Aus Eishockey, Handball, Basketball und Leichtathletik

Im Fußball-Fieber: So verfolgen andere Sportler aus der Region die EM

Die Fußball-EM packt auch Sportler aus anderen Sportarten: Auch Eishockeyspieler, Handballer, Basketballer und Leichtathleten sitzen in diesen Tagen vor dem Fernseher.

Sie verfolgen nicht nur die Spiele der Nationalmannschaft, sie fiebern auch mit, wenn Belgier, Polen und Isländer um den Einzug in die nächste Runde kämpfen. Wir haben deshalb einen Rundruf bei Sportlern aus unserer Region gestartet und sie gefragt, wie sie das Turnier erleben und verfolgen. Herausgekommen sind dabei persönliche und überraschende Einblicke. Husky Markus Keller wettet gern mal, Melsungens Nationalspieler Michael Allendorf setzt ab dem Viertelfinale auf Public Viewing, Leichathletin Pamela Dutkiewicz drückt zwei Nationen die Daumen, und Göttingens Coach Johan Roijakkers darf vermutlich nicht mehr in die niederländische Heimat zurückkehren, wenn dort bekannt wird, dass er Belgien und Deutschland die Daumen drückt.

Eishockey: Ab und zu ins Wettbüro

Selfie vom Deutschland-Spiel: Markus Keller und Freundin Satu verfolgen die Auftritte des Nationalteams in stilechtem Outfit.

Die EM, das verrät er und lacht, werde er nicht mit einem Plus abschließen. Denn ab und zu geht Markus Keller gemeinsam mit Freundin Satu vor den Spielen ins Wettbüro und setzt kleine Summen: „Zwei Euro, mehr nicht.“ Der Spaß am Spiel reizt den Eishockey-Torhüter des Zweitliga-Meisters dabei sicherlich – auch wenn er, statt Titel und Triumph wie mit den Huskies zu feiern, häufiger in die Röhre guckt. Natürlich nimmt der 26-Jährige es nicht nur sportlich, sondern wie ein Gentleman noch dazu: „Ich gehe da mit einem dicken Minus raus, aber Satu lade ich trotzdem zum Eis ein.“

Die Finnin und der gebürtige Augsburger verpassen kaum eine Partie dieser EM, auch wenn Satus Landsleute gar nicht teilnehmen. Sie sitzt im Deutschland-Trikot vor dem Fernseher: „In meinem WM-Trikot von 2014, Größe L, das ist für sie ein schickes Kleid“, erklärt Keller. Überhaupt hätte seine Freundin eine große Auswahl – denn Fußball-Fan Keller hat mindestens 40 Jerseys im Schrank hängen. „Ich sammele Trikots. Ich schätze mal, so 90 Prozent davon sind welche vom FC Bayern.“ Denn auch wenn Keller aus Augsburg stammt, schlägt sein Fanherz nicht für den FCA, sondern für die Münchner.

Sein bisheriger EM-Höhepunkt war gleich der Auftakt des deutschen Teams: „Wir waren im Megapark auf Mallorca. Jungesellenabschied. Anpfiff war zwar erst 21 Uhr, aber um 16 Uhr waren die Türen schon geschlossen. Es war drückend voll“, erinnert sich der Keeper, der für die noch ausstehenden Spiele einen Wunsch hat: Treffer. „Im Winter wünsche ich mir wenig Tore, im Sommer mehr. Diese EM-Endrunde ist bislang wirklich ziemlich torarm.“

Fühlt denn ein Eishockey-Torhüter mit seinen Fußball-Kollegen? Etwa mit dem Ungarn Gabor Kiraly, der gegen Belgien gleich vier Tore kassierte? Pustekuchen! Keller grinst und sagt: „Das ist ja gar kein Vergleich. Im Fußball bekommt ein Torhüter 20 Schüsse aufs Tor. Als Eishockey-Torwart im Schnitt 60. Da kann ich kein Mitleid haben.“

Handball: Ab Viertelfinale auf die Fritze

Mit Bier und Wein beim Achtelfinale: MT-Linksaußen Michael Allendorf (links) sah sich Deutschlands Sieg gegen die Slowakei mit Ehefrau Natalie im Kasseler Restaurant El Erni an.

Fußball-Europameisterschaft – die ist auch Pflicht für einen Handballer. Das sagt zumindest Michael Allendorf vom nordhessischen Bundesligisten MT Melsungen. „Ich gucke sonst auch Fußball. Aber in diesen Wochen bin ich durch und durch Fußball-Fan“, sagt der Linksaußen.

Logisch, dass er bislang kein deutsches Spiel verpasst hat, und das war gar nicht so einfach. Zum Zeitpunkt der ersten beiden Gruppenspiele befand sich der 29-Jährige nämlich im Urlaub. Gut, Fernseher gibt es überall. Auf einem Boot wird die Sache schon etwas kniffliger. Allendorf war mit Freunden Segeln. Die Glotze hatten sie dabei. „Und an den Spieltagen haben wir in einem Hafen angelegt, um Empfang zu haben.“ Dann ging’s.

