spieler umfasste der erweiterte Kader bei den Deutschen, ein paar weitere Akteure hatte Joachim Löw im Hinterkopf; irgendwo zwischen 30 und 40 liegt im DFB-Bereich also der Kreis (potenzieller) Nationalspieler. Adam Nawalka kann über eine solche Zahl nur schmunzeln, die wirkt auf ihn sehr begrenzt. „In meinem erweiterten Kader hatte ich 72 Spieler“, sagt der polnische Nationaltrainer. Er scheint ein fleißiger Mann zu sein, denn: „Ihre Qualitäten und Profile habe ich alle analysiert.“

Nawalka ist in seiner Detailversessenheit ein liebenswürdiger Trainerkauz, der auch gerne für seine Spieler antwortet. Zur Abschlusspressekonferenz der UEFA vor dem heutigen Spiel gegen Deutschland (ab 21:00 Uhr live im Free-TV und Live-Stream) hatte er Jakub Blaszczykowski und Lukas Piszczek mitgebracht, weil die durch ihre Dortmund-Jahre neben Robert Lewandowski den stärksten Bezug zum deutschen Fußball haben. Zu Wort kamen sie kaum, Nawalka sprach für alle. Die Spieler grinsten wissend: Lass Papa reden.

Adam Nawalka ist eine Art Heilsbringer für den polnischen Fußball, der gegenüber dem deutschen lange einen Minderwertigkeitskomplex pflegte. Von den 20 Begegnungen beider Nationen gewann Polen erst eine – und sie im Herbst 2014 unter der Leitung von Nawalka: 2:0 in Warschau im Hinspiel der Qualifikation für diese Europameisterschaft.

Polens Berühmtester: Robert Lewandowski. Gegen Nordirland blieb er aber torlos. 

Nawalka war als Spieler schon mal nahe dran gewesen an einer solchen Sensation: „Bei der WM 1978 in Argentinien haben wir das Eröffnungsspiel gegen Deutschland bestritten, nach unserer Analyse standen die Chancen fifty-fifty.“ Er gehörte dem Team neben Größen wie Lato, Szarmach und Deyna an, der großen Siebziger-Generation. Szenen aus dem Spiel hat er immer noch vor Augen: „Wir hätten gewinnen können.“ 0:0 ging die WM-Partie aus. „Ich habe dann noch einmal gegen Deutschland gespielt, daran kann ich mich weniger erinnern. Nur noch, dass es eine Niederlage war.“ 1980, ein 1:3 in Frankfurt, Nawalka wurde eingewechselt.

Der 11. Oktober 2014 wurde zum Premierendatum. Sieg über den Nachbarn. „Wir hatten ihn eingeplant“, sagt Adam Nawalka. Das klingt kess, er kann es aber vernünftig erklären: „Er war nur eine Frage der Zeit, er musste früher oder später kommen. Denn wir hatten uns entwickelt und Spieler aus den besten Vereinen Europas.“ Der Trainer findet: „Ich habe eine wahre Mannschaft geformt.“

