Der neue Leiter des Bayern-NLZ im Gespräch

Gerland im Fußball-Talk: „Lahm angepriesen wie Sauerbier“

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Hermann Gerland wird nur noch selten selber auf dem Fußball-Platz stehen.

Der Bochumer Fußball-Lehrer Hermann Gerland gehört seit 2001 in verschiedenen Funktionen zum Trainerstab des FC Bayern. Eigentlich wollte der 63-Jährige nun in Rente gehen. Doch die Bayern-Bosse brauchen den „Tiger“ als Chef des neuen Nachwuchsleistungszentrums.

Dortmund - Hermann Gerland hatte sich schon auf seine Fußball-„Rente“ und ein ruhiges Leben auf seinem Bauernhof im ostwestfälischen Marienfeld eingestellt. Doch der 63-Jährige, der zwischen 1990 und 1995 sowie seit 2001 in verschiedenen Funktionen zum Trainerstab des FC Bayern München gehört, wird noch gebraucht. Uli Hoeneß und Karl-Heinz-Rummenigge machten ihn zum Leiter des neuen, 70 Millionen Euro teuren Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Auf dem „FC Bayern Campus“ soll er dafür sorgen, dass wieder eigene Talente den Sprung zu den Profis schaffen.

Beim „Taktik Talk“ im Dortmunder Fußballmuseum mit Direktor Manuel Neukirchner und Tobias Escher, Mitbegründer des Taktik-Portals spielverlagerung.de, gewährte der Bochumer launige Einblicke in seine Arbeitsweise, die Ziele der Talentschmiede, die neue Spielergeneration und weitere aktuelle Fußball-Themen.

„Wir hatten zu meiner Zeit nur einen Zeugwart und einen Busfahrer“

Die Deutsche Presse-Agentur hat die wichtigsten Aussagen Gerlands protokolliert. Gerland über....

... die Bedingungen im neuen Nachwuchszentrum:

Die sind exzellent, einfach überragend. Ich konnte es kaum glauben, als ich das alles gesehen habe: die Plätze, die Funktionsräume, dazu die besten Ärzte, Physiotherapeuten, Masseure, Trainer, Co-Trainer, Betreuer, Pädagogen und Psychologen. Unvorstellbar. Da rennen 1000 Leute rum. Wir hatten zu meiner Zeit beim VfL Bochum nur einen Zeugwart und einen Busfahrer.

... die Ziele der neuen Bayern-Talentschmiede:

Die letzten Spieler, die es in unser Profiteam geschafft haben, waren David Alaba und Thomas Müller. Das ist lange her. Wir wollen wieder möglichst jedes Jahr ein, zwei Spieler hervorbringen, die es in unsere erste Mannschaft schaffen. Und wenn es für Bayern nicht reicht, dann vielleicht für Dortmund oder Schalke. Und einen für den VfL Bochum (lacht). Wir wollen Talente ausbilden für die Bundesliga und für Deutschland! Die Zeit wird zeigen, was wir aus den exzellenten Bedingungen machen. Und wenn unsere Trainer nicht gut genug sind, werde ich sei austauschen. Auch kein Problem!

... Ex-Nationalspieler und Weltmeister Philipp Lahm, als dessen Entdecker Gerland gilt:

Ich bin nicht der Entdecker von Philipp Lahm. Der war einfach da. Ich war aber der, der sein großes Talent gesehen hat. Ich habe Lahm damals überall angepriesen wie Sauerbier. Keiner hat geglaubt, dass er es schafft. Selbst meine Frau war skeptisch, sagte: 'Meinst du nicht, dass du bei Lahm falsch liegst?' Ich hab' gesagt: Wenn das kein guter Spieler wird, werde ich Wasserball- oder Volleyballtrainer. Dann hat Lahm alles gewonnen, eine Weltkarriere gemacht. Er war einer der besten deutschen Spieler aller Zeiten.

„Drei Sterne, ein sauberes Bett, gutes Essen, das reicht!“

... über die neue Generation von Talenten:

Die werden immer besser ausgebildet, technisch und taktisch. Sie haben alles, was sie brauchen. Wenn sie gut werden, verdienen sie so viel Geld, dass ihre Kinder und Enkel davon noch leben können. Man muss aber aufpassen, dass man sie nicht zu sehr verhätschelt. Neulich rief mich ein Freund von unterwegs an: 'Hier im Fünf-Sterne-Hotel ist eine Jugendmannschaft. Ist das jetzt normal?' Da habe ich zu Jochen Sauer gesagt: Das gibt es bei uns nicht! Drei Sterne, ein sauberes Bett, gutes Essen, das reicht!

(Anmerkung: Sauer ist neben Gerland der zweite Verantwortliche für das Münchner NLZ)

... über die derzeitigen Talente des FC Bayern:

Unsere U19 war im Finale der deutschen Meisterschaft, hat im Elfmeterschießen gegen Dortmund verloren. Die U17 ist deutscher Meister. Und acht Spieler aus unserer U15 spielen im DFB-Team. Ich denke, dass in ein paar Jahren einige Spieler oben auftauchen werden. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir etwas falsch gemacht. Aber die Talente müssen fleißig sein, hart arbeiten. Sonst geht es nicht. Ich bin noch sehr ehrgeizig, fit und will etwas erreichen.

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dpa

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