Luxusproblem vor der WM

Löws Qual der Stürmerwahl: In der Spitze wird es richtig eng

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Erste Wahl im deutschen Angriff: RB Leipzigs Angreifer Timo Werner. Er gilt als komplettester deutscher Mittelstürmer und kann seinen Koffer für die WM eigentlich packen.

Wer stürmt für Deutschland bei der Fußball-WM in Russland? Im Test-Länderspiel am Freitag gegen Spanien (20.45 Uhr/ARD) wird Bundestrainer Joachim Löw ganz genau hinschauen und Alternativen in der Offensive testen.

Während bei Turnieren der jüngeren Geschichte außer Miroslav Klose kaum ein deutscher Angreifer WM-Klasse vorweisen konnte, hat Löw diesmal die Qual der Wahl auf der Position des Mittelstürmers. Wir übertragen das Spiel gegen Spanien im Live-Ticker.

Timo Werner: (22 Jahre/ 10 Länderspiele/ 7 Tore):Seine 543-minütige Torflaute beendete Timo Werner ausgerechnet am vergangenen Wochenende mit dem Siegtreffer zum 2:1 für seine Leipziger Bullen gegen Bayern München. Werner ist pfeilschnell, stark im Abschluss, sucht den Weg in die Tiefe. Und: er ist erst 22 Jahre alt, ein Mann mit Perspektive also. Das mag Bundestrainer Jogi Löw.

In Zeiten, in denen Löw in Ermangelung echter Mittelstürmer nur mit „falscher Neun“ – also mit einer hängenden Spitze, statt eines Stoßstürmers – spielen ließ, wurde ein Spieler wie Werner vermisst. Jetzt hat Löw das fehlende Puzzle-Teilchen und wird am Leipziger nicht vorbei kommen – sofern Werner verletzungsfrei bleibt.

Übrigens: Timo Werner durchlief wie Mario Gomez die Jugend des VfB Stuttgart und hatte einst ein Vorbild: Mario Gomez.

Hofft auf seine WM-Teilnahme: Mario Gomez.

Mario Gomez (32 / 71 / 31):Der 32 Jahre alte Angreifer ist auf seine alten Tage in beeindruckender Form: Zuletzt erzielte er sechs Tore in zehn Spielen, gab dazu zwei Vorlagen. Auch dank seiner Treffer schielt der VfB Stuttgart nun eher nach Europa als auf den Relegationsrang.

Gomez bringt reichlich Erfahrung mit. Er ist sehr robust, kann sich körperlich durchsetzen und wirft sich in jeden Zweikampf. Löw lobte zuletzt Gomez’ Präsenz im Strafraum. Genau das kann in Spielen gegen tiefstehende Gegner, wie bei der WM gegen Schweden zu erwarten, den Unterschied machen.

Aber: Es gibt auch den Mario Gomez, der ohne Bindung zum Spiel über den Platz trabt. Mehmet Scholl befürchtete einst tief ironisch, dass sich „Gomez wund liegt und mal gewendet werden muss“.

Sandro Wagner (30/ 7/ 5): Er hat sich bei Bayern München zu mehr als einem Ersatz für Polens Star-Stürmer Robert Lewandowski entwickelt. Gegen Leipzig durfte er von Beginn an ran und traf zur Führung. Ähnlich wie Gomez ist auch Wagner ein Spieler der Marke „Brecher“, sehr kopfballstark, aber gilt im Gegensatz zu Gomez als beweglicher, agiler.

Im DFB-Trikot erzielte er fünf Tore in sieben Spielen. Die Quote ist gut, doch die Erfahrung spricht gegen Wagner und für Gomez. Da beide Spieler sehr ähnlich sind, wird Löw sich wohl für einen entscheiden müssen.

Trägt er bei der WM das deutsche Trikot? Sandro Wagner.

Weitere Sturm-Optionen:Der Dortmunder Mario Götze ist Deutschlands Held aus dem WM-Finale von Rio 2014. Doch sein Bonus bei Löw scheint aufgebraucht: Nach schwachen Leistungen im Trikot des BVB ist er für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien nicht nominiert. Im Gegensatz zu den drei genannten Stürmern zählt Götze weniger zur Kategorie „Mittelstürmer“, spielt als „falsche 9“ leicht hinter der vorderen Linie. Er muss also weniger die klassischen Angreifer Gomez, Wagner und Werner im Konkurrenzkampf fürchten, eher andere Spieler: Leon Goretzka, Ilkay Gündogan und Lars Stindl etwa, die alle hinter der Spitze für Torgefahr sorgen. 

Auch der Freiburger Nils Petersen – auf Platz zwei der Bundesliga-Torjägerliste und gefährlichster deutscher Angreifer – macht mit bislang 13 Toren auf sich aufmerksam. Und Kevin Volland, Max Kruse und Davie Selke? Diese Nominierungen wären ebenfalls echte Überraschungen. Aber solche mag Jogi Löw ja.

Von Thomas Lange

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