Wolfsburg in der Krise

Ismael vor Bayern-Spiel: „Die Messlatte ist unten“

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Valerien Ismael.

Wolfsburg - Weltmeister Julian Draxler will nur noch weg, Wolfsburg spielt bisher die schlechteste Bundesliga-Saison seiner Geschichte - und jetzt warten auch noch die Bayern.

Weltmeister Julian Draxler vor dem Absprung, der Trainerstuhl von Valerien Ismael wackelt schon wieder bedenklich, und auch Geschäftsführer Klaus Allofs ist längst nicht mehr unumstritten: Der Krisen-Klub VfL Wolfsburg kommt einfach nicht zur Ruhe - und jetzt wartet ausgerechnet auch noch Bayern München auf die lahmenden Wölfe.

"Das ist das schwierigste Auswärtsspiel der Saison", sagte Ismael vor der Partie bei seinem Ex-Klub (Samstag, 15.30 Uhr/Sky). Der 41-Jährige hofft trotzdem auf einen Coup: "Keiner erwartet etwas von uns. Die Messlatte ist unten. Das kann auch ein Vorteil sein. Wir wollen aber alles versuchen und mutig sein. Es muss alles passen."

Vor nicht allzu langer Zeit galt Wolfsburg noch als ernsthafter Bayern-Konkurrent. Doch das ist vorbei: Die Niedersachsen spielen bisher die schlechteste Bundesliga-Saison ihrer Vereinsgeschichte - nur zwei Siege nach 13 Spieltagen sind Negativrekord.

Auch abseits des Platzes gibt der Pokalsieger von 2015 ein kümmerliches Bild ab. Im Fokus steht dabei weiter Draxler. Der Nationalspieler ist mittlerweile Feindbild Nummer eins der Fans und hat seinen Wechselwunsch zuletzt noch einmal untermauert. Der FC Arsenal, Paris St. Germain und Juventus Turin sollen an dem 23-Jährigen interessiert sein, der vom eigenen Anhang vergangene Woche gnadenlos ausgepfiffen wurde.

"Was das mit einem als Menschen macht, das brauche ich wohl keinem zu erzählen", sagte Draxler, der von Ismael unlängst zum Vier-Augen-Gespräch gebeten wurde. Gut möglich, dass der mit 35 Millionen Euro teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte bis zur Winterpause nicht mehr zum Einsatz kommt. Ob Draxler gegen Bayern spielt, ließ Ismael demonstrativ offen. "Ich habe meine Entscheidung noch nicht gefallen und konzentriere mich auf die Mannschaft - nicht auf einzelne Spieler", sagte er.

Kontakt zu Bruno Labbadia

"Ich glaube, dass der Verein und die Umgebung hier zurzeit größere Probleme haben als meine Person", meinte Draxler und dürfte damit sogar recht haben. Tausende VW-Arbeiter bangen im Zuge des Dieselskandals um ihren Job, und der VfL steht als Tabellen-15. am Abgrund zur 2. Liga. Unter Ismael, der von 2005 bis 2008 bei den Bayern spielte, ist kein Aufwärtstrend erkennen (vier Punkte aus sechs Partien). Sein Vorgänger Dieter Hecking holte sechs Zähler aus sieben Spielen, und so sondiert Allofs im Hintergrund offenbar schon wieder den Trainermarkt.

Nach einem Bericht der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung hält Wolfsburg weiterhin Kontakt zum früheren Hamburger Coach Bruno Labbadia, dem Portugiesen Paulo Sousa sowie zu dem Deutsch-Amerikaner David Wagner, derzeit als Teammanager beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town unter Vertrag. Doch auch Allofs gerät zunehmend in die Kritik. Angeblich wird am Mittellandkanal schon Horst Heldt (zuletzt Schalke 04) als möglicher Nachfolger gehandelt.

Die Vorweihnachtszeit ist in Wolfsburg also alles andere als besinnlich. Bis zur Winterpause steht zudem noch ein hammerhartes Programm an: Nach dem Spiel in München geht es noch gegen das Überraschungsteam Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. Doch Ismael gibt sich kämpferisch: "Wir werden aus dieser Situation herauskommen, auch wenn es derzeit schlecht aussieht."

sid

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