Englische Lösung könnte Vorbild sein

Gewalt und Eskalation: Wie sinnvoll ist die Relegation?

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Fans gegen Polizei: Unschöne Szenen beim Relegationsspiel zwischen Braunschweig und Wolfsburg. 

Bei den Relegationsspielen haben Chaoten dem deutschen Fußball geschadet. Könnte eine Änderung des Formats nach englischem Vorbild helfen?

Blinder Hass, ausufernde Gewalt, verletzte Ordner und Polizisten: Bei den beiden Relegationsspielen der ersten und zweiten Liga hat neben 1860 München und Eintracht Braunschweig auch der Fußball verloren. Der Imageverlust durch die skandalösen Vorfälle auf den Rängen zieht die Fragen nach sich: Ist das jetzige Relegations-Format ein Sicherheitsrisiko? Sollte sich der deutsche Fußball vielleicht an der "englischen Lösung" orientieren?

In England spielen vier Zweitligisten im Play-off-Format den dritten Aufstiegsplatz untereinander aus, das Endspiel findet auf neutralem Boden im Wembley-Stadion statt. In diesem Jahr schaffte so der deutsche Trainer David Wagner mit Huddersfield Town den Sprung in die lukrative Premier League.

"Die Idee ist nicht so verkehrt. Der Kampf um den Aufstieg ist dort positiver besetzt, weil alle aus der gleichen Liga kommen und eigentlich nur gewinnen können", sagte Marc Arnold, Sportchef beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig, dem SID.

Koch verteidigt Relegation: „Das macht den Fußball aus“

Arnolds Verein hat in der Relegation nicht nur sportlich verloren. Der Böller-Angriff auf einen Ordner und der Platzsturm beim Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg haben den Klub viele Sympathien gekostet. Genau wie 1860 München, dessen Ultras beim Zweitliga-Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg Sitzschalen, Stangen und andere Gegenstände in den Strafraum geworfen und eine 14-minütige Unterbrechung provoziert hatten.

Brannte den Chaoten auch wegen der besonderen "Alles-oder-nichts"-Situation in den K.o.-Spielen die Sicherungen durch? "Das passiert nicht nur in der Relegation, sondern immer dann, wenn es um viel geht. Das kann auch am letzten Spieltag sein", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch bei Sky Sport News HD. Am Format der Relegation zweifelt er nicht: "Dass Emotionen dort gelebt werden, macht den Fußball aus, deshalb schauen mehr Leute Fußball als Schach."

Arnold meinte dagegen, dass die Zuspitzung in der Relegation "nicht von der Hand zu weisen" sei, denn sie "weckt Emotionen und schürt Brisanz". Sportdirektor Rouven Schröder vom FSV Mainz 05 meinte: "Wenn Fehlentscheidungen kommen, wenn Ausschreitungen kommen, dann sollte man die Relegation zumindest hinterfragen."

Das sagen die Fans zur Relegation

Als die Relegation 2009 wiedereingeführt wurde, begründete der damalige DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus dies mit der "Rückkehr eines Spannungsfaktors". Vor allem die TV-Partner waren darüber glücklich. Drei Jahre später kam es zum Skandalspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC, als Fortuna-Anhänger zahlreiche Bengalos gezündet und aus Freude über den bevorstehenden Aufstieg zwei Minuten vor dem Schlusspfiff den Platz gestürmt hatten. Ein Jahr zuvor hatten Krawallmacher von Dynamo Dresden trotz der erfolgreichen Zweitliga-Relegation in Osnabrück mit Tritten und Schlägen gegen Polizisten, Ordner und Fotografen gewütet.

Unter den Fans ist die Meinung so gespalten wie bei den Klub-Verantwortlichen. In einer SID-Umfrage durch bundesligabarometer.de sprachen sich 60 Prozent der 5800 befragten Teilnehmer für eine Beibehaltung der Relegation-Duelle aus. 40 Prozent hingegen plädierten für eine Abschaffung.

sid

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