Die Analyse nach dem Spiel

WM-Schnellcheck wird zur Schockstarre: Deutschland scheitert als Gruppenletzter

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Enttäuscht: Toni Kroos.

Welch eine historische Pleite für den deutschen Fußball. Was vor Wochen schier unmöglich schien, ist eingetreten: Der Titelträger ist ausgeschieden. In der Vorrunde.

Die Weltmeisterschaft in Russland geht ohne Deutschland weiter. Im dritten Gruppenspiel verlor die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen Südkorea mit 0:2. Da Schweden im Parallelspiel Mexiko mit 3:0 besiegte, hätte die Nationalelf gewinnen müssen. Nach dem Liveticker zum Spiel hier nun unser Schnellcheck.

Was ist da genau passiert in Kasan?

Das ist eine gute Frage. Das späte 2:1 gegen Schweden durch den Geniestreich von Toni Kroos zumindest gab der Nationalelf nicht den Schwung, den sich viele erhofft hatten. Die Mannschaft knüpfte eher an die Partie gegen Mexiko an, wirkte von Beginn an gehemmt, pomadig – als ob sie nicht wüsste, um was es geht. Herausgespielte Chancen? Keine. Zug zum Tor? Nicht vorhanden. Dynamik in den Aktionen? Null. Und das gegen Südkorea. Und das in einem entscheidenden Spiel.

Ab wann war klar: Das wird nichts mehr?

Das klingt jetzt komisch nach der Generalkritik: Aber bis in die Nachspielzeit war Hoffnung da. Es fehlte eine Aktion – und sei es ein Freistoß aus halblinker Position, den zum Beispiel Toni Kroos in den Winkel zirkelt. So etwas ist ja immer mal möglich im Fußball – selbst in einem Spiel ohne große Torchance bis kurz vor Schluss. Dann aber legte Toni Kroos nach einer Ecke der Südkoreaner den Ball unglücklich auf Young-Gwon Kim. Er machte den Traum der Deutschen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung gänzlich zunichte: 0:1. Kurz darauf traf Heung-Min Son – 0:2. Ende, aus, vorbei. Nach Italien 2010 und Spanien 2014 schied zum dritten Mal in Folge der amtierende Weltmeister nach der Vorrunde aus.

Die Stimmen zur deutschen WM-Blamage: Vernichtendes Urteil von Löw und Hummels

Wer wird nun mit der historischen Pleite in Verbindung gebracht?

Joachim Löw baute seine Mannschaft erneut um – auf fünf Positionen im Vergleich zum Spiel gegen Schweden. Für den gesperrten Jerome Boateng kam Niklas Süle in die Mannschaft, Mats Hummels ersetzte nach seiner auskurierten Verletzung Antonio Rüdiger. Im Mittelfeld kam Leon Goretzka zu seinem WM-Debüt. Mesut Özil und Sami Khedira erhielten nach der Pause gegen Schweden eine Chance zu zeigen, dass sie es besser können als gegen Mexiko. Sie nutzten sie nicht. Goretzka, Özil und Khedira ersetzten den verletzten Sebastian Rudy sowie Thomas Müller und Julian Draxler.

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Gab es sonst noch etwas Bemerkenswertes?

Vielleicht das: Selbst Manuel Neuer, die Lebensversicherung der Nationalelf, machte nicht den sichersten Eindruck. In der 19. Minute brachte Südkoreas Jung einen Freistoß aufs deutsche Tor, was normalerweise keine Sorgenfalten hervorruft. Manuel Neuer fasst so etwas normalerweise als Beleidigung auf. Aber was macht Neuer? Lässt den Ball prallen. In letzter Sekunde faustet er ihn zur Ecke. Das war schon knapp – und irgendwie ein Zeichen. Alles läuft diesmal anders.

Wie geht es nun weiter?

Ohne die deutsche Elf. Unfassbar. Sie wurde gar nur Gruppenletzter. GRUPPENLETZTER. Schweden überholte mit dem 3:0 in der Tabelle noch die Mexikaner, die aber trotzdem weiter sind. Während andere spielen, wird in Deutschland die Aufarbeitung dieser Pleite zur Hauptaufgabe – inklusive der Frage nach der Zukunft von Löw. Der Bundestrainer ließ sie offen.

Und wie war die Übertragung im TV?

Das ZDF hatte Béla Réthy ins Rennen geschickt. Das lässt einigen Zuschauern die Adern schwellen, bevor das erste Wort gefallen ist. Réthy bewies schnell hellseherische Fähigkeiten, als er in der 6. Minute Alternativen aufzählte, falls es nicht läuft. Lief dann auch nicht. Bewundernswert: Réthy kann Gedankenlesen. Hören Sie mal: „Man sieht regelrecht, wie sie nachdenken. Deshalb dauert alles so lange.“ In der zweiten Hälfte beschwor er immer wieder, was jeder dachte: „Ein Tor muss fallen. Ein einziges Tor.“ Es nutzte aber alles nichts.

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