Nagelsmann klagt an

Hopp-Beschimpfungen trüben Hoffenheimer Europacup-Freude

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Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann: "Einfach peinlich!" Foto: Uwe Anspach

Nach einem Treffer in der Nachspielzeit in Köln darf 1899 Hoffenheim kommende Saison im Europapokal starten. Doch nach dem 1:1 im Rheinland rückt das Sportliche erst mal in den Hintergrund.

Köln (dpa) - In die Freude über die erste Europapokal-Qualifikation der Vereinsgeschichte mischte sich bei Julian Nagelsmann auch reichlich Frust.

Die massiven Beleidigungen und Anfeindungen gegen Mäzen Dietmar Hopp animierten den Trainer von 1899 Hoffenheim nach dem Spiel beim 1. FC Köln zu einer generellen Gesellschaftskritik.

"Du fährst ins Stadion - und jeder zeigt dir den Mittelfinger. Die Leute müssen mal nachdenken, ob denen nicht allen der Helm brennt", befand Nagelsmann bestürzt. Die Gesellschaft lerne nicht aus Fehlern, beklagte er nach dem 1:1 gegen die Rheinländer in der Fußball-Bundesliga. "Wir machen uns immer Gedanken, und jeder ist bestürzt, dass irgendeiner einen Bus, aus welchen Gründen auch immer, in die Luft sprengt. Und zwei Tage später wird der HSV-Bus mit Farbbeuteln beschmissen", kommentierte Nagelsmann emotionsgeladen.

Hopp war von Kölner Anhängern am Freitagabend mit Schmährufen und Plakaten beleidigt worden, FC-Präsident Werner Spinner entschuldigte sich dafür nach dem Spiel. "Diese Beleidigungen sind inakzeptabel und sie spiegeln auch nicht die Werte wider, für die der 1. FC Köln steht", sagte Spinner. Nagelsmann kommentierte, die Beleidigungen seien "unterste Schublade". Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen sprach von einer "neuen Dimension des Hasses" und befand: "Es ist nicht zu fassen, was für Schwachköpfe da einen Hass säen."

Als Konsequenz aus den Vorfällen wird der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes am Montag wie in solchen Fällen üblich Ermittlungen aufnehmen. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hatte sich Hopp am Wochenende sogar direkt an die Führung der Deutschen Fußball Liga sowie DFB-Präsident Reinhard Grindel gewandt.

"Die DFL missbilligt Schmähgesänge gegen Herrn Hopp ebenso wie entsprechende Plakate auf das Schärfste", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der Zeitung. Es gebe aber "aus gutem Grunde beim DFB eine unabhängige Sportgerichtsbarkeit, die losgelöst von einer möglichen Einflussnahme der Vereine oder der Liga Ermittlungen führen und Strafen verhängen kann."

Schmähgesänge von gegnerischen Fans gibt es bei den Hoffenheimer Gastspielen ständig. Aber dass "ansatzweise rechte Plakate gehisst werden mit Vergleichen - sorry, aber da fehlt mir das Verständnis. Das ist einfach peinlich, schlichtweg peinlich. Und dumm, was wir Menschen aus dieser wunderschönen Welt machen", sagte Nagelsmann.

Der Kölner Stadionsprecher Michael Trippel musste die Ultras mehrfach auffordern, die Beleidigungen gegen Hopp zu unterlassen. Ein Großteil der Anhänger unter den 49 600 Zuschauern reagierte mit Pfiffen auf die Beleidigungen gegen Hopp. "Es war auch bemerkenswert, dass viele Kölner aufgestanden sind und gepfiffen haben", sagte Rosen.

Rein sportlich machten die Hoffenheimer durch das 1:1 zunächst einmal die Europa-League-Teilnahme klar. Platz drei musste die TSG jedoch trotz des späten Ausgleichstreffers von Kerem Demirbay in der Nachspielzeit erst einmal wieder an Borussia Dortmund abgeben. Der dritte Platz ist das eigentliche Ziel des Vereins, weil er die direkte Qualifikation für die Champions League bedeuten würde.

Hinterher machte Rosen mit Blick auf die erhoffte Königsklassen-Qualifikation klar: "Wir ziehen's wirklich durch." Er gab für die verbleibenden vier Bundesligaspiele gegen Frankfurt, bei Borussia Dortmund, in Bremen und zum Abschluss am 20. Mai gegen Augsburg die Richtung vor: "Wir werden alles daran setzen, die jetzigen 55 Punkte zu maximieren. Wir bleiben auf dem Gas!"

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