Bittere Niederlage wie zuletzt gegen Spanien

Heini Webers bitterer Abschied: Ein 0:6 war 1931 das letzte Länderspiel des Kasseler Fußballers

Amsterdam 1928: die deutsche Olympiamannschaft mit dem Kasseler Heini Weber (vorn links).
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Amsterdam 1928: die deutsche Olympiamannschaft mit dem Kasseler Heini Weber (vorn links).

Selbst Statistikfreaks müssen sich nicht schämen, wenn sie nicht wissen, wann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die erste ihrer beiden 0:6-Schlappen hinnehmen musste, denn das war schon vor fast 90 Jahren.

Kassel – Am 24. Mai 1931 in Berlin wurde das DFB-Team von Österreich genauso gedemütigt, wie nun am 17. November 2020 in Sevilla von Spanien.

Und es war ausgerechnet der Kapitän, für den das Debakel besonders drastische Folgen hatte. Seit den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam war der Kasseler Augenoptiker-Meister Heini Weber eine feste Größe in der deutschen Elf. Aber nach der Pleite gegen Österreich wurde der Abwehrspieler nie wieder nominiert. Es ist nicht überliefert, ob Weber als Sündenbock herhalten musste oder andere Dinge für seine Nichtberücksichtigung vorrangig waren.

Marianne Kern vermutet, dass die Gründe nicht im sportlichen Bereich lagen. „Mein Vater litt schon länger unter Kniebeschwerden und war 1931 auch schon Eigentümer eines Optik-, Foto- und Radiofachgeschäfts in Kassel, dem er sich mit großem Engagement widmete“, sagt Webers Tochter. Für diese These spricht, dass Heini Weber, der 1977 starb, auch für den SV Kurhessen Kassel nur noch ein weiteres Jahr spielte. Seine Begründungen damals: die Verletzung und der große Einsatz für das Geschäft.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Niederlage gegen Österreich damals bei Weitem nicht so blamabel war, wie nun das Fiasko gegen Spanien. Während sich die aktuellen Bedingungen in Deutschland und Spanien ähneln, waren damals die Voraussetzungen in Deutschland und Österreich höchst unterschiedlich. So durfte der Schalker Ernst Kuzorra Anfang der Dreißigerjahre nicht in der Nationalmannschaft spielen, weil er von seinem Klub zehn Reichsmark pro Monat bekommen hatte. Die Österreicher waren dagegen schon Vollprofis.

Die Mannschaft, die vor dem Spiel in Berlin angeblich nicht von Trainer Hugo Meisl, sondern von Journalisten aufgestellt wurde, weil Meisl den Supertechniker Matthias Sindelar nicht berücksichtigen wollte, wurde nach dem 6:0 nur noch „Wunderteam“ genannt. Österreich gewann in den Jahren 1931 und 1932 zwölf von 14 Spielen bei nur einer Niederlage.

Zum Trost für das aktuelle DFB-Team: Nur drei Jahre nach dem Debakel von Berlin trafen sich die deutschen Amateure und das Wunderteam bei der WM in Italien wieder. Das Spiel um den dritten Platz endete 3:2 – für Deutschland. (Gerd Brehm)

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