Wie Leicester City in England

Fußball-Märchen vom FK Bodö/Glimt: Hier wohnt Norwegens Meister

Luftaufnahme der Stadt Bodö.
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Aus der Luft: eine Aufnahme der Stadt Bodö.

Sonntagabend gegen 22 Uhr stand es dann fest. Der FK Bodö/Glimt ist erstmals norwegischer Fußball-Meister. Es ist ein kleines Märchen, das der Klub aus der 50 000-Einwohner-Stadt nördlich des Polarkreises geschrieben hat.

2016 abgestiegen, 2017 wieder aufgestiegen, nun auf dem Weg, sämtliche Rekorde zu brechen. Wir stellen den Klub, der bereits als Leicester City vom Polarkreis bezeichnet wird, einmal vor.

Die Stadt

Viel Licht haben sie in Bodö gerade nicht. Von der norwegischen Hauptstadt Oslo aus sind es rund 16 Stunden bis in den Norden Norwegens – glaubt man Google Maps. 1200 Kilometer. Derzeit geht die Sonne in Bodö gegen neun Uhr morgens auf – und fünf Stunden später wieder unter. 2016 wurde die Stadt zur attraktivsten Norwegens gewählt, 2024 wird sie eine der drei europäischen Kulturhauptstädte sein.

Bodö ist gerade mal etwas mehr als 200 Jahre alt. Bekannte Persönlichkeiten sucht man vergeblich. Das Wichtigste in der Stadt ist eigentlich nicht der Fußball – es ist der Fisch. Auch deswegen bekam Bodö 1816 das Stadtrecht zugesprochen – es sollte zum Handelsplatz für nordnorwegische Fischer werden und Bergen ablösen, um den Einfluss der Dänen zu verkleinern, unter deren Herrschaft Norwegen damals noch stand.

Der Klub

Der FK Bodö/Glimt wurde 1916 gegründet und war nach der Öffnung der Liga für nordnorwegische Klubs der erste aus dieser Region, der 1976 erstklassig spielte. Bereits 1975 gelang der erste Pokalsieg, den der Verein 1993 wiederholte. Die einzigen Titel vor dem Gewinn der Meisterschaft in diesem Jahr. Insgesamt sieben Mal nahm Bodö/Glimt an der Europa League oder deren Vorgängern teil, scheiterte 1999 in diesem Wettbewerb mal in der ersten Runde an Werder Bremen (0:5 und 1:1).

Der Star

Ist nicht mehr da, wenn man so will. Der 21 Jahre alte Jens Petter Hauge wechselte Anfang Oktober für fünf Millionen Euro zum AC Mailand – nachdem er die Italiener vorher in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League mit einem Tor und einer Vorlage geärgert und an den Rand einer Niederlage gebracht hatte (2:3). Der Rekordtransfer Hauge hat dennoch seinen Anteil an der Meisterschaft, denn vor seinem Wechsel erzielte er 14 Tore und legte zehn weitere auf. Für Milan traf er in der Liga passenderweise am Sonntag beim 3:1-Sieg in Neapel das erste Mal. Und durfte jubeln wie sein Ex-Verein.

Wie ein Großteil der Mannschaft wurde auch Hauge in Bodö geboren. Ein Sechstel des Sechs-Millionen-Euro-Etats fließt jedes Jahr in die Jugendabteilung des Klubs.

Der Deutsche

Für ein halbes Jahr spielte auch ein Deutscher für Bodö/Glimt. Sascha Mockenhaupt (29), der mittlerweile für Drittligist Wehen Wiesbaden aktiv ist, stand 2016 für die Norweger auf dem Platz, wurde nach dem Abstieg aber zu teuer. Dem Sohn seines damaligen Trainers Aasmund Björkan, mittlerweile Sportdirektor, gab Mockenhaupt damals Nachhilfe in Deutsch. 2013 spielte der Verteidiger mit der Reserve des 1. FC Kaiserslautern mal im Auestadion gegen den KSV Hessen Kassel (2:2).

Die Rekorde

Mit einem 2:1-Erfolg gegen Strömsgodset machte Bodö am Sonntag die Meisterschaft fünf Spieltage vor Saisonende perfekt. Und nimmt nun einige Rekorde in Angriff. Bei bislang 22 Siegen, 65 Punkten und 85 Toren sind drei Bestmarken in Sicht. (Maximilian Bülau)

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