Abstieg in die Regionalliga nun sicher

Unterhachings bewegte Geschichte: Ex-Trainer Lorenz-Günther Köstner erinnert sich

Ein Fan von Unterhaching.
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Bild aus Unterhaching: Ein Fan, der in seinen Schal weint (2001).

Seit Mittwochabend und dem 0:2 gegen Waldhof Mannheim steht fest: Die Spielvereinigung Unterhaching steigt ab aus der 3. Fußball-Bundesliga.

Kassel – Schon 2015 musste der Klub aus dem Landkreis München den bitteren Gang in die Viertklassigkeit antreten, zwei Jahre später folgte der Wiederaufstieg. Auch vor 20 Jahren stand für die Hachinger am Ende der Saison der Abstieg fest – damals allerdings aus der Bundesliga. Trainer in dieser Zeit war Lorenz-Günter Köstner. Der heute 69-Jährige – von 1989 bis 1990 Coach des KSV Hessen Kassel – blickt mit uns zurück.

Die Anfänge

Im dritten Anlauf gelingt den Hachingern 1989 erstmals der Aufstieg in die zweite Bundesliga. Köstner, damals noch beim SC Freiburg auf der Bank, wechselt wenig später nach Kassel. Er erinnert sich an eine „sehr intensive Zeit“. „Wir sind in Kassel wegen des schlechteren Torverhätnisses abgestiegen. Am letzten Spieltag haben wir Hertha BSC 2:0 geschlagen. Weil Osnabrück aber 3:1 gegen Schalke gewonnen hat, hat es nicht gereicht“, sagt Köstner. Zur Wahrheit gehört aber auch: Am vorletzten Spieltag unterliegen die Kasseler Unterhaching 0:1.

Als Köstner 1994 erstmals das Traineramt bei den Hachingern übernimmt, spielen die in der drittklassigen Oberliga Bayern. Mit ihm gelingt der Aufstieg und beinahe der Durchmarsch in die erste Liga. Als Vierter fehlt den Bayern am Ende nicht viel. „Am vorletzten Spieltag haben wir 2:3 beim VfB Leipzig verloren. Das war ein Skandalspiel. Da wurden Böller geworfen, unser Spieler Dirk Hofmann dadurch verletzt. Sein Sohn spielt jetzt beim Karlsruher SC, Philipp Hofmann“, erzählt der 69-Jährige. 1997 verlässt Köstner Unterhaching für ein Jahr, wird Trainer des 1. FC Köln. 1998 kehrt er zurück. Genau rechtzeitig.

Die Bundesliga-Jahre

Denn unter Köstner gelingt 1999 der Sprung in die Bundesliga. „Ich habe meine Verträge damals immer nur ein Jahr verlängert. Per Handschlag. Schriftliche Verträge haben wir nur gemacht, weil der DFB sie eingefordert hat“, sagt Köstner. Es sind Jahre, die in die Bundesliga-Geschichte eingehen. Unterhaching ist immer mittendrin. 2000 habe er auch schon Mitleid mit Bayer Leverkusen gehabt. „Die hatten in der gesamten Saison ja nur zwei Spiele verloren und haben am Vorabend schon die Meisterschaft gefeiert. Leverkusen war die beste deutsche Mannschaft damals. Mir wurde zugetragen, dass bei der Feier Wetten abgeschlossen wurden, wie hoch sie gegen uns gewinnen. 4:0, 5:0, 6:0“, erinnert sich der Trainer. Doch ein Eigentor von Michael Ballacks leitet die Niederlage ein. Anschließend sei sein Torhüter Gerhard Tremmel über sich hinausgewachsen, ein Konter brachte das 2:0. Die Bayern werden Meister, der Mythos Vizekusen ist geboren. Unterhaching beendet die Spielzeit auf einem starken zehnten Platz.

Ein Jahr später ist Köstner mit Haching am letzten Spieltag auf Schalke zu Gast, erlebt die Minuten-Meisterschaft hautnah. „Wir haben 2:0 geführt, Miroslaw Spitzak hatte die große Chance auf das 3:0. Stattdessen steht es zur Pause 2:2. Wir führen dann noch einmal 3:2, verlieren aber 3:5“, erzählt Köstner. Er habe Rudi Assauer und Huub Stevens zur Meisterschaft gratuliert. In der Kabine habe er erst ein Scheppern gehört, dann die Stille im Stadion. Der Rest ist bekannt. Doch auch für Haching ist an diesem Tag der Abstieg besiegelt.

Die Abstiege

Köstner geht damals mit in die zweite Liga. „Ich habe meinen Abschied angeboten, der Verein wollte das nicht“, sagt er. Noch heute kann er sich an die letzte Trainingseinheit als Trainer der Bayern erinnern. „Das war am 11. September 2001. Ein Dienstag. Ich bin danach ins Büro gekommen, der Fernseher lief. Ich habe gefragt, was das für ein Film sei?“ Es waren die Anschläge von New York. Der nächste Tag sei trainingsfrei gewesen. Am Mittwochabend habe er die Freistellung nach einem holprigen Saisonstart bekommen.

In die Bundesliga kehrte Haching nie zurück. Vielmehr steht nun das zweite Mal in 30 Jahren der Abstieg in die Viertklassigkeit fest. (Maximilian Bülau)

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