Verein will nicht aufsteigen

Glücklich in Dassendorf: Ex-Profi Martin Harnik mischt die Oberliga Hamburg auf

Martin Harnik.
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Seit Oktober 2020 bei der TuS Dassendorf: Ex-Profi Martin Harnik.

Dassendorf gehört eigentlich zu Schleswig-Holstein. Weil das 3500-Einwohner-Örtchen aber nur wenige Kilometer östlich von Hamburg liegt, spielt der Fußball-Klub TuS Dassendorf in der Oberliga der Millionenstadt.

Und sorgt dort regelmäßig für Schlagzeilen. Nicht zuletzt durch die Verpflichtung des Ex-Profis Martin Harnik im Oktober 2020. Der mittlerweile 34-Jährige verlängerte seinen Vertrag unlängst um ein Jahr bis 2024. Dass ein Fünftligist solch langfristige Verträge schließt, ist ohnehin schon etwas Besonderes. Doch die TuS ist nicht nur deswegen ein besonderer Verein.

Harnik, in Hamburg geboren – deutsche Mutter, österreichischer Vater – war im Profifußball für Bremen, Düsseldorf, Stuttgart, Hannover und zuletzt den HSV aktiv, bevor es ihn nach Dassendorf zog. 68 Länderspiele (15 Tore) für Österreich stehen im Lebenslauf – ebenso wie 23 Treffer aus 13 Partien in der Oberliga Hamburg in der laufenden Saison. Der zweitbeste Torjäger dieser Spielklasse steht bei acht Toren. Jan Schönteich, Sportchef in Dassendorf, ist sich sicher: „Wir werden Meister.“ Aufsteigen wird die TuS aber auch mit Harnik nicht.

Das hat in Dassendorf Tradition. Bereits 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 holte der Klub den Titel – in die vierte Liga wollte der Verein dennoch nie. Warum nicht? Laut Schönteich würde man erst darüber nachdenken, wenn der DFB sein Ligasystem überarbeiten würde, aus fünf Regionalligen, vier oder drei mache. „Die Regionalliga Nord ist unattraktiv. Da gibt es den VfB Lübeck und sonst eigentlich keinen Traditionsverein. Dazu kommt die Aufstiegsregelung“, sagt er. Geld sei bei ihnen nicht das Problem. Aber so lange der Weg in den bezahlten Fußball nur durch ein Nadelöhr führt, ist man in Dassendorf wohl mit der Oberliga zufrieden. Und dem regelmäßigen Erfolg.

Dass es Harnik nach Dassendorf zog, ist dabei kein Zufall. Mit Trainer Jean-Pierre Richter (ebenfalls 34) spielte Harnik eine lange Zeit in der Jugend zusammen. Harniks Vater war mal Schönteichs Chef und Harniks Bruder mal ein Arbeitskollege. Zudem hat sich der Österreicher mit seiner Frau und den drei Kindern in Dassendorf niedergelassen, ist sesshaft geworden. „Er ist ein absolut bodenständiger Kerl, hat Hunde und Pferde. Und er ist tatsächlich der einzige Spieler von uns, der auch direkt in Dassendorf und nicht außerhalb lebt“, berichtet Schönteich. „Er ist Kapitän und hält den Laden an allen Fronten zusammen“, fügt der 53-Jährige an.

Große Namen haben in Dassendorf ebenfalls Tradition. Jürgen Degen spielte für die TuS, Marcus Marin und Marcel Schied. Mit Maximilian Ahlschwede, Lennard Sowah und Zhi Gin Lam stehen weitere Akteure im aktuellen Kader, die Profi-Erfahrung vorzuweisen haben. Aber auch aus nordhessischer Sicht hat der Klub etwas zu bieten. So gehört Amando Aust zu den Stammspielern, der bis 2011 für Vellmar aktiv war. Marcel Lenz spielte von 2008 bis 2010 für den KSV Hessen Kassel und bildet mit Aust die Innenverteidigung in Dassendorf.

Innenverteidiger in Kassel war auch Henrik Giese. Der 32-Jährige wechselte im Sommer nach drei Jahren bei der Reserve des Hamburger SV zum SV Curslack-Neuengamme – in die Oberliga Hamburg. Im Hinspiel trafen Giese und Harnik direkt aufeinander, Dassendorf gewann 2:0, den zweiten Treffer erzielte Harnik. „Allerdings aus abseitsverdächtiger Position“, sagt Giese lachend. Harnik war in dieser Partie sein direkter Gegenspieler. „Er ist immer noch fit und clever. Wenn er eine Chance hat, macht er sie auch rein“, sagt der ehemalige Kasseler über den Österreicher. Das Rückspiel verpasste Harnik verletzt, Dassendorf gewann 2:1. Der Tabellenführer ließ ohnehin nur beim 1:1 gegen den VfL Lohbrügge zwei Punkte liegen.

Dassendorfs Sportchef Schönteich blickt dennoch schon in die Zukunft. Einer, der mit Harnik ebenfalls in der Jugend spielte, ist Max Kruse. „Der ist aber noch zu gut für uns. Und wenn er das nicht mehr ist, ist er wahrscheinlich zu alt“, sagt Schönteich lachend. Ganz ausgeschlossen ist es aber nicht, dass da jemand in Schleswig-Holstein vor den Toren Hamburgs am nächsten Transfer-Coup werkelt. (Maximilian Bülau)

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