Mannschaft wurde gesperrt

Gewaltexzess im Jugendfußball: Bei einem C-Jugend-Spiel wurde ein Spieler krankenhausreif geschlagen

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Ein Symbolbild: Einsam liegt ein Fußball auf dem Rasen. 

Diese Nachricht sorgt für Betroffenheit. Beim Heimspiel der Fußball-C-Jugend der TSV Burgdorf am Samstag gegen den FC Lehrte soll es zu einem Gewaltexzess gekommen sein.

Kassel/Burgdorf –  Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) schrieb: Ein Lehrter Spieler, der am Boden lag, soll von Burgdorfern Spielern mit Stollenschuhen so sehr getreten worden sein, dass er innere Blutungen erlitt. 

Dieser Auszug stammt aus einer Urteilsbegründung. Deren Fazit: Die C-Jugend ist seit Sonntag für den laufenden Spielbetrieb gesperrt.

Auf der Suche nach Antworten bleiben die Anrufe bei Verantwortlichen der TSV Burgdorf und des FC Lehrte gestern unbeantwortet. In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), die zuerst über den Vorfall berichtet hatte, äußerten sich aber beide Seiten. Marcus Bartscht ist Vorsitzender des FC Lehrte. Laut Bartscht habe sich die brutale Szene zum Ende des Spiels ereignet. 

Ein Burgdorfer Spieler habe einen Lehrter gefoult, dieser sei aufgesprungen und habe den Burgdorfer geschubst. Bartscht: „Seine Mitspieler haben nur darauf gewartet.“ Die Burgdorfer – alle zwischen zwölf und 14 Jahre alt – hätten sich auf den 13 Jahre alten Spieler gestürzt, diesen mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf attackiert, die Mutter des 13-Jährigen habe am Rand gestanden.

Eltern des Jungen rannten auf das Spielfeld

Dann seien Eltern auf das Spielfeld gelaufen, die Polizei wurde alarmiert. Bartscht sagte gegenüber der HAZ, das Lehrter Team sei noch immer betroffen und geschockt.

Die Reaktion des NFV folgte bereits einen Tag später, die C-Jugend der TSV Burgdorf wurde durch eine einstweilige Verfügung bis zum Abschluss des Sportgerichtsverfahrens – maximal bis zum 21. März 2020 – für den Spielbetrieb gesperrt. Peter Borchers, Sprecher des NFV sagte dazu gegenüber unserer Zeitung: „Da musste ad hoc reagiert werden.“ 

In einer Pressemitteilung, die der NFV gestern Nachmittag herausgab, wurde angefügt: Die Vorfälle würden aufs Schärfste verurteilt, die Sperre als absolut richtig erachtet. Der Verband sehe als seine Pflicht, am geregelten Spielbetrieb beteiligte Mannschaften zu schützen, wenn ihre Sicherheit im Einzelfall nicht gewährleistet sei.

Zum Hintergrund: Nicht der erste Gewaltausbruch

Der Vorfall vom Samstag war nicht der erste, in den die Burgdorfer C-Jugend verwickelt war. Bereits vor zwei Wochen wurde ein Spiel gegen den SV Fuhrberg abgebrochen, weil ein Spieler des Gegners zu Boden geprügelt worden, anschließend mit Stollenschuhen getreten worden sein soll – so schreibt es die HAZ.

Was überrascht: Bei fussball.de wird die Partie vom Samstag sogar als gewertet aufgeführt. Die TSV Burgdorf gewann 6:5. Auch der Burgdorfer Trainer und Vorsitzender des Gesamtvereins, Peter Kehl, bestätigte den Gewaltausbruch gegenüber der HAZ. 

Er sagte, die TSV Burgdorf habe die Mannschaft – eine 7er-C-Jugend in der 2. Kreisklasse – auf Wunsch der Jugendlichen gegründet. Sie hätten sonst oft auf dem benachbarten Soccercourt gespielt und sich im Jugendzentrum aufgehalten. Kehl beschriebt sie als „benachteiligt und pubertär“. Er sagte auch: Man werde die Sperre akzeptieren. Und: „Wir brauchen professionelle Hilfe bei den Jugendlichen, bei denen wir neben dem Sport auch Sozialarbeit leisten.“

Sportgericht: Erschreckendes Gewaltpotenzial

 Das Sportgericht des NFV kam zu der Einschätzung: „Die Mannschaft der TSV Burgdorf ist offenkundig außer Kontrolle und hat erschreckendes und geradewegs kriminelles Gewaltpotenzial.“

Zumindest in Sachen des verletzten Lehrter Spielers gab ein Mitarbeiter der Polizeiinspektion Burgdorf gestern Entwarnung. Er sei zwar zur Beobachtung im Krankenhaus geblieben, habe aber keine ernsthaften Verletzungen davongetragen. Die Täter – sollten welche ermittelt werden – haben wohl nichts zu befürchten. Weil sie noch Kinder und damit strafunmündig sind.

Hintergrund: Nicht der erste Vorfall dieser Art

Burgdorf ist kein Einzelfall. Auch bei anderen Jugendspielen gab es Vorfälle, bei denen Spieler gewalttätig wurden: 

Ein aktuelles Beispiel aus der Region: Bei der Partie in der A-Jugend-Kreisliga zwischen der SG Werratal und der JSG Göttingen am vergangenen Wochenende trat ein Göttinger den Schiedsrichter, nachdem dieser ihm die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte. Die Partie wurde daraufhin abgebrochen. 

Bereits fünf Jahre zurück liegt dieser Fall, ebenfalls aus dem Bereich Hannover: Bei der C-Jugend-Partie zwischen dem SV Arminia III und dem Mühlenberger SV wurde ein 18 Jahre alter Schiedsrichter von den Mühlenberger Spielern verprügelt. Als der Arminia-Trainer eingreifen wollte, bekam auch er Schläge ab. 

Noch mal Hannover, dieses Mal B-Jugend, Yurdumspor Lehrte gegen Ingeln-Oesselse, Mai 2017: Auch hier war ein Foulspiel der Auslöser dafür, dass Spieler beider Klubs aufeinander losgingen. Die Folge: Platzwunden und eine gebrochene Nase.

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