Seit Spiel Nummer drei weilt der Handballer wieder in Nordhessen. Das Achtelfinale gegen die Slowakei verfolgte er mit Ehefrau Natalie im Kasseler Restaurant El Erni – natürlich im Deutschland-Trikot. „Das muss sein. Das darf nicht fehlen“, sagt Allendorf. Ab dem Viertelfinale will er auch mal auf Kassels Fanmeile, der Friedrich-Ebert-Straße, vorbeischauen. Bislang sei die Euphorie ja noch nicht so groß gewesen, die werde aber spätestens am Samstag zunehmen, ist sich Allendorf sicher.

Als Handballer kann er gut nachvollziehen, wie sich die Fußballer fühlen. „Das ist ein bisschen wie bei uns, als wir im EHF-Cup gestartet sind“, sagt der MT-Spieler. In der Gruppenphase stünde noch nicht so viel auf dem Spiel. Aber ab der K.o.-Runde würde das Kribbeln mehr und mehr wachsen. Dann steige die Anspannung. Von daher „freue ich mich auf die Partie gegen Italien“.

Allendorf sagt außerdem: „Die Handballer haben es im Winter vorgemacht. Nun sind die Fußballer mit dem EM-Titel an der Reihe.“

Basketball: Holländer fiebert mit Belgien und Deutschland

Immer engagiert an der Seitenlinie: Der Niederländer Johan Roijakkers, Trainer des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen.

Johan Roijakkers hat in diesen Tagen ein Problem: Denn sein Team ist gar nicht bei der Europameisterschaft dabei: Der Trainer des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen ist Niederländer. Er sagt: „Ich verfolge nicht alle Spiele der EM. Ich suche mir die interessanten Spiele heraus. Ich bin auf kein Nationalteam festgelegt. Von dem, was ich bisher gesehen habe, denke ich, dass Belgien gute Chancen auf den Titel hat. Allerdings räume ich auch den Deutschen gute Titelchancen ein, da sie eine Weltklasse-Mannschaft haben.“

Dabei hätte sich der 35-Jährige gefreut, wäre Oranje bei der EM dabei gewesen. Denn auch wenn Roijakkers über sich sagt „Ich lebe und esse Basketball“, so hängt sein Herz doch auch am Fußball und auch an einem Verein.

Als Aktiver war der Niederländer Point Guard und spielte von 1997 bis 1999 beim PSV Eindhoven. Aus dieser Zeit stammt seine Liebe zum niederländischen Ehrendivisionär PSV Eindhoven. Danach folgten vier Jahre bei Bingoal Bree in Belgien. Daher stammt sein Faible für Belgien.

Wäre er seiner Linie treu geblieben, hätte er auch der Slowakei die Daumen gedrückt. Denn die erste Trainerstation des BG-Coaches war 2011/12 BC Prievidza, der Klub, mit dem er auf Anhieb Slowakischer Meister wurde. Seit 2012 betreut der Mann aus Deurne die Veilchen.

Leichtatheletik: Blick für die Charaktere

Pamela Dutkiewicz

Sie stimmt ihren Tagesablauf nicht extra auf den Spielplan der Europameisterschaft ab, sagt aber: „Wenn es passt, gucke ich natürlich. Aber ich würde mir nie für ein Spiel freinehmen.“ Dabei hat Pamela Dutkiewicz gleich zwei Eisen bei der EM im Feuer: Neben dem deutschen Team drückt die Lehramtsstudentin auch den Polen die Daumen – es ist das Heimatland ihrer Eltern. Und: „Ich bin selbst öfter mal da und ein Großteil meiner Verwandtschaft lebt noch dort“, erklärt die 24-Jährige.

Die Zeiten, in denen sie „Rudelgucken“ zelebrierte oder mit ihrem Vater, einem Ex-Fußballer, schaute, die sind lange vorbei. „Ich gucke am liebsten entspannt auf dem Sofa“, sagt die Baunatalerin, die für Wattenscheid startet.

Dabei hat die Hürdensprinterin als Einzelsportlerin auch einen anderen Blick auf die Geschehnisse auf dem Platz. „Ich habe von den Fußball-Regeln nicht die allergrößte Ahnung“, erklärt sie und lacht. „Ich achte oft mehr auf die Charaktere, die da auf dem Platz stehen. Spielen da beispielsweise lauter Egoisten oder aber ein Team, eine Einheit, wie die deutsche Mannschaft.“

Geprägt hat diese Sichtweise sicherlich ihr sportliches Dasein als Einzelkämpferin. „Von meiner Mentalität her bin ich Teamplayerin. Aber als Leichtathletin habe ich mir antrainieren müssen, egoistisch zu sein. Ein Mannschaftsgefühl habe ich höchstens noch in der Staffel. Das fehlt mir sehr.“

Wie es sich anfühlt, an einer EM teilzunehmen, das erfährt sie in der kommenden Woche: Dann vertritt sie die Region bei der Leichtathletik-EM in Kassel.

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