Tischfußball-EM der HNA

Interview mit Kasseler Kicker-Profi Jan Majewski: „Gedreht werden darf nicht“

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Zwei Profis am Tisch: Carsten Römer (links) und Jan Majewski vom Tischfußballclub’09 Kassel. 

Kassel – Morgen beginnt die erste Tischfußball-EM in Nordhessen und Südniedersachsen – entwickelt und ausgetragen von unserer Zeitung.

Kassel –Morgen beginnt die erste Tischfußball-EM in Nordhessen und Südniedersachsen – entwickelt und ausgetragen von unserer Zeitung. Wir haben vorab mit einem Experten gesprochen. Jan Majewski spielt für den Tischfußballclub ‘09 Kassel, dessen erste Mannschaft in Deutschlands dritthöchster Spielklasse aktiv ist.

Herr Majewski, wie viel Geld verdienen Sie mit kickern in der Kneipe?

Ich habe schon in der Kneipe gekickert, bevor ich im Verein war. Da habe ich dann mal um Getränke gespielt. Seitdem ich im Verein bin, spiele ich in Kneipen nicht mehr um Getränke. Das finde ich unfair. Da geht es um Spaß. Der einzige Vorteil, den ich habe, ist, dass ich einmal 50 Cent hinlege und dann nicht mehr freiwillig den Tisch verlassen muss.

Gibt es eigentlich auch eine Tischfußball-EM unter Profis?

Eine EM nicht, aber es gibt Weltmeisterschaften. Die letzte hat 2019 in Spanien stattgefunden. Da gibt es einen Mannschaftswettbewerb unter den Ländern, aber auch einen Einzel- und Doppelwettkampf.

Welche Nationen sind derzeit am besten?

Deutschland gehört dazu. Die Bundesliga wird mit als die stärkste Liga der Welt angesehen. Durch die Vereinsstruktur in Deutschland ist es deutlich einfacher, den Sport umzusetzen und auszutragen. Ansonsten sind Frankreich, Luxemburg und die USA sehr gut. Jedes Land hat einen eigenen Tisch von einem eigenen Hersteller. Das ist sozusagen der Heimvorteil.

Wie sehr beeinflusst die Corona-Pandemie den Tischfußball-Sport?

Sehr. Wir haben in Kassel einen sehr kleinen Trainingsraum. Der Spielbetrieb ist komplett unterbrochen. Training zu zweit ist zwar grundsätzlich möglich. Ich selbst habe aber seit drei Monaten nicht mehr trainiert.

Worauf kommt es beim Kickern an?

Auf dem niedrigeren Niveau wird alles über die Technik entschieden. Das heißt: Wir gut kann man den Ball kontrollieren? Wie gut kann man mit den Figuren umgehen? Es gibt verschiedene Schusssysteme, die sich etabliert haben – wie gut und sauber kann man die ausführen? Das trennt am Anfang die Spreu vom Weizen. Auf höherem Niveau geht es mehr um den Wettkampf mit dem Gegenüber. Da muss man wissen: Was sind seine Stärken, was hat er vor? Und dann versucht man, das im Vorhinein zu verteidigen. Das ist dann extrem viel Psychologie. Der Deutsche Tischfußballbund (DTFB) bezeichnet den Sport deswegen auch als Hochgeschwindigkeits-Schach.

Wie lange dauert es, bis man ein gewisses Niveau erreicht hat?

Um ein gutes Techniklevel zu erreichen, reicht ein halbes Jahr, in dem man regelmäßig trainieren muss. Also mindestens zwei oder drei Mal die Woche. Um ganz oben mitspielen zu können, dauert es aber mindestens drei Jahre.

Und dann geht es auch um Talent?

Ich glaube, viel wichtiger ist, wie regelmäßig man trainiert und was man für eine Einstellung zum Training hat. Viele wollen nur etwas trainieren, das cool aussieht und machen das nur oberflächlich. Andere setzen sich sehr genau damit auseinander und schauen sich jede Bewegung im Detail an. Wenn man sehr bewusst trainiert, kann man in kürzerer Zeit deutlich besser werden. Also wie man trainiert ist entscheidender als Talent oder Vorwissen.

