Wer holt sich den Pokal?

Wales, Portugal, Deutschland, Frankreich – die vier Halbfinalisten im Check

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Torschütze und Weltmeister: Mesut Özil ist mit dem deutschen Team auf einem guten Weg.

Kassel. Nach dem 5:2-Sieg der Franzosen gegen die tapferen Isländer am Sonntagabend stehen die vier Halbfinalisten bei dieser Fußball-Europameisterschaft fest: Außenseiter Wales trifft am Mittwoch in Lyon auf Portugal (21 Uhr, ARD), Gastgeber Frankreich bekommt es am Donnerstag in Marseille mit Weltmeister Deutschland zu tun (21 Uhr, ZDF). In einem Check haben wir die vier Halbfinalisten unter die Lupe genommen, hinzu kommt die Statistik.

Die besagt folgendes: Wales hat niemals zuvor an einer EM-Endrunde teilgenommen. Bei der WM 1968 erreichte das Team das Viertelfinale, scheiterte aber an Brasilien.

Portugal erreichte einmal in der Geschichte das Finale bei einer Europameisterschaft: 2004 im eigenen Land, als das Team 0:1 Griechenland unterlag. Dreimal kam Portugal zudem ins Halbfinale: 2012, 2000 und 1984 - damals in Frankreich. Der größte Erfolg bei einer WM war der vierte Platz 2006 in Deutschland.

Deutschland ist dreimal Europameister geworden: 1972, 1980 und 1996 - mehr EM-Titel hat niemand. Dreimal stand das deutsche Team zudem im Finale. Ach ja: Viermal Weltmeister geworden ist es auch.

Frankreich hat bisher zwei EM-Titel gesammelt: 1984 und 2000. Einmal wurde das Team Weltmeister: 1998 in Frankreich.

Wales: Der größte Außenseiter

Wie lautet der Status? 

Größter Außenseiter in einem EM-Halbfinale seit Otto Rehhagels Griechen.

Wie ist die Formkurve? 

Wales begann stark und ließ kaum nach - mal abgesehen von der schwächeren Leistung im Achtelfinale gegen Nordirland, als das Team selbst das Spiel machen musste.

Wie hoch ist der Euphoriefaktor?

Ganz Wales ist im Fußballfieber. Dass die Engländer längst EM-frei haben, steigert die Laune zusätzlich. Mehr Euphorie geht nicht.

Wie viel Glück ist schon aufgebraucht?

Welches Glück? Wales wurde Gruppenerster und hat im Viertelfinale den Favoriten Belgien verdient ausgeschaltet. Nur im Achtelfinale bedurfte es eines nordirischen Eigentores, um zu siegen.

Wer oder was fehlt?

Mit Aaron Ramsey fehlt einer der wichtigsten Spieler, auch Abwehrrecke Ben Davies ist gelb-gesperrt. Beide Ausfälle sind kaum zu kompensieren. Außerdem fehlt die Erfahrung in großen Spielen.

Auf welche Typen kommt es besonders an?

Auf Superstar Gareth Bale natürlich. Aber auch Hal Robson-Kanu ist gefragt. Kann der vertragslose Stürmer wieder eine ganze Abwehr narren?

Was ist zu erwarten?

Der große Kampf eines stets unterschätzten Teams. Allerdings wird das wohl nicht reichen, um im Konzert der Abgezockten den Ton anzugeben. Im Halbfinale gilt eh wieder Regel eins: Am Ende jubelt Ronaldo.

Deutschland: Der titelreife Favorit

Wie lautet der Status?

Als Weltmeister zwangsläufig Turnierfavorit Nummer eins a.

Wie ist die Formkurve?

Es ging leistungsmäßig immer ein wenig bergauf. So muss es sein.

Wie hoch ist der Euphoriefaktor?

Hallo? Wer Italien in einem dramatischen Elfmeterschießen schlägt, schwebt auf Wolke sieben - und trinkt dabei einen heißen Espresso. Da lässt es sich dann auch leichter ertragen, wenn einer nach dem anderen für das Halbfinale ausfällt.

Wie viel Glück ist schon aufgebraucht?

