Ein gewaltiger Schritt - Hersfelder Christian Stark ist jetzt Profi beim HSV

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Hier begann einst seine Laufbahn als Fußballer: Christian Stark auf der Bank des Hohe Lufter Sportplatzes. Heute trägt er das T-Shirt mit der Raute. Künftig spielt er für den Hamburger SV in der Bundesliga.

Hamburg/Bad Hersfeld. Der erste Profivertrag ist unterschrieben - und doch hat der 18-Jährige auch schon Talsohlen durchschritten. Dabei hat er gelernt, mit Rückschlägen umzugehen.

Sein Gespür ließ ihn nicht im Stich. „Eines wusste ich damals“, sagt Akif Senol heute, „in einigen unserer Jungs steckte sehr viel Potenzial. Und dass es, wenn das Gesamtpaket stimmt, reichen könnte, um ganz oben mitzuspielen.“ Senol, heute 42, trainierte den jüngsten Nachwuchs des FSV Hohe Luft - im Zentrum seines Urteils: Christian Stark.

Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, der Wille, nie aufzugeben - das seien schon damals besondere Merkmale des herausragenden Talents gewesen. Hinzu kommt, und das macht Senols Einschätzung wertvoll, „das Vorleben des notwendigen disziplinierten Verhaltens durch die Eltern.“ Viele von ihnen seien euphorisch, wenn ihre Kinder in jungen Jahren Begabungen in sich tragen.

Fünf Jahre blieb Christian dem FSV treu, ehe er sich für den Sprung zum Bundesligisten Hamburger SV entschied. Dort unterschrieb der 18-Jährige vor ein paar Wochen einen Profivertrag. Über Weihnachten war der gebürtige Hersfelder bei seinen Verwandten in der Heimatstadt und bei der Familie Senol zu Besuch.

Die WELTSTADT

Ein gewaltiger Schritt, der Mut erfordert, mit 12 das beschauliche Waldhessen zu verlassen und in eine Weltstadt zu ziehen. Christians Vorteil: Seine Eltern kamen mit, Bekannte und Verwandte in Hamburg waren zusätzlicher Anknüpfungspunkt.

„Am Anfang war es ein bisschen schwierig, weil die Mentalität dort doch anders ist. Da gibt es halt Spieler, die dir nicht alles gönnen. Doch ich habe mir zunehmend den Respekt durch Leistung erarbeitet.“

DER MENSCH

Christian durchläuft die Nachwuchsteams beim HSV, kickt bei B- und A-Junioren in der Bundesliga - und heute weiß er, was ihn vorangebracht hat. Die sportliche Ebene ist das eine, die menschliche das andere. Was hat er durchlebt in sechs Jahren, was hat den Aufstieg ermöglicht?

„Ich habe gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Das war das Allerwichtigste“, betont er. Worte, die auch aus dem Mund eines 30-Jährigen stammen könnten. „Ich war öfter verletzt“, sagt Christian. Armbruch, Hüftentzündung und im vergangenen Jahr eine Knochenentzündung im Lendenwirbelbereich - „ich war sieben Monate raus“.

„Ich habe begriffen, dass ich lockerer sein muss. Dass es nicht nur Fußball gibt.“

Ein Mentaltrainer habe ihm geholfen. „Du brauchst einen Mix aus Lockerheit und Ehrgeiz, um wieder zurückzukommen. Diese Phase hat mir viel Zeit gegeben, um nachzudenken.“ Vielleicht der entscheidende Abschnitt in seinem jungen Fußballerleben. Einige Jahre habe er nicht auf dem Niveau gespielt, das möglich war. Bis er im März 2016 wieder fit wurde. Seine Karriere nahm Fahrt auf. „Weil ich begriffen habe, dass ich lockerer sein muss. Dass es nicht nur Fußball gibt.“ Ab Sommer sei alles ruck zuck gegangen. Stark, der mit den A-Junioren des HSV Platz vier der Bundesliga Nord/Nordost belegt und elf Tore erzielt hat in der bisherigen Runde, bestritt die Saisonvorbereitung mit den Profis und wurde U 19-Nationalspieler. Der Lohn: sein erster Profivertrag. Äußerst schnell ist er unterwegs, arbeitet als „Neuner“ viel mit seinem Körper, sucht den Abschluss, kommt gern übers Dribbling und erarbeitet sich Chancen auch selbst, gilt aber als guter Teamplayer.

DIE ZIELE

„Heute denke ich von Tag zu Tag. Ich muss jede Einheit nur performen. Sonst verkrampfe ich wieder“, haben kurzfristige Ziele mittlerweile Priorität in seinem Leben. Er wirkt geerdet. Reife spricht aus den Worten des 18-Jährigen.

Was sich geändert hat in Starks Wesen und Persönlichkeitsbild? „Gar nichts“, sagt Senol bestimmt, „absolut nichts. Weder bei Christiannoch bei seinen Eltern.“

Lesen Sie auch: Die fünf Ängste des HSV vor dem Kellerduell gegen Mainz.

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