Kölner ist im September ganz still aus der Nationalelf zurückgetreten

Jonas Hector – der etwas andere Profi

Ex-Nationalspieler Jonas Hector jubelt nach seinem entscheidenden Elfmeter im Viertelfinale der Europameisterschaft 2016 für Deutschland gegen Italien. Geschlagen am Boden:  Gianluigi Buffon.
+
Sein Höhepunkt in der Nationalmannschaft: Jonas Hector hat den entscheidenden Elfmeter im Viertelfinale der Europameisterschaft 2016 für Deutschland gegen Italien und Gianluigi Buffon verwandelt.

Die Nachricht kam spät am Mittwochabend. Und sie kam überraschend. Jonas Hector ist bereits vor Wochen aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Und das ganz ohne Lärm.

Kassel - Hector habe seine Entscheidung Bundestrainer Joachim Löw vor den Spielen Anfang September mitgeteilt. Die Art und Weise passt zum 30 Jahre alten Spieler des 1. FC Köln, der um sich selbst nie viel Wirbel gemacht oder sich als Star profiliert hat. Wir blicken auf einen Sportler, der einen ganz untypischen Weg geht.

Der Weg zum Profi

Wie zahlreiche andere Talente mit großen Träumen und ganz früh in ein Nachwuchsleistungszentrum? Nein, diesen Weg hat Jonas Hector nicht bestritten.

Der gebürtige Saarbrücker verbrachte seine gesamte Jugend sowie die ersten Jahre im Seniorenbereich bei seinem Heimatverein SV Auersmacher. 2009 machte Hector sein Abitur, im selben Jahr stieg Auersmacher in die Oberliga auf. Weil er sich nicht vorstellen konnte, Profi zu werden, blieb er trotz eines Angebots vom VfL Bochum – Saarland-Liga statt 2. Bundesliga an der Castroper Straße.

2010 ging es dann aber doch in die weite Fußball-Welt. Hector wechselte zum 1. FC Köln. In Auersmacher haben sie ihren Bundesliga-Profi natürlich nicht vergessen. Hector grüßt von der Startseite der Klub-Homepage.

Der Kölner

In der Metropole am Rhein gelang der Durchbruch. Zwei Jahre war er für die Reserve aktiv, ehe er im Sommer 2012 unter dem damaligen Trainer Holger Stanislawski den Sprung in die Profimannschaft schaffte, die gerade erst in die 2. Liga abgestiegen war.

Der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelang 2014, Hector war da längst Stammspieler – und wurde nach der Weltmeisterschaft in Brasilien Nationalspieler.

Der Heimatverbundene

Hectors Aufstieg zum Leistungsträger, Nationalspieler und Kölner Kapitän blieb auch den großen Vereinen im In- und Ausland nicht verborgen. Doch wie schon 2009 blieb Hector seiner bekannten Umgebung treu – sogar ein Angebot vom FC Barcelona konnte ihn 2016 nicht beeindrucken. Und als Köln 2018 aus der Bundesliga abstieg, verlängerte Hector seinen Vertrag langfristig, statt den Klub zu verlassen.

Der Buffon-Bezwinger

Jonas Hector ist Defensivspieler und wahrlich kein Torjäger. Das zeigen auch seine neun Tore in 149 Bundesligaspielen. Und das konnte man auch an diesem Samstagabend im Juli 2016 sehen. EM-Viertelfinale gegen Italien, Elfmeterschießen. Acht Schützen beider Teams haben schon geschossen, Deutschland hat schon mehr als einen Matchball liegen gelassen.

Dann verschießt Italiens Matteo Darmian und Jonas Hector ist an der Reihe, das Spiel nun endlich zu entscheiden. Der Schuss, den Hector Richtung Tor abgibt, war wohl mit den besten Wünschen abgeschickt worden. Anders lässt sich kaum erklären, wie der eher schwach geschossene Ball unter Italiens Torhüter Gianluigi Buffon durchrutschen konnte. Die Entscheidung und zugleich der Höhepunkt von Hectors Karriere beim DFB. 43 Spiele hat er im Nationaldress gemacht, vier davon beim Confed-Cup-Sieg 2017. Seine letzte Partie bestritt er beim 6:1 gegen Nordirland im November 2019.

Der Privatmensch

Über den ist nicht viel bekannt. Und das liegt vor allem daran, dass Hector nicht viel Wert darauf legt, in den Sozialen Medien aufzutauchen. Instagram, Facebook, Twitter oder Tiktok? Fehlanzeige. Seit 2018 ist er mit seiner Frau Anika verheiratet. Auch die Trauung fand Hector-typisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Im Juni dieses Jahres ereilte Hector jedoch ein Schicksalsschlag. Sein Bruder Lucas, mit dem er beim SV Auersmacher zusammengespielt hat, verstarb völlig unerwartet im Alter von 31 Jahren.

Von Björn Friedrichs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.