EM 2016: Das sind die Gruppen-Gegner der DFB-Elf

UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Weltmeister Deutschland tritt in der Gruppenphase der EM-Endrunde vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich gegen die Ukraine, Polen und Nordirland an. © AFP
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Neben den Gruppen-Ersten und -Zweiten erreichen auch die vier besten Dritten ihrer Gruppen das Achtelfinale. Möglich macht das die umstrittene Ausstockung des Turniers auf 24 Teams. Und das sind die deutschen Vorrunden-Gegner. © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Der erste Gegner Deutschlands ist die Ukraine. Die frühere Sowjetrepublik feierte 2012 als Co-Gastgeber EM-Premiere als eigenständiger Staat. Erstmals sportlich qualifiziert - durch einen Zittersieg in den Playoffs gegen Slowenien. © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Diesen Mann kennen die deutschen Fußball-Anhänger und vor allem die Fans des FC Bayern noch sehr gut. Anatolij Tymoschtschuk (36) spielte von 2009 bis 2013 beim FC Bayern. Er ist Rekordnationalspieler der Ukraine. © dpa
Mykhailo Fomenko, UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Bisherige EM-Teilnahmen: 1 - Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 2006 - Trainer: Michail Fomenko (Foto) - Star: Andrej Jarmolenko (Dynamo Kiew). © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Deutsche Bilanz gegen die Ukraine: 2 Siege, 3 Remis, 0 Niederlagen - 10:5 Tore. © dpa
Stade Pierre-Mauroy, Lille
EM-Spieldatum: Gegen die Ukraine spielt Deutschland am 12. Juni im Stade Pierre-Mauroy in Lille. © AFP
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Deutschlands zweiter Gegner ist Polen. Das EM-Ticket sicherte natürlich Superstar Robert Lewandowski mit seinem Tor zum 2:1 gegen Irland. 2008 war Polen erstmals EM-Gast, ein Sieg sprang seitdem noch nicht heraus. Schon in der Qualifikation waren die Polen deutscher Kontrahent. © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Auf ihn muss der Weltmeister aufpassen! Robert Lewandowski (2.v.l.) ist der absolute Superstar der Polen. Für den FC Bayern trifft der Stürmer wie am Fließband. © dpa
Adam Nawalka, UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Bisherige EM-Teilnahmen: 3 - Größte Erfolge: WM-Dritter 1974 und 1982, Olympiasieger 1972 - Trainer: Adam Nawalka - Star: Robert Lewandowski (FC Bayern München). © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Deutsche Bilanz gegen Polen: 13 Siege, 6 Remis, 1 Niederlage - 34:12 Tore. © dpa
Stade De France, Paris, Saint-Denis
EM-Spieldatum: Gegen Polen spielt Deutschland am 16. Juni im Stade de France in Paris (St. Denis). © AFP
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Letzter DFB-Gegner in der Vorrunde ist Nordirland. Was für eine Erfolgsstory: Gruppensieger vor Rumänien und Ungarn. In der Weltrangliste auf Platz 30 so gut wie noch nie in der Geschichte. Nach der EM geht's in der WM-Quali gleich wieder gegen Deutschland. © dpa
Northern Ireland's striker Kyle Lafferty (L) battles for the ball against Latvia's defender Vitalijs Jagodinskis (R) during the international friendly football match between Northern Ireland and Latvia at Windsor park in Belfast on November 13, 2015. AFP PHOTO / PAUL FAITH
Kyle Lafferty (l.) ist der Star der Nordiren. Der 28-jährige Stürmer spielt beim englischen Erstligisten Norwich City und kommt bislang auf 44 Länderspiele, in denen er 15 Mal traf (Stand: 12.12.2015). © AFP
Michael O'Neill, UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Bisherige EM-Teilnahmen: 0 - Größte Erfolge: WM-Teilnahmen 1958, 1982, 1986, EM-Qualifikation 2016 - Trainer: Michael O'Neill - Star: Kyle Lafferty (Norwich City). © dpa
UEFA EURO 2016, Gegner, Gruppe C, Deutschland, Ukraine, Polen, Nordirland
Deutsche Bilanz gegen Nordirland: 8 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen - 32:13 Tore. © AFP
Parc des Princes, Paris
EM-Spieldatum: Gegen Nordirland spielt Deutschland am 21. Juni im Prinzenpark-Stadion in Paris. © AFP

„Der Sieg in Warschau hat uns Selbstvertrauen gegeben und durch die Qualifikation getragen“, sagt Kuba Blaszczykowski. „Und das haben wir auch gegen Nordirland gezeigt.“ Beim EM-Einstand „haben wir dominant gespielt, das Tempo bestimmt.“ Das mündete in einen 1:0-Sieg – den aber nicht Superstar Lewandowski sicherstellte, sondern Arkadiusz Milik, ehemaliger Bundesliga(reserve)spieler (Leverkusen, Augsburg), der erst bei Ajax Amsterdam richtig loslegte.

Fehlen wird gegen Deutschland heute Wojciech Szczesny, der Nummer-eins-Torwart. „Die Ärzte sagen: keine Chance“, meldet Adam Nawalka, „wir dürfen aber Hoffnung haben für das Spiel gegen die Ukraine“.

Wehklagen will der Coach wegen des Ausfalls nicht. Er hatte neben Szczesny ja noch 71 weitere Spieler im Kopf, der Kader sei breit auf jeder Position. Und: „Die Verletzung eines Spielers ist immer eine Chance für einen anderen.“ Kein Widerspruch. 

Rubriklistenbild: © dpa

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