"Das ist ein kleines Problem"

Österreich-Trainer Koller kritisiert Bayern wegen Alaba

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Traf in der ersten Minute gegen Ungarn den Pfosten, danach ging nicht mehr viel: David Alaba (r.).

Bordeaux - Österreichs Mannschaft galt in der Heimat bereits als „Wunderteam“. Nach dem verpatzten EM-Auftakt ist davon nicht mehr die Rede. Auch am Star aus München macht sich die Kritik fest.

Update vom 17. Juni 2016: Dass der FC Bayern eine Mitschuld an der Auftaktniederlage der Alpenrepublik trägt, ist dann doch wohl eher eine kühne Theorie. Doch klar ist: Im zweiten Spiel müssen die Österreicher punkten! Wie Sie das Spiel Portugal gegen Österreich live im Free-TV und im Live-Stream ansehen können, lesen Sie hier.

Reden wollte David Alaba eher nicht. Demonstrativ lustlos stand Österreichs Starspieler in den Katakomben des Stadions von Bordeaux, nahm erst auf Zureden einer Pressesprecherin seine Kopfhörer ab. Dann bequemte sich der Fußballprofi aus München nach der unerwarteten 0:2-EM-Niederlage gegen Außenseiter Ungarn dazu, in kürzester Form gerade einmal zwei Fragen zu beantworten - und sich dann abzudrehen.

„Die Enttäuschung ist natürlich groß“, flüsterte Alaba in die Mikrofone. „Es hat einfach nicht sein sollen. Wir müssen den Kopf nach vorne richten.“ Die Frage nach den Gründen ließ der Österreicher, der sonst im Internet so mitteilungsfreudig ist, nicht mehr zu.

„Von Österreichs Star darf man mehr erwarten“, schrieb der Kurier - und meinte damit die Leistung auf den Platz. Und in der „Kronen-Zeitung“ hieß es am Mittwoch: „Im Teamtrikot sah man den Bayern-Spieler schon sehr viel stärker.“

Die Kritik in der Heimat war teilweise scharf, nicht nur an Alaba. „Der Standard“ lästerte mit Wiener Schmäh: „Auch die Passqualität des Bayern war an diesem Tag alles andere als erster Schlagobers, Hektik die Mutter des Fehlstarts.“

EM 2016: Vom "Wunderteam" ist nicht mehr die Rede

Die Erwartungen in Österreich waren riesig. Vom Portal „oe24.at“ war die mehrheitlich von Bundesligaprofis gebildete Mannschaft sogar als „Wunderteam“ bezeichnet worden. Umso schmerzlicher war die Niederlage gegen den Nachbarn, dessen Profis in Deutschland meistens auf der Bank sitzen. Das schnelle Aus droht nun schon gegen Portugal (hier geht es zum Spielplan).

Gerade von Alaba, der in Österreich ein Superstar ist, erwarten die Austria-Anhänger besonders viel. Doch nach seinem frühen Stangenschuss, wie der Pfostentreffer in seiner Heimat heißt, konnte der Münchener Profi kaum mehr Akzente setzen. Er rannte sich häufig in der dichten Defensive der Ungarn fest.

Die Show stahl dem Münchener Champions-League-Sieger mit Laszlo Kleinheisler ein Spieler, der in der Bundesliga für Werder gerade einmal sechs Einsätze absolviert hatte und in Bordeaux als „Man of the Match“ ausgezeichnet wurde. Die Tore schossen Adam Szalai und Zoltan Stieber, bei ihren Clubs in Hoffenheim und Hamburg unerwünscht.

