Interview

Marvin Friedrich hat mit Union Berlin noch einiges vor

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Neue Schuhe für die 1. Liga: Seit zweieinhalb Jahren lässt Fußball-Profi Marvin Friedrich (rechts) seine Schuhe bei My Vale und Markus Schott in Homberg anpassen, weil seine Beine unterschiedlich lang sind und deshalb sogar seine Karriere zu enden drohte. 

Marvin Friedrich hat es geschafft: Der 23-Jährige aus Guxhagen ist mit Union Berlin in die 1. Fußball-Bundesliga aufgestiegen.

Als Leistungsträger und Führungsspieler, der in allen Punktspielen jede Sekunde auf dem Platz stand. Im entscheidenden Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart war er sogar Kapitän.

Hand aufs Herz: Was hätten Sie geantwortet, wenn Ihnen jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass Ihr ehemaliger Jugendverein Paderborn und Sie mit Union aufsteigen und der HSV in die Röhre guckt?

Das hätte ich nicht geglaubt. Aber so ist Fußball. Gerade der Heimsieg gegen den HSV war ein Meilenstein und die Relegation gegen Stuttgart das I-Tüpfelchen auf eine herausragende Serie.

Woran Sie mit dem 2:2 in Stuttgart entscheidenden Anteil hatten ...

Unser Co-Trainer hat schon gewitzelt, dass ich langsam mal treffen muss. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur in den wichtigen Spielen treffe. Einen besseren Zeitpunkt für mein einziges Saisontor konnte es nicht geben.

Was war ausschlaggebend für den ersten Aufstieg von Union in die 1. Liga?

Es war ein Prozess, dass es uns gelang, die komplette Hinrunde ungeschlagen zu bleiben. Auch wenn wir viele Unentschieden hatten. Wir wussten, wie ausgeglichen die Liga ist und haben uns gesagt, wenn wir bis sechs, sieben Spiele vor Schluss dranbleiben, ist alles möglich.

Welchen Anteil daran hatte Trainer Urs Fischer?

Einen riesengroßen. Seine klaren Ansagen und seine Ruhe helfen enorm. Selbst wenn wir mal nicht gewinnen, bleibt er entspannt und sorgt für neuen Mut.

Union stellte mit Abstand die beste Abwehr der Liga. Der Erfolg bedingt, dass sich Ihr Marktwert enorm gesteigert hat und sie in verschiedenen Bestenlisten ganz vorn liegen. Was macht das mit Ihnen?

Ehrlich gesagt nicht viel. Ich nehme das zur Kenntnis. Mehr nicht. Ich weiß, wie schnell es im Fußball nach oben und auch nach unten gehen kann. Die Zeit in Augsburg war mir da eine Lehre.

Obwohl Augsburg die Rückkauf-Option gezogen hat, haben Sie sofort im Kicker-Interview betont, dass Sie definitiv in Berlin bleiben wollen. Warum?

Weil von Anfang an zu 100 Prozent auf mich gebaut wurde. Ich hatte anderthalb Jahre keine Spielpraxis bei den Profis. Dennoch wurde an mich geglaubt. Ich bin stolz, dass ich das zurückgeben konnte. Ich fühle mich pudelwohl. Gerade die Fans an der Alten Försterei sind einmalig. Das Paket passt einfach. Hoffentlich darf ich den Weg in die 1. Liga mitgehen.

Der Durchbruch im Profibereich ist Ihnen jetzt bei Ihrer dritten Station gelungen. Warum hat es auf Schalke und in Augsburg noch nicht ganz gereicht?

Auf Schalke war ich noch sehr jung. Da war es schon gut, dass ich überhaupt reinschnuppern konnte. Dann kam der Transfer zum FC Augsburg, um mehr Spielpraxis zu bekommen. Leider hat es in Augsburg von Anfang an nicht gepasst. Auch durch meine Verletzung. Bei manchen klappt es sofort, andere wie ich brauchen länger.

Sie stammen aus einer besonders sportlichen und talentierten Familie. Wie sehr war es geplant, Profi zu werden?

Lange hatte ich ehrlich gesagt keinen Gedanken daran, Profi zu werden. Erst als Jörg Müller meinen Bruder Steffen und mich nach Paderborn holte, hat sich das entwickelt. Und als ich dann zu Schalke in die U 17 kam, habe ich alles gegeben.

Auch ihre Schwester Melissa spielt erstklassig und hat mit Leverkusen die 1. Liga gehalten. Wie verfolgen Sie Frauenfußball?

Ich schaue mir Melissas Spiele sehr gern an. Ansonsten interessiert mich das eher weniger.

Da Sie nun ein Aufstiegsexperte sind: Was raten Sie Hessen Kassel?

Einen Tipp direkt habe ich leider nicht. Aber ich drücke die Daumen, weil der KSV mindestens in die Regionalliga gehört, und das ist für die Region auch wichtig. Jörg Müller als neuer Sportlicher Leiter wird sicher etwas in Kassel bewegen.

Hintergrund

Die Fußballer-Karriere von Marvin Friedrich drohte zu enden, ehe sie richtig begann. Vor drei Jahren plagten ihn in Augsburg Schmerzen im Adduktorenbereich. Physiotherapien und mehrere Ärzte konnten nicht helfen, stellten lediglich fest, dass Friedrichs linkes Bein zwei Zentimeter länger als das rechte ist. Muskuläre Probleme wurden vermutet. Die Folge: Ein halbes Jahr Pause nebst Frust. Eine OP galt es zu vermeiden. 

Für Abhilfe sorgte Markus Schott von MyVale aus Homberg. Der Orthopädie-Schuhtechnikermeister analysierte Friedrichs Laufbewegungen, um den Schuh quasi mit einer Extra-Sohle innen liegend auszustatten. Wichtig ist dabei ein flexibles Material mit Abrollfunktion. Die Modelle zuvor waren zu steif und hinterließen Irritationen. Jede Sommer- und Winterpause nutzt Marvin Friedrich nun, um seine Schuhe von Schott anpassen zu lassen

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