Gescholten und geschätzt: HSV-Kapitän van der Vaart

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Rafael van der Vaart ist beim HSV Held und Gescholtener in einem. Foto: Malte Christians

Hamburg (dpa) - Als der Hamburger SV in der vergangenen Saison dem ersten Abstieg entgegentaumelte, stand ein Protagonist für den Niedergang fest: Rafael van der Vaart.

Zu langsam, zu uninspiriert, Mitläufer - so lautete das vernichtende Urteil über jenen Mann, der einst als Zauberfuß beim hanseatischen Fußball-Bundesligisten gefeiert wurde. HSV-Urgestein Uli Stein versetzte dem Kapitän einen Tiefschlag: "Mit ihm spielt der HSV regelmäßig nur mit zehn statt mit elf Spielern. Das hat nichts mit Fußball zu tun." Auch zu Beginn der laufenden Saison musste van der Vaart reichlich Kritik einstecken.

Einige Monate später gehört der Niederländer wieder zu den Gelobten. "Er führt das Team", sagt Trainer Josef Zinnbauer. "Von seiner Führungsstärke her ist er ein wahnsinnig wichtiger Spieler." Dass es nach dem Saisonstart nicht rund lief, ist für Zinnbauer normal: "Da war er nicht richtig fit und brauchte Zeit", entschuldigt der Trainer den mit rund 3,5 Millionen Euro bestverdienenden HSV-Profi.

Für Zinnbauer ist "VdV" in der erneut bedrückenden Lage des Clubs der Fahnenträger. "Er kennt alle Seiten. Er hat mit seinen Mannschaften um Titel gekämpft, er hat auch schon den Abstiegskampf mitgemacht", erklärt der Coach, der dem Linksfuß eine neuen Rolle zugewiesen hat. Von der Position des Spielgestalters im offensiven Mittelfeld beorderte Zinnbauer den niederländischen Nationalspieler eine Reihe zurück auf die Sechser-Position.

"Da fühl ich mich wohl", sagt van der Vaart, der dies am Dienstag (20.00 Uhr) gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart erneut beweisen will. "Ich bekomme mehr Bälle und habe mehr Einfluss auf das Spiel." Gemeinsam mit dem Schweizer Fußball-Arbeiter Valon Behrami soll er für den Spielaufbau sorgen. "Wir brauchen ihn, denn er kann den entscheidenden Pass spielen", meint Behrami.

Van der Vaart war nie der Schnellste. Als 31-Jähriger hat er noch weiter an Speed verloren, gewinnt aber umso mehr an Bedeutung, je länger die neuen Offensivkräfte im Leistungsloch verharren. Lewis Holtby, ursprünglich als treibende Kraft für das Ressort Attacke vorgesehen, und Nicolai Müller, der als pfeilschneller Außenspieler Tore vorbereiten soll, laufen ihrer Form hinterher. Da kann van der Vaart mehr. Beim 0:0 in Freiburg war er sogar Torwartlotse, als er seinem Keeper Jaroslav Drobny beim Elfmeter der Gäste die richtige Ecke anzeigte.

Eigentlich stand schon vor Monaten fest: Van der Vaart muss gehen. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Der auf über 50 Millionen Euro aufgeblähte Gehaltsetat des HSV, der ursprünglich auf 38 Millionen eingedampft werden sollte, muss dringend reduziert werden. Van der Vaart möchte bleiben. Dafür, so heißt es, würde er sogar weniger Gehalt in Kauf nehmen. Die Führung überlegt. Und was sagt Kritiker Uli Stein? "Wenn er bleiben möchte, sollte der Club ihn nicht abgeben."

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