U17: Yesils Rock-Band auf WM-Titel-Jagd

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Samed Yesil erzielte im Viertelfinale gegen England seine Turniertore Nummer vier und fünf.

Torreon/Hamburg - Für die deutsche U17 scheint bei der Fußball-WM in Mexiko nichts mehr unmöglich. Angeführt von Toptorjäger Samed Yesil gehen die Junioren mit viel Selbstvertrauen in das Halbfinale gegen den Gastgeber.

,Samed Yesil ist nicht oft am Ball. Wer seine Qualitäten sehen will, muss genau hinschauen. Wie bei diesem herrlichen Treffer gegen England im Viertelfinale der U17-WM in Mexiko zum zwischenzeitlichen 3:0 (Endstand 3:2).

Kapitän Emre Can spielte einen langen Pass auf Mitchell Weiser, der einen Abwehrspieler ins Leere laufen ließ und dann den Ball mit der Hacke in die Mitte passte. Und natürlich wartete dort schon Yesil, der sich mit einer simplen Körpertäuschung geschickt von zwei Abwehrspielern löste, um einzuschieben. Ein Laufweg, als wäre er am Reißbrett entstanden.

Trainer Steffen Freund sagt: „Er hat unglaubliche Qualitäten. Im Moment ist er nicht zu ersetzen.“ Yesil, immer wieder Yesil: Wenn die Junioren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Nacht zum Freitag (1.00 Uhr MESZ/ARD und Eurosport) in Torreon gegen Gastgeber Mexiko um den ersten Finaleinzug seit 26 Jahren kämpfen, ruhen die Hoffnungen auf diesem jungen Kerl mit dem Spitznamen Gerd.

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Uwe Seeler, Debüt am 16.10.1954 mit 17 Jahren und 11 Monaten, gegen Frankreich (1:3), insgesamt 72 Länderspiele © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Mario Götze, Debüt am 17.11.2010 mit 18 Jahren und 5 Monaten gegen Schweden (0:0). Noch aktiv. © dpa
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Olaf Thon am 16.12.1984 mit 18 Jahren und sieben Monaten gegen Malta (3:2), insgesamt 52 Länderspiele. © dpa
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Lukas Podolski am 06.06.2004 mit 19 Jahren gegen Ungarn (0:2). Noch aktiv. © dpa
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Karl-Heinz Schnellinger am 02.04.1958 mit 19 Jahren gegen die CSSR (2:3), insgesamt 47 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Helmut Haller am 24.09.1958 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Dänemark (1:1), insgesamt 33 Länderspiele. Vier Jahre zuvor gab Klaus Stürmer am 16.10.1954 mit 19 Jahren und zwei Monaten sein Debüt gegen Frankreich (1:3), insgesamt zwei Länderspiele - hier die WM-Elf von 1954 aus dem gleichen Jahr. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Lothar Matthäus am 14.06.1980 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen die Niederlande (3:2), insgesamt 150 Länderspiele  © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Marko Marin am 27.05.2008 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Weißrussland (2:2), noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Ludwig Kögl am 15.06.1985 mit 19 Jahren und drei Monaten gegen Mexiko (0:2), insgesamt zwei Länderspiele (Kögl ist hier bei einem Altstars-Spiel zwischen dem FC Bayern und Real Madrid zu sehen). © dpa
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Bernd Schuster, Debüt am 22.05.1979 mit 19 Jahren und fünf Monaten gegen Irland (3:1), insgesamt 21 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Karlheinz Förster, Debüt am 05.04.1978 mit 19 Jahren und acht Monaten gegen Brasilien (0:1), insgesamt 81 Länderspiele. © dpa

Weil er trifft und trifft und trifft. Eben wie der berühmte „Bomber der Nation“, Gerd Müller. „Ich gehe dahin, wo es wehtut, weil ich ein Tor machen will. Und da ist es mir egal, ob mich jemand tritt oder foult. Hauptsache, ich mache mein Tor“, sagt der 17-jährige Deutsch-Türke.

Tatsächlich hat Yesil eine herausragende Quote: In Mexiko hat das Talent von Bayer Leverkusen schon fünf Tore geschossen. In 19 Einsätzen für die U17 traf er 18-mal, in 22 Jugendspielen für Bayer Leverkusen machte er sogar 24 Treffer. „Er hat ein richtiges Näschen vor dem Tor. Hat er eine Chance, schlägt er kaltblütig zu“, sagt Sportchef Rudi Völler über sein Juwel. Kein Wunder, dass Bayer gerade Yesils Vertrag bis 2016 verlängert hat.

Aber im DFB-Team ist der gebürtige Düsseldorfer nicht nur für die Tore zuständig, sondern auch für den Jubel danach. Zusammen mit Mitchell Weiser tüftelt er an den kreativen Jubelszenen. Gemeinsam haben sie schon eine Rock-Band nachgeahmt oder auf einer imaginären Playstation gespielt. „Sie sind sehr kreativ und haben viele gute Ideen. Es ist ein Zeichen für den starken Zusammenhalt in unserem Team. Es macht einfach Spaß“, sagte Kapitän Can dfb.de.

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Tatsächlich scheint für den DFB-Nachwuchs nichts mehr unmöglich. „Jetzt ist es nur noch ein großer Schritt bis ins Endspiel“, sagte Can vor dem Duell mit den ebenfalls hochmotivierten Mexikanern. Die Partie in Torreon steigt vor einer beeindruckenden Kulisse von 30. 000 frenetischen Fans. Aber Angst kennen die Jungs nicht. „Sich mit den besten Spielern der Welt messen zu können, ist toll“, sagte Yesil. Can fügte hinzu: „Die Anspannung ist da, aber absolut positiv. Wir genießen diesen Moment und wollen auch diese Herausforderung bestehen.“

Die bisherigen Auftritte haben dem Team von Trainer Steffen Freund Selbstvertrauen gegeben. Seine Jungs wissen, dass sie vorne im Sturm einen Yesil in Top-Form haben, der sich jederzeit auch auf engstem Raum lösen kann und dann eiskalt zuschlägt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er trifft.

sid

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