Gibt es ein Regelgerüst, an das man sich halten kann? Darf gedreht werden?

Nein gedreht werden darf natürlich nicht. Es gibt ein internationales Regelwerk. Es gibt aber auch Grundregeln für Hobbyspieler. Das Anstoßrecht besagt, dass der erste Ball ausgelost wird, also Entscheidung per Münzwurf, und alle weiteren Anstöße ergeben sich daraus, wer das letzte Tor erzielt hat. Wer es kassiert hat, bekommt den Ball. Man darf den Gegner nicht ablenken und reinquatschen. Bei den Profis gibt es auch Schiedsrichter. Sollte der Ball das Spielfeld verlassen, dann geht es darum, wer der aktive Spieler war. Wenn ich eine verteidigende Figur anschieße und der Ball fliegt raus, dann bekommt der verteidigende Spieler den Ball.

Haben Sie einen Tipp fürs Einzel? Eine Hand immer am Torhüter?

Bei spielerischen Sachen gibt es meistens keine richtige oder falsche Antwort. Aber tendenziell lohnt es sich. Wir legen oft eine Hand auf beide Stangen. Also den Daumen auf die Verteidigerstange und zwei oder drei Finger auf die Torwartstange, sodass wir beide Stangen parallel bewegen können. Aber wenn wir den Ball vorn haben, dann spielen wir auch nur auf den vorderen Stangen.

Wie ist der Modus?

Standardmodus ist ein Best-of-Three, also zwei Gewinnsätze. Jeder Satz geht bis fünf Tore. Im Entscheidungssatz braucht man zwei Tore Vorsprung – bis maximal acht.

Mit Augenzwinkern: Was bringt Thorsten Bauer die Kopfballstärke am Kicker?

Kopfbälle sind sehr schwierig. Eigentlich sind sie sogar verboten. Manche machen sie als Showeffekt bei Spaßturnieren. Aber ich denke, sie bringt ihm eher nichts.

Wir haben mit Iljo Duketis einen Handballer dabei. Hat der einen Vorteil?

Wahrscheinlich ist die Hand-Augen-Koordination bei Handballern besser als bei Fußballern. Einen kleinen Vorteil kann er schon haben.

Adrian Bravo Sanchez ist auf dem Platz sehr ausdauernd. Was bringt ihm das am Kickertisch?

Finalspiele werden teilweise auch im Best-of-Five-Modus gespielt und können mehr als eine Stunde dauern. Da braucht man Konzentrations-Ausdauer. Wenn Spiele länger dauern, hat man einen Vorteil, wenn man körperlich fit ist.

Zur Person: 

Jan Majewski (27) wohnt in Kassel und spielt professionell Tischfußball. Beim Tischfußballclub ‘09 Kassel ist er Vorstandsmitglied und seit viereinhalb Jahren aktiv. Majewski ist ledig, hat keine Kinder und studiert.

Die Regeln: 

So wird bei der EM gespielt

Am Kickertisch hat fast jeder seine eigenen Regeln. Es gibt zwar ein internationales Regelwerk, weil die Tischfußball-EM unserer Zeitung aber nicht ganz so professionell sein soll, haben wir uns ein kleineres Regelgerüst zusammengesucht, das sich an die Grundsätze der Profis hält.

Der Modus: Gespielt wird zunächst im Best-of-Three, für einen Sieg benötigt ein Spieler also zwei gewonnenen Duelle. Die Partien gehen jeweils bis fünf Tore, in einem Entscheidungsspiel sind zwei Tore Vorsprung notwendig bis maximal acht.

Der Anstoß: Der erste Anstoß wird ausgelost, anschließend bekommt immer derjenige Spieler den Ball, der einen Treffer kassiert hat.

Drehen: Nicht erlaubt.

Ablenkung: Nicht erlaubt.

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