Vor 20 Jahren: Innerhalb einer Woche gewinnen Schalke und Dortmund den Uefa-Cup und die Champions League

Als der Fußball im Ruhrpott thronte

Da ist das Ding, Teil 1: Schalkes Olaf Thon hebt in Mailand den Uefa-Pokal in den Himmel. Foto: dpa

Kassel. Das Ruhrgebiet hat seine Hymnen. Lieder, mit denen die Menschen zwischen Dortmund und Essen sich identifizieren. Herbert Grönemeyer hat eine dieser Hymnen geschrieben.

In „Bochum“ heißt es:

Tief im Westen

Wo die Sonne verstaubt,

ist es besser

viel besser, als man glaubt

1997 bekommen dieses Zeilen eine neue Bedeutung. Es ist Mai. Die Sonne scheint nicht immer. Aber der Westen ist in der Tat viel besser, als man glaubt. 1997 ist das Jahr, in dem der Fußball urplötzlich im Ruhrpott thront. Innerhalb einer Woche bringt erst Schalke 04 den Uefa-Cup nach Hause, dann gewinnt Borussia Dortmund die Champions League.

21. Mai 1997, Mailand: Der Triumph der Eurofighter 

„Datt erzähl ich meine Enkel.“ Dieses Plakat im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion sagt viel darüber, wie Schalke-Fans den Triumphzug ihrer Eurofighter erlebten. Das Motto: Kneif mich, ich träume. Das Staunen über sich selbst wuchs von Runde zu Runde. Und mündete in einem Freudentaumel, wie ihn die chronisch scheiternden Gelsenkirchener selten erleben. Es herrschte Ausnahmezustand rund um das Parkstadion, in dem sich auch am Abend des Spiels in Italien 50 000 Fans versammelt hatten und die Übertragung auf der Leinwand verfolgten.

1:0 hatten die Blau-Weißen das Hinspiel gewonnen. Durch ein Tor ihres „Kampfschweins“ Marc Wilmots. Dessen Spitzname war Programm. Schalke, das war vor allem eine Truppe von Kämpfern. Schalke war Ruhrpott pur. Ackern, malochen, zusammenstehen. Schalke war Yves Eigenrauch und Ingo Anderbrügge. Schalke war Jiri Nemec, der Schweiger. Und natürlich Olaf Thon. Trainer Huub Stevens, erst während der Saison verpflichtet, hatte ein extrem homogenes Team geformt.

Ihm gegenüber stand Inters Starensemble. Die Gastgeber benötigten bis zur 85, Minute, ehe Zamorano der Ausgleich gelang. Schalke rettete sich ins Elfmeterschießen. Und wieder war es Wilmots, der den entscheidenden Strafstoß verwandelte. Das Lied der Eurofighter singen sie auf Schalke noch heute: „ Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon, wir schlugen Brügge sowieso. Und Valencia, Teneriffa, Inter Mailand, das war ´ne Show.“

28. Mai 1997, München: Die Helden im Zweckverband 

Da ist das Ding, Teil 2: Dortmunds Lars Ricken jubelt in München mit dem Champions-League-Pokal. Foto: dpa

Schalkes Sieg war eine Sensation, was eine Woche später im Olympiastadion von München folgte zumindest eine riesige Überraschung. Denn der Jahrgang von Borussia Dortmund war zwar gespickt mit Stars wie Matthias Sammer und Andi Möller, wie Stéphane Chapuisat und Karlheinz Riedle. Doch die Mannschaft galt als Zweckverband, der nicht an einem Strang zieht. Und als Außenseiter gegen dieses große Juve um Zinedine Zidane. Auf dem Weg ins Stadion strahlten die Turiner Fans größtmögliche Siegesgewissheit aus. Und wurden dann wie ihre Mannschaft kalt erwischt. Nach 34 Minuten führte die Borussia mit 2:0. Riedle hatte beide Treffer erzielt.

Auf den Tribünen dominierten nur noch die BVB-Anhänger, die in Jürgen Kohler ihren „Fußballgott“ feierten. Der Innenverteidiger hatte beim Halbfinal-Rückspiel bei Manchester United (1:0) eines der größten Spiele seiner Laufbahn geliefert, war auch im Finale der Turm in der Schlacht,

Turin startete einen Sturmlauf, kam durch Alessandro del Piero (64.) zum Anschlusstreffer. Der Ausgleich schien eine Frage der Zeit, dann gelang Trainerfuchs Ottmar Hitzfeld der nächste Schachzug. Er brachte in der 71. Minute Lars Ricken. Fünf Sekunden später stand es 3:1. Der 30-Jährige traf mit einer grandiosen Bogenlampe aus 30 Metern. Lodz, Steaua Bukarest, Atletico Madrid, Auxerre, Manchester – das waren die Stationen bis zu diesem Moment. Nun waren nur noch Minuten zu überstehen, dann war der Wahnsinn perfekt. Dortmunds Zweckverband gewann die Champions League und sicherte einer Borussia am Scheideweg die erfolgreiche Zukunft.

Schalker und Dortmunder werden nie Freunde werden. In diesem Jahr aber waren sie im Pott vereint als Herrscher des Fußballs. Und Schlagersänger Wolfgang Petry lieferte ihnen eine weitere Hymne:

„Wir sind das Ruhrgebiet!“

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