Nun ja, ins Elfmeterschießen sollte es jetzt womöglich nicht mehr gehen, aber sonst? Ebneten Spielintelligenz und Dominanz den Weg.

Wer oder was fehlt?

Innenverteidiger Mats Hummels ist gesperrt, Sami Khedira und Mario Gomez fallen aus, Bastian Schweinsteiger ist angeschlagen. Damit fehlt es an einer Portion Erfahrung und einem Stoßstürmer. Aber sonst - frei nach Berti Vogts: Das Team ist der Star.

Auf welche Typen kommt es besonders an?

Manuel Neuer, sollte es doch Elfmeterschießen geben. Mario Götze, wenn er sich daran erinnert, dass er besser ist als Messi. Und womöglich Emre Can als Ersatz für den Khedira-Ersatz Bastian Schweinsteiger.

Was ist zu erwarten?

Leidenschaft eines intakten Teams, das auch ersatzgeschwächt jede Elf schlagen kann - auch die des Gastgebers. Insofern: Titelreif.

Portugal: Der minimalistische Halbfinalist

Wie lautet der Status?

Halbfinalist - und keiner weiß, warum.

Wie ist die Formkurve?

Eine Formkurve haben die Portugiesen bei dieser EM eigentlich nicht - eher eine Formgerade. Mit drei Unentschieden qualifizierte sich das Team als Gruppendritter für das Achtelfinale. Danach gab es einen Sieg nach Verlängerung und einen nach Elfmeterschießen - eine Führung nach 90 Minuten dagegen noch nicht.

Wie hoch ist der Euphoriefaktor?

Trotz dieser Leistung ist die Euphorie groß. Portugal konnte noch nie einen großen Titel gewinnen. Der Weg ins Finale könnte kaum einfacher sein.

Wie viel Glück ist schon aufgebraucht?

Eine ganze Menge. Allein im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn war Portugal zwischenzeitlich schon dreimal ausgeschieden. Der Erfolg gegen Kroatien war glücklich, das Elfmeterschießen ist immer eine Lotterie.

Wer oder was fehlt?

William Carvalho wegen einer Gelb-Sperre. Der Ausfall des 24-Jährigen wird eine Lücke im Mittelfeld reißen.

Auf welche Typen kommt es besonders an?

Pepe und Cristiano Ronaldo. Der eine, Pepe, hält die Abwehr zusammen. Ronaldos Tore werden zudem dringend gebraucht.

Was ist zu erwarten?

Die Portugiesen haben in den K.o.-Spielen nie ansehnlich gespielt - aber erfolgreich. Sie werden ins Finale einziehen - mehr nicht.

Frankreich: Der euphorische Gastgeber

Wie lautet der Status?

Als Gastgeber zwangsläufig Turnierfavorit Nummer eins b.

Wie ist die Formkurve?

Die Franzosen präsentieren sich als Turnierteam, steigern sich von Spiel zu Spiel. In der Gruppenphase waren die Duelle mit Rumänien, Albanien und der Schweiz sehr zäh. Das Achtelfinale gegen Irland erwies sich als harter Kampf. Gegen Island feierten sie ein Schützenfest.

Wie hoch ist der Euphoriefaktor?

Frankreich ist der Gastgeber - natürlich ist die Euphorie im eigenen Land riesengroß. Mittlerweile hat man auch die eigenen Fans überzeugt.

Wie viel Glück ist schon aufgebraucht?

Glück nicht unbedingt, aber späte Tore haben die Franzosen schon benötigt. Zudem fehlt bislang das Duell mit einer Topmannschaft. Der Weg ins Halbfinale war ein ziemlich einfacher. Mit Deutschland wartet nun der Weltmeister.

Wer oder was fehlt?

Was der Mannschaft fehlt, ist die Erfahrung.

Auf welche Typen kommt es besonders an?

Die Offensive überzeugte bislang. Griezmann, Payet und Giroud machen den Unterschied. Dazu kommt Antreiber Pogba aus dem Mittelfeld.

Was ist zu erwarten?

Das junge Team von Trainer Didier Deschamps hat noch zwei jahre Zeit, um die Hände am Pokal zu haben. Die Voraussetzungen sind zwar gut, aber die erfahrene deutsche Mannschaft wird ins Finale einziehen.

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