Keine offiziellen Corona-Fälle

Hier wird normal abgeklatscht: Fußball in Turkmenistan und Tadschikistan läuft

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Es wird gespielt: In Turkmenistan trafen am vergangenen Wochenende unter anderem die Teams von Altyn Asyr (weiße Trikots) und Kopetdag aufeinander. Hier sind beide Mannschaften bei der Begrüßung vor dem Spiel und klatschen sich ab. 

Kassel – In Deutschland wird derzeit fieberhaft überlegt, wie eine Fortsetzung der Fußball-Bundesliga möglich sein könnte. Seit mehr als einem Monat ruht der Ball wegen der Coronakrise.

Doch das ist nicht überall so. In Weißrussland wird gespielt – das ist bekannt. In Tadschikistan hat die Liga trotz der Pandemie ganz normal begonnen. Und am vergangenen Wochenende hat der turkmenische Fußball nach kurzer Unterbrechung den Betrieb wieder aufgenommen – und das sogar mit Zuschauern. Warum ist das so? Ein Blick nach Zentralasien.

Geschichte der Länder

Turkmenistan gehörte bis zum Zerfall 1991 zur Sowjetunion. Bei einem Unabhängigkeitsreferendum 1991 hatten zunächst noch 99,8 Prozent der Bürger für einen Verbleib in dieser gestimmt. Staatsoberhaupt und zugleich Regierungschef ist heute Gurbanguly Berdimuhamedow. In Turkmenistan gibt es ein präsidiales Einparteiensystem, das einer Diktatur gleichkommt. So sind beispielsweise seit 2015 nur noch weiße Autos in Turkmenistan erlaubt und andersfarbige wurden aus dem Verkehr gezogen – weil Berdimuhamedows Lieblingsfarbe Weiß ist. Turkmenistan ist ein islamisch geprägtes Land mit 5,9 Millionen Einwohnern, das über das viertgrößte Erdgasvorkommen der Welt verfügt.

Tadschikistan gehörte ebenfalls bis 1991 zur Sowjetunion und verfiel nach der Unabhängigkeit in einen Bürgerkrieg zwischen islamischen Fundamentalisten und der damaligen Regierung. Offiziell herrscht in Tadschikistan ein demokratisches Präsidialsystem unter der Führung von Emomalij Rahmon. Allerdings gilt das Land mit 9,1 Millionen Einwohnern als einer der autoritärsten Staaten weltweit. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist der Staatsapparat in den vergangenen Jahren neben Burundi einer der größten Verlierer, da sich die autoritären Strukturen enorm verstärkt hätten.

Pandemie und Fußball

Es gibt kaum noch Staaten weltweit, in denen es offiziell keinen Coronafall gibt. Das betrifft eigentlich vor allem kleinere Inseln und abgelegene Länder – und Turkmenistan und Tadschikistan. Laut Weltgesundheitsorganisation ist in beiden Staaten bislang kein Coronafall bekannt. Allerdings melden Länder die Erkrankungen selbst. Besonders fragwürdig sind diese nicht vorhandenen Fallzahlen, weil alle umliegenden Länder betroffen sind. Tadschikistan grenzt an China mit bislang fast 85 000 Corona-Erkrankten. Der Iran, der an Turkmenistan grenzt, hat ebenfalls mehr als 80 000 Krankheitsfälle.

Aber: Weil es in Turkmenistan und Tadschikistan offiziell eben keine Covid-19-Patienten gibt, wird Fußball gespielt. In Turkmenistan hatte dieser seit dem 20. März pausiert, am vergangenen Sonntag wurde die Liga mit dem Topspiel zwischen Meister Altyn Asyr und Spitzenreiter Kopetdag wieder aufgenommen. Die Partie endete 1:1. Gestern waren drei weitere Spiele der ersten Liga angesetzt.

In Tadschikistan wurde die Liga ganz normal vor drei Wochen gestartet. Anders als in Turkmenistan allerdings ohne Zuschauer. In der zehn Teams umfassenden Vysshaya Liga liegen Istiqlol Dushanbe und Khatlon Bokhtar nach drei Spielen mit jeweils sieben Punkten an der Tabellenspitze. Das Topspiel zwischen diesen beiden Teams am vergangenen Wochenende endete 2:2.

Blick auf die Welt

Neben Weißrussland, Turkmenistan und Tadschikistan wird auch in Taiwan und Nicaragua gespielt. In Taiwan wurde die Saison am 12. April gestartet – allerdings ohne Zuschauer. Das Land gilt als Vorreiter im Kampf gegen Corona. Beim ersten bestätigten Fall soll die Liga sofort unterbrochen werden. In Nicaragua in Mittelamerika fand am Wochenende der 18. Spieltag statt. Laut Präsident Daniel Ortega hat das Land bislang „erst“ einen Corona-Toten.

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