„Er spielt im Zentrum bei uns und bei den Bayern Linksverteidiger - das ist ein kleines Problem“, klagte Austria-Trainer Marcel Koller, als die Sprache auf Alaba kam. Auf kritische Fragen nach der Leistung antwortete der Coach: „Wenn er das Tor schießt, sieht es anders aus.“

Sein Hund heißt Rudi! Diese Spieler könnten bei der EM voll durchstarten

EM besondere Spieler
UNGARN - Gabor Kiraly (40, Tor, Szombathelyi Haladas) - Mitunter doppelt so alt wie seine Mitspieler. Könnte Lothar Matthäus als ältesten Spieler der EM-Geschichte ablösen. Wird wieder seine tief hängende Jogginghose schlabbern lassen, die schon manchen Beinschuss verhindert hat. "Ich trage sie immer eine Nummer zu groß", sagt er: "Ich bin kein Supermodel. Mein Job ist es, Bälle zu halten." Das kann er auch mit 40 noch. © dpa
EM besondere Spieler
ENGLAND - Jamie Vardy (29, Sturm, Leicester City) - Die Geschichte eines wundersamen, blitzschnellen Aufstiegs von der 8. Liga zu den Three Lions. Musste einst mit Fußfessel spielen, fesselt jetzt seine Fans. Als Torschützenkönig eine Hauptfigur des Märchens von Leicester City, eines Sammelbeckens für Talente und Gescheiterte, die aus dem Nichts Meister wurden. Kaum jemand außerhalb Englands hat Vardy spielen sehen. Das ändert sich jetzt. Es wird Zeit. © dpa
EM besondere Spieler
WALES - Joe Allen (26, Mittelfeld, FC Liverpool) - Andrea Pirlo fehlt. Als Passgenie, als italienische Stil-Ikone, die morgens nur einmal schnell mit den Fingern durchs Haar schüttelt und schon perfekt aussieht. Immerhin: Es gibt Joe Allen! "The Welsh Pirlo" nennen sie den Mann. "Großartiger Bart, großartiger Haarschnitt, großartiger Typ", sagt sein Kapitän Ashley Williams. Damit ist alles gesagt. Der echte Pirlo fehlt trotzdem. © AFP
EM besondere Spieler
SPANIEN - Nolito (29, Sturm, Celta Vigo) - Ein Phänomen. Manuel Agudo Durán, so der echte Name, bringt den "Rock'n'Roll zwischen die Violinen", sagt der frühere Nationalspieler Kiko Narváez. Wuchs bei seinen Großeltern auf, weil seine Mutter im Gefängnis saß. Bietet neben den "falschen Neunern" und Pass-Maschinen den Instinkt, Straßenfußball, Kampf. Ist 29 und spielt in der Provinz bei Celta Vigo. Spätstarter gegen alle Widerstände. Vier Tore in neun Länderspielen. © AFP
EM besondere Spieler
BELGIEN - Radja Nainggolan (28, Mittelfeld, AS Rom) - Blondierter Irokesen-Schnitt, Gesicht eines Kriegers, und: Tattoos, Tattoos, Tattoos. Eine riesige Rose vorne und Flügel mit Herz hinten auf dem Hals (für die verstorbene Mama), eine Schlange über den gesamten Bauch, Sinnsprüche, Verschnörkeltes, Geheimnisvolles, Namen, überall. Sieht auch mit nacktem Oberkörper aus, als trage er ein buntes T-Shirt. Spielt übrigens in Italien bei AS Rom. Und: Sein Hund heißt Rudi. © AFP
EM besondere Spieler
PORTUGAL - Renato Sanches (18, Mittelfeld, Benfica Lissabon, bald Bayern München) -Rastalocken, beeindruckend muskulöser Körper, jetzt schon ein Fels. Eines der größten Talente Europas. Bayern München zahlt für den 18-Jährigen mindestens 35 Millionen Euro. Trank auf der Meisterfeier von Benfica Lissabon eine Dose Bier vor laufenden Kameras aus, ohne abzusetzen. Feierte dann mit Hut, aber ohne Hose weiter. © AFP
EM besondere Spieler
