Kartenfestival bei Poldi-Sieg

Spieler zeigt Schiedsrichter Rot - und fliegt selber

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Salih Dursun zeigte dem Unparteiischen die rote Karte - und flog daraufhin selber vom Platz.

Istanbul - Vier Platzverweise und „Rot“ für den Schiedsrichter - Fußball-Weltmeister Lukas Podolski erlebte mit Galatasaray Istanbul gegen Trabzonspor (2:1) einen denkwürdigen Sonntagabend.

Schiedsrichter Deniz Ates Bitnel hatte gerade einen höchst umstrittenen Elfmeter für Galatasaray gepfiffen. Trabzons vermeintlicher Verursacher Luis Pedro Cavanda - unzufrieden mit der Entscheidung - rempelte den Schiedsrichter und kassierte dafür die Rote Karte.

Bei einer anschließenden Rudelbildung verlor Bitnel kurzzeitig den roten Karton aus der Hand. Trabzon-Verteidiger Salih Dursun nutzte die Gunst, um wiederum dem Schiedsrichter selber die Rote Karte zu zeigen. Eine grobe Unsportlichkeit, die Bitnel nicht ungeahndet lassen konnte: Rot für Dursun. Es war der vierte Platzverweis für Trabzonspor innerhalb einer Halbzeit.

Den anschließenden Elfmeter verwandelte Selcuk Inan zum 2:1-Sieg für Rekordmeister Galatasaray, für den Podolski das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte. Doch das Ergebnis rückte aufgrund der Geschehnisse in den Hintergrund. Im Fokus der türkischen Öffentlichkeit stand anschließend vornehmlich Bitnel, nicht aber die Unsportlichkeiten der Spieler. Trabzons Vorsitzender Muharrem Usta stilisierte Rot-Sünder Dursun gar zu einer Art Helden: „Salih Dursun hat dem türkischen Fußball die Rote Karte gezeigt. Das ist kein Akt der Rebellion. Das ist ein Symbol der Wiedergeburt.“ In diesem YouTube-Video können Sie die Szene anschauen (ab ca. 6:30).

Trabzonspor kündigte bereits die Produktion von T-Shirts an, die Dursun beim Platzverweis des Schiedsrichters zeigen. Auch die türkische Sportzeitung Fanatik fand lobende Worte für die Tat des Verteidigers. So titelte die Tageszeitung: „Eine Karte, die zu 100 Prozent richtig war.“ Unter dem Foto wurden sechs gravierende Fehler des Schiedsrichters aufgelistet.

Die Vorkommnisse der Partie spiegeln einige Problemfelder des türkischen Fußballs wider. Die hohe Emotionalität, die regelmäßig von Vereinsverantwortlichen und Fans geschürt wird, erschwert die Arbeit der Offiziellen. Doch deren Leistungen sind oftmals zu schwach für eine Liga, die eigentlich das eigene Renommee vorantreiben möchte. Das Spiel am Sonntag am Bosporus war kein Ruhmesblatt für den türkischen Fußball.

SID

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