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Fußball-EM der Frauen beginnt am Mittwoch: In Deutschland liegt der Fokus nicht nur auf dem Ball

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Von: Maximilian Bülau

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Martina Voss-Tecklenburg.
Für sie zählt nur das Spielgerät: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg will mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen in England den EM-Titel gewinnen. © Boris Roessler/dpa

Wenn morgen die Fußball-EM der Frauen beginnt, rücken einige Themen in den Blickpunkt. Neben dem sportlichen Titelwunsch geht es auch um Prämien und den schwächelnden Nachwuchs.

Eine Fußball-EM in England? Die ist für eine deutsche Mannschaft mit positiven Erinnerungen verknüpft. 26 Jahre nach dem Triumph der Männer beginnt für die Frauen, die Rekord-Europameisterinnen, die Mission „Titel Nummer neun“. Doch nicht nur für die Männer war die Insel ein gutes Pflaster: Bereits 2005 sicherten sich die Fußballerinnen den EM-Titel in England. Das Endspiel in Blackburn gewannen sie 3:1 gegen Norwegen, die Tore erzielten Inka Grings, Renate Lingor und Birgit Prinz.

Für die deutschen Frauen beginnt das Turnier am Freitag mit der Partie gegen Dänemark (21 Uhr/ZDF und Dazn). Das erste Spiel findet morgen zwischen den Gastgeberinnen und Österreich statt. Doch im Vorfeld der EM liegt der Fokus in Deutschland nicht nur auf dem Ball und dem Wunsch nach dem ersten Titel seit dem Olympiasieg 2016. Hierzulande wird viel über die Angleichung der Prämien zwischen Männern und Frauen gesprochen, die einige Länder bereits vorgenommen haben, die in Deutschland aber erst einmal nicht kommen wird. Wären die Männer im vergangenen Jahr Europameister geworden, hätte jeder Spieler 400 000 Euro kassiert. Sollten die Frauen am 31. Juli das Endspiel im Londoner Wembley-Stadion gewinnen, dann würde jede von ihnen 60 000 Euro erhalten.

Doch Prämien sind nur ein Feld, das nicht die erwünschte Ernte abwirft. Der Frauen-Fußball boomt in vielen Länder – in Deutschland allerdings nicht. Seit 2010 ist die Hälfte aller Mädchen-Mannschaften verlorengegangen. Die Heim-WM 2011 hat nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Über Gründe für die Stagnation und dafür, dass viele europäischen Länder das DFB-Team mittlerweile einge- oder sogar überholt haben, haben wir mit Pauline Bremer gesprochen. Die 26 Jahre alte Göttingerin spielt für Wolfsburg und ist bei der EM auf Abruf dabei.

Bremer über ...

ihre Erfahrungen aus anderen Ländern: „Ich habe in Frankreich und England gespielt. Die Bevölkerung in England ist fußballverrückt. Traditionsklubs werden unterstützt, Fans sind da richtige Fans. Sie freuen sich auf Derbys, es wird von den Klubs viel ins Marketing investiert. Und die Fans gehen dann eben auch zu den Spielen der Frauen, da wird nicht so ein großer Unterschied gemacht. Ich weiß aber, dass man da auch differenzieren muss und Dinge nicht direkt übertragen kann.“

die Mentalität: „Wir haben das volle Stadion in Barcelona mit dem VfL Wolfsburg ja selbst erlebt in der Champions League. Fans des FC Barcelona unterstützen den Klub – und damit eben auch die Frauen-Mannschaft. Das ist eine Mentalitätsfrage. Das kann man aber eben auch nicht mit Wolfsburg vergleichen.“

den Fußball in Deutschland derzeit: „Man merkt allgemein einfach, dass andere Länder aufholen. Deutschland ist bei so einer EM nicht mehr alleiniger Favorit. Geschweige denn überhaupt Favorit. Viele können den Titel bei diesem Turnier holen. Aber es ist nicht so, dass die deutschen Klubs schlafen würden. Es wird gute Arbeit geleistet. Es sind auch deutsche Vereine immer oben dabei, dieses Jahr beispielsweise mit Wolfsburg und dem FC Bayern in der Champions League. Wir müssen da jetzt dranbleiben. Aber die Vereinsebene ist definitiv auf einem guten Weg.“

die Sichtbarkeit: „Viele wissen glaube ich gar nicht, wo sie Frauenfußball im Fernsehen verfolgen können. Das ist ein großes Problem. Von daher ist es gut, eine Chance, dass die EM nun in der ARD, auf ZDF und bei Dazn zu sehen ist.“

die Verantwortung des DFB-Teams bei der EM: „Wir müssen konstant gute Arbeit leisten, um junge Mädchen für den Fußball zu begeistern. Viel geht einfach über den Erfolg. Wenn du erfolgreich bist, kommt die Aufmerksamkeit. Das ist in anderen Ländern auch so, kommt in Wellen. Die deutsche Mannschaft ist jetzt, wo alles zu verfolgen ist, noch mehr in der Verantwortung. Über Soziale Medien sieht es der Nachwuchs dauerhaft, wie sie Spiele gewinnen. Ich hoffe, dass sie Spiele gewinnen.“ (Maximilian Bülau)

Zur Person

Pauline Bremer (26) stammt aus Ossenfeld im Landkreis Göttingen. Mit neun begann sie bei der SVG Göttingen mit dem Fußballspielen. Bislang hat sie 21 Länderspiele (vier Tore) bestritten. Im Profibereich spielte sie zunächst für Potsdam, wechselte nach Lyon und weiter zu Manchester City. Seit 2020 steht Bremer nun in Wolfsburg unter Vertrag.

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