Darum wird sich die Euphorie in Grenzen halten

Fußball-WM 2018: Das werden die Aufreger in Russland

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Mitfiebern in Moskau: Diese beiden brasilianischen Fans halten nahe des Kreml schon den WM-Pokal in Händen.

Wer wird Fußball-Weltmeister? Und wie spektakulär wird das Turnier in Russland? Wir wissen es auch nicht genau. Trotzdem haben wir sieben Thesen vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag aufgestellt.

These 1: Die Euphorie wird sich in Grenzen halten.Dass die deutschen Fans nicht mehr im Sommermärchenmodus sind, wurde nicht zuletzt beim Länderspiel in Leverkusen gegen Saudi-Arabien deutlich, als es Pfiffe gab – und das nicht nur gegen Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Die Mannschaft und der DFB entfremden sich immer mehr von der Basis. Die Identifikation fällt den Fans somit schwerer. Trotzdem wird das Interesse natürlich da sein, bei den Einschaltquoten ist mit Rekorden für dieses Jahr zu rechnen, aber Euphorie? Vor Ort droht Tristesse, wenn eintritt, womit viele rechnen: dass Gastgeber Russland früh ausscheidet.

These 2: Die Weltmeisterschaft wird sicher sein. Angst vor Hooligans und vor einem Terrorakt – wie bei jedem Turnier ist die Sicherheit in Russland ein großes Thema. Die Sorgen sind begründet. Dass die WM-Gastgeber angreifbar sind, hat im vergangenen Jahr der U-Bahn-Anschlag in St. Petersburg gezeigt. Russlands Sicherheitskräfte werden aber allgegenwärtig sein. Und seine gefürchteten – und im eigenen Land teils auch bewunderten – Hooligans sind bereits vor dem Turnierstart eingebremst worden. Wir glauben und hoffen: Die WM wird sicher sein.

These 3: Der Videobeweis wird nicht für Ruhe sorgen, sondern für Aufregung. Es würde schon verwundern, wenn mit der neuen Technik alles funktionieren sollte. Der Blick auf die Bundesliga zeigt, dass trotz Testphase und eines einjährigen Betriebs noch Klärungsbedarf in Sachen Videobeweis besteht. Bei der WM kommt hinzu, dass viele Schiedsrichter mit dem Verfahren nicht vertraut sind – und plötzlich mit einem Videoassistenten aus einem anderen Land Entscheidungen treffen müssen. Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorauszusagen: Chaos droht.

Die Inhalte der Videos stammen nicht von hna.de, sondern von de Video-Plattform Glomex.

These 4: Putin wird allgegenwärtig sein.  Wir wissen jetzt nicht, ob der russische Präsident wie einst Franz Beckenbauer im Hubschrauber von Stadion zu Stadion rauschen wird. Dass Wladimir Putin die Öffentlichkeit suchen wird, wann immer es geht, das ist aber so selbstverständlich wie Schnee im sibirischen Winter. Er ist ja ohnehin jemand, der sich gern in Szene setzen lässt. Es ist sein Turnier. Es ist sein Russland, das sich von der besten Seite zeigen soll. Und Russlands beste Seite ist natürlich wer?

These 5: Armes Panama – in der Vorrunde wird es mitunter klare Ergebnisse geben. In „Oh, wie schön ist Panama“ ließ Autor Janosch den kleinen Bären und den kleinen Tiger das Land ihrer Sehnsucht suchen. Jetzt ist Panama das Sehnsuchtsland all derer, die gern mit Außenseitern fiebern. In der Gruppe G geht es gegen England, Belgien und Tunesien. Es steht zu befürchten, dass die Sehnsucht des Debütanten angesichts dieser Konkurrenz vor allem in der Vermeidung klarer Niederlagen bestehen muss. Konkurrenzfähig ist der Kader der Mittelamerikaner nicht.

These 6: Die deutsche Elf bleibt unter Löw ein sicherer Halbfinalteilnehmer. Aufregung um Gündogan hin, Aufregung um Özil her – am Ende hat es Bundestrainer Joachim Löw noch immer hinbekommen, seine Mannschaft auf den Punkt vorzubereiten. Die letzten Testspiele haben insofern kaum Aussagekraft, zumal viele Spieler im besten Fußballeralter sind. Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Toni Kroos, Thomas Müller, Sami Khedira – all sie wissen, worauf es ankommt.

These 7: Am Ende wird ein Land feiern, das weiß, wie es sich anfühlt, Weltmeister zu sein. Der Kreis der Favoriten setzt sich aus alten Bekannten zusammen – und damit jenen, die schon einmal Weltmeister waren: Deutschland, Brasilien, Spanien, Argentinien und Frankreich. Wer es am Ende wird? Es werden Kleinigkeiten entscheiden. Wir können nur sicher sagen, wer aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen nicht Weltmeister wird: Italien.

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