Zwischen Tragik und Komik

Müllers Aus und der normale HSV-Wahnsinn

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Nicolai Müller zog sich beim Jubeln einen Kreuzbandriss zu. Foto: Daniel Bockwoldt

Beim HSV war in den vergangenen Tagen mal wieder der Teufel los. Der Sieg über den FC Augsburg scheint vorerst für Beruhigung zu sorgen. Doch die nächste negative Nachricht folgt umgehend.

Hamburg (dpa) - Es ist wie verflixt: Nichts klappt beim Hamburger SV, selbst der Torjubel geht daneben.

Als Nicolai Müller nach dem frühen Siegtor zum 1:0 (1:0) über den FC Augsburg zum Jubel ansetzte, drei eingesprungene Pirouetten drehte und dabei die Eckfahne umwarf, verdrehte er sich so sehr das Knie, dass das vordere Kreuzband riss. Die Konsequenz: sieben Monate Pause.

"Was für ein Schock", twitterte der HSV. Denn Müller ist sein torgefährlichster Mann. In der Vorsaison gelangen dem Ex-Nationalspieler fünf Treffer und sieben Vorlagen. Der HSV wird auf den Ausfall wohl reagieren. "Wir werden uns zusammensetzen und überlegen, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Der Trainer muss sagen, was zu tun ist", kündigte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen im "Doppelpass" des TV-Senders Sport1 an.

Müllers grotesker Unfall und seine fatalen Folgen waren der passende Abschluss einer wieder mal turbulenten Woche beim HSV. Begonnen hatte es fünf Tage zuvor mit der peinlichen Pokalpleite beim sieglosen Drittligisten VfL Osnabrück (1:3). Verrückt wurde das Treiben, als HSV-Investor und Club-Aktionär Klaus-Michael Kühne zum Rundumschlag ausholte. Da wurde erst der Trainer abgewatscht, dann der Vorstand als Reisender "auf der falschen Chaussee" gerügt und schließlich Sportdirektor Jens Todt Unfähigkeit beim Verkauf gut verdienender Profis vorgeworfen. Zumindest, so Kühne, gebe Todt sich Mühe.

Die HSV-Verantwortlichen kochten, aber sie bissen sich auf die Zunge. Als der 80-jährige Kühne von seinem Anwesen auf Mallorca den HSV als Hort der "Luschen" sowie den Fünfjahresvertrag für Pierre-Michel Lasogga und dessen Gehalt als "Flop des Jahrhunderts" bezeichnete, platzte HSV-Chef Bruchhagen der Kragen. "Das ist nicht der Sprachgebrauch, den ich im Umgang miteinander erwarte. Ich kann es nicht akzeptieren, dass er in seiner Enttäuschung eine solche Diktion wählt", rüffelte er den Milliardär im TV-Sender Sky. Im Sport1-"Doppelpass" erklärte er dann einen Tag später, Kühne habe ihn "wissen lassen", dass dieser seine Aussagen im Nachhinein bedauere.

Umso erleichterter sind Trainer, Sportchef und Vorstand, dass die Profis mit dem Sieg über Augsburg zu einer Beruhigung der aufgeheizten Atmosphäre beitrugen - da war die erschütternde Diagnose für Müller aber noch nicht bekannt. "Die ganzen negativen Sachen haben wir nicht an uns rangelassen. Wir wollten einen positiven Trend setzen", berichtete Dennis Diekmeier. Spieltechnisch lief erschreckend wenig, aber immerhin wurde gekämpft. "Uns war klar, dass wir nicht den attraktivsten Fußball spielen werden. Dafür waren die letzten Wochen zu unruhig", meinte Aaron Hunt.

Anlässe für mediales Dauerfeuer bietet der Verein regelmäßig - siehe vergangene Woche. Da ist es erstaunlich, wie abgebrüht sich Zugang Rick van Drongelen trotz aller Unruhe bei seiner HSV-Premiere gegen Augsburg präsentierte. Der 18-jährige Niederländer ist eigentlich Innenverteidiger, musste aber als Linksverteidiger für den zum Verkauf stehenden Douglas Santos ran. "Das hat er richtig gut gemacht", lobte Todt den Neuen. Als neue Linker zeichnet sich die Verpflichtung des Noch-Augsburgers Konstantinos Stafylidis ab.

Gisdol will die Aufregung der vergangenen Tage nicht überbewerten. "Wir sind im großen Showgeschäft und können das richtig einordnen", meinte der Coach. Dem 48 Jahre alten Fußballlehrer gehen die permanenten Nebengeräusche furchtbar auf die Nerven, er versucht sie aber wegzulächeln. Auch will er Kühne nicht verärgern. Schließlich soll der ihm weiterhin den einen oder anderen Transfer ermöglichen. Und so freute sich Gisdol auf sein Sieger-Bier am Abend. Schließlich hat seine Truppe geschafft, was ihr letztmals vor sieben Jahren gelungen war: ein Sieg zum Saisonstart. Und drei Punkte auf dem Konto hatte der HSV im Vorjahr erst nach elf Partien.

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