Fußball auf höchstem Niveau

Abgezockte Franzosen ziehen ins WM-Finale ein: Das 1:0 gegen Belgien im Schnellcheck

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Der Moment der Entscheidung: Samuel Umtiti (ganz links) hat dem Ball mit dem Kopf die entscheidende Richtung gegeben. Belgiens Torhüter Thibaut Courtois kann den Treffer nicht mehr verhindern.

Kein großes Spektakel, aber Fußball auf höchstem Niveau. Die Franzosen gewannen das Halbfinale gegen Belgien 1:0 – und stehen damit zum dritten Mal im WM-Endspiel. Der Schnellcheck.

Die Erwartungen waren hoch. Konnte das Spiel sie erfüllen?

Nicht ganz. Nicht was die Anzahl der Tore anging. Und auch nicht, was die Hoffnung auf ein großes Offensiv-Spektakel anging. Trotzdem galt aber: Das war die hohe Schule des Fußballs. Beide Mannschaften zeigten, warum sie absolut zurecht so weit gekommen sind. Da konnte einem nachträglich noch einmal bange werden beim Gedanken, dass die deutsche Mannschaft mit dem Zeitlupen-Spiel der Südkorea-Pleite auf einen solchen Gegner getroffen wäre. Das war hohes Tempo, technische Klasse, starke Abwehrarbeit. Und Chancen gab es ja auch. Trotzdem hätte vor allem der neutrale Zuschauer natürlich gern mehr Tore gesehen.

Und wie war der Spielverlauf?

Es waren die Belgier, die stärker starteten, offensiver auftraten. Bedingt natürlich auch dadurch, dass die Franzosen bei dieser WM stets ihre Defensivarbeit im Blick haben. Eden Hazard erst aus spitzem Winkel (15.) und dann mit einem Schuss, den Raphael Varane per Kopf knapp übers Tor lenkte (19.), kurz darauf der aufgerückte Verteidiger Toby Alderweireld mit einem Schuss aus der Drehung, den Torhüter Hugo Lloris bravourös parierte – das waren richtig gute Gelegenheiten für den Außenseiter. Also falls diese Belgier überhaupt Außenseiter genannt werden dürfen.

Frankreich wurde erst nach 30 Minuten gefährlicher. Der torlose Mittelstürmer Olivier Giroud setzte sich mehrfach gut in Szene, wurde immer wieder abgeblockt oder schoss wie in der 31. Minute knapp vorbei. Die beste Chance der Blauen aber hatte auch ein Verteidiger: Stuttgarts Benjamin Pavard kam halbrechts frei zum Schuss, doch Belgiens Torhüter Thibaut Courtois lenkte den Ball zur Ecke.

Wie fiel dann die Entscheidung?

Durch eine Standardsituation. Und durch einen Verteidiger. In der 51. Minute bekam Frankreich eine Ecke, weil einmal mehr Giroud abgeblockt worden war. Antoine Griezmann führt aus, der 1,82 Meter große Samuel Umtiti überspringt am kurzen Pfosten den 1,94 Meter großen Marouane Fellaini – und drin war das Ding. Fellaini, gegen Japan noch einer der belgischen Helden, sah da eher alt aus.

Belgien war dann auch sichtbar beeindruckt. Und gegen das französische Bollwerk oft vergeblich bemüht. Eigentlich wurde es nur zweimal richtig gefährlich. Bei Fellainis Kopfball (65.) und beim Distanzschuss von Axel Witsel (81.), den Lloris parierte. Von der so starken belgischen Offensive um Hazard, Lukaku und De Bruyne kam einfach zu wenig für eine Wende.

Gab es trotzdem etwas Überraschendes an diesem Abend in St. Petersburg?

Wenn auf dem Platz nichts wirklich Überraschendes passiert, dann müssen wir auf die Tribüne schauen. Wo Fifa-Boss Gianni Infantino neben den Mächtigen und Wichtigen saß. Okay. Das ist jetzt nicht überraschend. Aber wer saß da noch? Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones. Ein Engländer. Da können wir nur hoffen, dass der 74-Jährige nicht eine Eintrittskarte für das falsche Spiel gekauft hatte und heute auch sein Team in Moskaus sieht.

Wie war die Übertragung im TV?

Sehr gut. Und unterhaltsam. Was zum einen an den Experten im Studio lag. Hannes Wolf und Thomas Hitzlsperger erklärten die Stärken beider Teams höchst nachvollziehbar. Im Stadion kommentierte Steffen Simon mit Leidenschaft und Wissen. Stellte früh fest: „Frankreich kannst du nur mit Standardsituationen beikommen.“ Okay. Auch das gelang nicht. Aber dafür siegte Frankreich ja durch eine...? Genau: Standardsituation.

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