Gute Beteiligung bei der Premiere

Fußball: Frankenberger Schiedsrichter-Vereinigung startet Lehrgänge per Videokonferenz

Maximilian Zuncke von der Frankenberger Schiedsrichtervereinigung der Fußballer sitzt vor einem Laptop bei einer Onlineschulung. Auf dem Bild zu sehen zwei Bildschirme und Zuncke von hinten.
+
Die Schiedsrichter gehen Online: An der Vorbereitung des ersten Online-Lehrabends war auch Maximilian Zuncke beteiligt.

Die Schiedsrichter-Vereinigung Frankenberg hat in der Corona-Krise ihre Unterrichtsarbeit für ihre Mitglieder wieder aufgenommen – mit zwei gut besuchten Online-Lehrabenden. Ein sehr gelungener Auftakt, fand nicht nur der Vorsitzende Timo Clemens.

Es ist Donnerstagabend, exakt zwei Dutzend Schiedsrichter haben sich zum ersten Online-Lehrabend im Frankenberger Land zugeschaltet. Mit Headset ausgestattet ist der Kreisschiedsrichter-Obmann Timo Clemens auf dem Bildschirm zu sehen.

Lehrwart Lukas Kitowski und sein Vertreter Marcel Zuncke haben den Abend vorbereitet. Das Programm Bluejeans Videokonferenzen des DFB führt die Unparteiischen – zugeschaltet per Video, Mikrofon und im Chat – erstmals zusammen.

20 Uhr: „Wir fangen einfach mal um fünf nach acht an“, lässt Timo Clemens verlauten. Wie in einer normalen Sitzung auch wird noch auf Nachzügler gewartet.

Dann geht es los: „Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen“, leitet Timo Clemens die Premiere ein. „Der Spielbetrieb ruht, wie und wann es weitergeht, das steht in den Sternen“, macht er seinen Kameraden deutlich, dass es noch lange dauern kann, bis sie mal wieder ein richtiges Fußballspiel leiten werden. Nach dem Ausfall etlicher Lehrabende können sie aber mit diesen Online-Kursen jetzt wieder lernen; ihr Wissen auffrischen – per Videokonferenz als einer echten Premiere. Übrigens: Auch Neulingslehrgänge können zukünftig online stattfinden, gibt Lukas Kitowski bekannt.

Exquisites Thema an diesem Abend: das Handspiel in vier Akten. Aus aktuellem Anlass haben Lukas Kitowski und Marcel Zuncke vier Szenen aus vier verschiedenen Bundesligaspielen zusammen gestellt. „Kein trockenes Thema“, so Kitowski, der zu reger Diskussion auffordert.

Die vier besprochenen Szenen

1. Spiel: Dortmund gegen Bayern. Haalands Schuss streift den Arm vom fallenden Boateng und streicht am Bayern-Tor knapp vorbei. Der Videoassistent aus Köln greift nicht ein. „Die Szene wird auch hier wild diskutiert“, stellt Kitowski fest und spricht von einer „Fifty-Fifty-Szene“. „Bei Boateng sieht man schon, dass eher eine Bewegung zum Ball geht“, findet ein zugeschalteter Referee. Zum Abrunden gibt‘s noch die Meinung von Lutz Michael Fröhlich: „Ein Fall im Grenzbereich, es hätte auch Strafstoß geben können“, sagt der Sportliche Leiter der DFB-Elite-Schiedsrichter.

2. Spiel: Paderborn - Dortmund. Can wirft sich in den Schuss von Dräger mit einem Handspiel, bei dem der Schiedsrichter Elfmeter gibt. „Der Arm war doch angelegt, das war eher kein Strafstoß“, findet Pierre Apfel. Auch Experte Fröhlich tendiert zur Einschätzung „kein Strafstoß“. Marcel Zuncke vermutet, dass der Referee die Szene nicht genau sehen konnte, dafür aber der Assistent. Was man nicht sehe, könne man auch nicht pfeifen. Wegen Torschuss-Verhinderung hätte Zuncke Can die gelbe Karte gezeigt.

3. Spiel: Frankfurt - Wolfsburg. Ein Schuss von Rebic (64. Minute) wird vom Wolfsburger Knoche im Fallen per Handspiel (??) abgeblockt. „Früher hätte diese Aktion ein Handspiel dargestellt, aber heute ist die Regel anders“, sagt Lukas Kitowski, der Referee habe perfekte Sicht in dieser Szene gehabt und korrekt auf Weiterspielen entschieden.

4. Spiel: Bremen - Frankfurt. Beim Spielstand von 2:1 für Bremen stoppt Augustinsson knapp im Strafraum den Lauf von Rebic klar per Handspiel; der Schiedsrichter pfeift sofort Elfmeter. – Rege diskutiert im Chat wird auch dieser vierte Akt uner den zugeschalteten SR-Kameraden. Hier liege ein absichtliches Handspiel vor, findet Marcel Zuncke, wobei Bremens Trainer Kohfeldt noch ein Foulspiel zuvor reklamierte. „Der Strafstoß ist berechtigt“, urteilt ein Frankenberger Schiedsrichter. Zuncke lobt den gut positionierten Referee und seine klare Gestik.

20.45 Uhr: Rege diskutiert von den Teilnehmern und kritisch begleitet von den Lehrwarten geht die erste Online-Fortbildung bei den Frankenberger Unparteiischen ihrem Ende entgegen. „Wir haben die Dauer der Konferenz extra etwas kürzer gehalten“, sagt Marcel Zuncke, „um das Sonderthema Handspiel dafür umso intensiver zu behandeln.“ Glücklich über das erste Online-Treffen nach langer Pause wegen Corona ist auch der Kreisschiedsrichter-Obmann: „Persönlich fand ich den Auftakt sehr gelungen. Das Feedback von den Teilnehmern ist durchweg positiv“, sagt Timo Clemens.

Teilnehmer ziehen positive Bilanz

Zwei Stimmen von Teilnehmern bestätigen den Erfolg des Abends. „Ich fand es sehr gut“, sagt Mario Opper. Der 50-Jährige pfeift für den SV Rennertehausen. „Da wir uns wegen Corona ja nicht mehr treffen konnten, ist diese Möglichkeit umso wichtiger, denn der Kontakt untereinander darf nicht abbrechen. Wichtig war auch, im Vorfeld die Infrastruktur für die Konferenz zu schaffen, und das hat doch ohne Probleme geklappt.“

„Mir hat es gut gefallen“, sagt auch Jung-Schiedsrichter Felix Schmidtmann. Der Zwölfjährige von der SG Eder steht noch ganz am Anfang seiner SR-Karriere. Wenigstens online bestehe nun die Chance, sich weiter zu bilden und auch persönlichen Kontakt zu den Kollegen zu haben. Übrigens: Am Sonntag schalteten sich 13 Unparteiische zum zweiten Online-Lehrabend zusammen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.