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Nach acht Spielen ein Torverhältnis von 2:0: Hier lebt die beste Abwehr Europas

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Von: Maximilian Bülau

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Blick auf die Stadt Burgos.
Blick auf die Stadt Burgos im Norden Spaniens: In der Mitte ist die Kathedrale zu sehen, deren Bau im Jahr 1221 begann und die im Jahr 1260 geweiht wurde. ©  Imago/agefotostock

José Antonio Caro ist derzeit ein glücklicher Mann. Und das hat weniger mit seinem Privatleben zu tun. Es ist seine Arbeit, die ihn sicher ziemlich glücklich macht.

Caro ist Fußball-Torhüter. Sein Arbeitgeber ist der spanische Zweitligist Burgos CF. Im Sommer kam Caro von Real Valladolid nach Burgos, einer Stadt mit rund 175 000 Einwohner im Norden des Landes, am Jakobsweg gelegen. Sein Vertrag ist bis 2024 gültig. Gut möglich, dass im Hintergrund bereits an einer Verlängerung gearbeitet wird.

Der 28 Jahre alte Caro hat mit seinen Vorderleuten in der noch recht jungen Saison Besonderes geschafft. Acht Partien hat Caro mit Burgos CF bislang absolviert, achtmal blieb er ohne Gegentor, 720 Minuten sind das. Die kuriose Bilanz des Klubs lautet nun: acht Spiele, 2:0 Tore, zwei Siege, sechs Remis, ungeschlagen auf Rang acht. Am ersten und am vierten Spieltag siegte Burgos jeweils 1:0, alle weiteren sechs Partien endeten 0:0.

Klar: Die beste Abwehr der Liga hat Burgos damit sicher – allerdings auch den schwächsten Angriff. Ganz neu ist diese Defensivstärke im Norden Spaniens dabei nicht. Bereits die vergangene Saison schloss das Team als Elfter ab (in der zweiten spanischen Liga sind 22 Mannschaften im Einsatz) – bei einem Torverhältnis von 41:41 stellte Burgos als Aufsteiger die drittbeste Abwehr der Spielklasse.

Der Verein Burgos hat eine aufregendere Geschichte als es die Ergebnisse des aktuellen Teams vermuten lassen. Gegründet wurde der Klub 1922, damals unter dem Namen Gimnastica Burgalesa, der aktuelle Vereinsname entstand erst 1949. Der erste Aufstieg in die Primera Division gelang 1971, daran beteiligt waren Juanito und Miguel Angel Portugal, die später für Real Madrid aktiv waren. Nach sechs Jahren in Spaniens höchster Spielklasse in den 1970er-Jahren gab es 1983 den großen Knall: Burgos CF wurde nach einer finanziellen Krise aufgelöst.

Unter neuem Namen – Real Burgos CF – gab es noch im selben Jahr den Neuanfang. Schnell ging es wieder aufwärts, 1990 war der Klub zurück in La Liga. Der Höhepunkt gelang 1992 mit Platz neun, besser schnitt der Verein in seiner Geschichte nie ab. Doch die finanziellen Probleme kehrten zurück – und führten 1994 zu einer erneuten Auflösung des Klubs.

Wiederum gab es eine Neugründung noch im selben Jahr, dieses Mal unter dem ursprünglichen Namen Burgos CF. Zwar gelang seitdem nie der Sprung in die Primera Division, aber zweitklassig ist Burgos nun schon wieder. Was die Abwehr angeht, da sind die Nordspanier schon jetzt aber ganz klar erstklassig unterwegs.

Dort, wo Francisco Franco während des Spanischen Bürgerkriegs (1936 bis 1939) die Basis seiner nationalistischen Regierung hatte, lebt nun die beste Abwehr Europas. Und natürlich auch Torhüter Caro, der eben derzeit die Tage unter der schwächer werdenden Oktobersonne Spaniens genießen dürfte. Er hat mehr torlose Minuten hinter sich als beispielsweise Marc-André ter Stegen, der am Wochenende beim FC Barcelona mit nunmehr 534 ohne Gegentreffer eine neue persönliche Bestmarke aufstellte. Bis zum deutschen Rekordhalter Timo Hildebrand (884) fehlen Caro noch zwei Spiele. Am kommenden Samstag ist allerdings Tabellenführer Alaves zu Gast. (Maximilian Bülau)

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