RUSSLAND - Roman Neustädter (28, Abwehr, Schalke 04) - Heißt Roman Petrowitsch Neustädter. Geboren in Dnjepropetrowsk (heute Ukraine). Bis 2016 deutscher Staatsbürger, wurde am 30. Mai offiziell Russe, um bei der EM spielen zu können. Musste daraufhin unverhofft seinen deutschen Pass abgeben. Spricht fließend russisch. Schrieb vor kurzem bei Instagram: "Falls du ein Rassist oder homophob bist, verpiss dich von meinem Account!" Spielt jetzt dennoch für das Land Wladimir Putins. Sagt dazu: "Das ändert nichts an meiner privaten Meinung." © dpa
EM besondere Spieler
ALBANIEN - Taulant Xhaka (28, Mittelfeld, FC Basel) - Das Duell mit der Schweiz wird ohnehin ein Spiel von Albanien gegen Albanien II, doch Xhaka verleiht ihm noch eine besondere Note. Taulant, 25, geboren in Basel, spielt gegen seinen Bruder Granit, 23, geboren in Basel. Taulant spielt für Albanien, Granit Xhaka, der von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal wechselt, entschied sich für die Schweiz. Er spielt am 11. Juni gegen seinen Bruder - und das Heimatland seiner Eltern. © AFP
EM besondere Spieler
NORDIRLAND - Will Grigg (24, Sturm, Wigan Athletic) - Es gibt kein Entkommen. "Der Song ist überall", sagt Grigg, wenn er von "seinem" Lied spricht. Seit Sean Kennedy, Fan von Wigan Athletic, den Hit "Freed from desire" der italienischen Sängerin Gala auf ihn umgeschrieben hat, gibt es kein Halten mehr. In den britischen Download-Charts stand "Will Grigg's on fire" sogar auf Platz sechs - vor Adele, Justin Bieber oder Coldplay. © AFP
EM besondere Spieler
UKRAINE - Andrej Jarmolenko (26, Mittelfeld, Dynamo Kiew) - Verlor Anfang Mai vollkommen die Nerven. Mit einem üblen Tritt gegen Taras Stepanenko, Schachtjor Donezk, löste er eine Massenschlägerei auf dem Platz aus. Die Atmosphäre zwischen den Klubs ist nun vergiftet - aber zusammen stellen die Rivalen nicht weniger als 11 EM-Spieler. Darunter, im Mittelfeld, selbstverständlich: Jarmolenko und Stepanenko. © 
EM besondere Spieler
ISLAND - Kolbeinn Sigthorsson (26, Sturm, FC Nantes) -  Siegtor durch Sigthorsson! Ein Fest für Journalisten, Twitterer, Wortspielfreunde in Deutschland. Erzielte tatsächlich schon anständige 19 Tore in 38 Länderspielen. Spielt in Frankreich beim FC Nantes, auch deshalb interessant. Von Ausgleichsson, Führungsthorsson oder Eigenthorsson ist bisher nichts bekannt. © 

"Wie konnte das passieren, Herr Koller?"

Nicht nur die Mannschaft als Tabellenletzter, auch der Schweizer Trainer steht nun am Samstag gegen Portugal im Pariser Prinzenpark gehörig unter Druck. Die „Kronen-Zeitung“ fragte bereits: „Wie konnte das passieren, Herr Koller?“

Das Blatt gab ein wichtigen Teil der Antwort selber. Österreich spielte „hektisch, auffällig nervös und ungenau“ analysierte die Boulevardzeitung und beklagte, dass „Führungsspieler wie Alaba oder Arnautovic viel zu wenig Präsenz zeigten“.

Am Tag nach der Auftaktpleite gab sich Koller kämpferisch. „Jetzt gilt es wieder aufzustehen“, sagte Koller im Teamquartier in Mallemort. „Es bringt bei so einem Turnier nichts, lange zu jammern. Wir müssen den Fokus auf das Spiel gegen Portugal richten.“

Ob er dabei auf Spielmacher Zlatko Junuzovic bauen kann, steht noch nicht fest. Der Bremer Mittelfeldspieler war gegen Ungarn mit einer Knöchelverletzung ausgeschieden. Man müsse nun von Tag zu Tag schauen, hieß es aus dem Austria-Lager.

dpa

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