Angeklagter war Vorsänger der Ultras

Gladbacher „Kapo“ tritt nach Fan und muss in den Knast

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Der 30-jährige Angeklagte (Rechts) mit seinem Anwalt Johannes Dahners.

Mönchengladbach - Der 30-Jährige galt als vorbildlicher Fan, als einer, der sich gegen Gewalt im Stadion engagiert. Doch als er von einem Stadionbesucher angerempelt wird, tritt er ihn ins Krankenhaus.

Der Angeklagte war als Vorsänger einer Ultra-Gruppierung gerade auf dem Weg zu seinem „Arbeitsplatz“ in der Nordkurve. Am 20. Dezember 2015, kurz vor dem Anpfiff der Partie Borussia Mönchengladbach gegen Darmstadt 98, kommt es zur Rempelei mit einem betrunkenen Fan. Der Ultra tritt, der andere Fan schlägt mit dem Kopf aufs Pflaster, schwebt zunächst in Lebensgefahr. Ein Jahr später wird der nunmehr 30-Jährige für seine Tat vom Landgericht Mönchengladbach zu drei Jahren Haft verurteilt. Revision ist möglich.

„Als wenn ein Torwart klären muss“

In ihren Plädoyers hatten Anklage und Verteidigung noch einmal den Hergang im Detail beschrieben. Der Vorsänger wird angerempelt, Bier landet auf seiner Kleidung. Der betrunkene 37-jährige Fan verpasst dem Vorsänger noch eine Bierdusche. Der reagiert, schubst den Mann und und tritt mit voller Wucht nach ihm, wie der Vorsitzende Richter Lothar Beckers am Donnerstag in der Urteilsbegründung sagt: „als wenn ein Torwart klären muss“. Der Fuß landet im Gesicht des Kontrahenten.

Der Angeklagte habe den Tritt nicht gezielt gegen den Kopf geführt. Darum sei die Tat nicht, wie die Staatsanwaltschaft meint, als Totschlag zu werten. Aber er habe mit dem Vorsatz getreten, den Mann zu verletzen. Der damals 29-Jährige habe erkannt, dass der Angriff für jemanden, der so betrunken sei, lebensgefährlich sei.

Job verloren, Beziehung zerbrochen und er leidet an Schlaflosigkeit

Das Opfer kippt ohne einen Versuch sich abzufangen um, wie der Richter sagt. Der Kopf schlägt aufs Pflaster. Der Mann erleidet Hirnblutung und Hirnödem. Er selbst kann sich an nichts erinnern. Darum sitzt er als Nebenkläger in dem Prozess: „Er wollte verstehen, wie es dazu kommen konnte“, sagt sein Anwalt. Den Job verloren, Beziehung zerbrochen, noch immer die Schlaflosigkeit - die „üblen Folgen“ des Angriffs wirken immer noch, wie Richter Beckers sagt.

Der Angeklagte sieht nicht aus wie ein Hooligan. Er ist eher klein, schmal, hat studiert. Zu den Heimspielen von Borussia steht er in der Nordkurve und gibt den Rhythmus für die Fangesänge an - er ist der „Kapo“. Ein vorbildlicher Fan, wie sein Anwalt Johannes Daners in seinem Plädoyer hervorhob: „Er ist einer, der vorbildlich in der Fanszene ist, der Vorbild ist und präventiv gegen Gewalt agiert.“

Täter und Opfer sprachen miteinander

Kurz vor der Verhandlung haben Täter und Opfer persönlich miteinander gesprochen, wie die Anwälte berichteten. Der 30-Jährige hat sich entschuldigt, hat die Verantwortung für den Angriff übernommen und zahlt 8000 Euro für den Schaden, wie Anwalt Daners mitteilte. Diesen Täter-Opfer-Ausgleich werten die Richter genauso strafmildernd wie die Unbescholtenheit des Täters bis zu jenem Tag. Der Täter habe bei dem Gespräch seinem Mandanten die Hand ausgestreckt, sagte der Anwalt des Opfers: „Es war nicht einfach für ihn in die Hand einzuschlagen.“

dpa

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