Klinsmann neuer Hertha-Trainer

Klinsmanns in Berlin - sein zweiter Anlauf als Trainer in der Bundesliga

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Zurück als Trainer in der Fußball-Bundesliga: Jürgen Klinsmann übernimmt für Ante Covic bei Hertha BSC.

Jürgen Klinsmann kehrt als Trainer in die Bundesliga zurück. Der Ex-Bundestrainer soll Hertha BSC vor dem Absturz retten. Skepsis ist angebracht.

Die Agenturen hatten schnell eine griffige Aussage zur Hand: Paukenschlag. So titelten die meisten Sportdienste, als am Mittwoch durchsickerte, dass Jürgen Klinsmann den glücklosen Ante Covic als Trainer von Hertha BSC ablöst. Eine Überraschung ist die Verpflichtung allemal. Nun soll der ehemalige Bundestrainer den Fußball-Bundesligisten vor dem freien Fall retten.

Weniger überraschend ist allerdings, dass Manager Michael Preetz nach dem Absturz des Hauptstadtklubs auf den 15. Tabellenplatz die sprichwörtliche Reißleine ziehen würde. Damit verlassen die Herthaner den eingeschlagenen Berliner Weg – nach Urgestein Pal Dardai schenkten die Verantwortlichem dem langjährigen Jugendtrainer Covic das Vertrauen. Wie so oft in der Vergangenheit soll es nun einer mit großem Namen richten.

Als vollkommen Fremder tritt Klinsmann nicht in der Hauptstadt an: Er ist Vereinsmitglied und wurde durch Vater Siegfried, ein Fan der Alten Dame, für Hertha emotionalisiert. Sein Sohn Jonathan spielte als Torwart für den Klub. Außerdem wurde der 55-Jährige vor Kurzem in den Aufsichtsrat berufen. Dennoch gibt es berechtigte Zweifel, ob der Welt- und Europameister der Aufgabe tatsächlich gewachsen ist.

Für den ehemaligen Stürmer ist es erst der zweite Anlauf als Vereinstrainer. Mit seiner Buddha-Offensive an der Säbener Straße beim FC Bayern war er vor gut zehn Jahren grandios gescheitert. Zwar ticken die Uhren in München ein klein wenig anders als an anderen Bundesliga-Standorten, der mediale Druck in der Hauptstadt ist aber vergleichbar.

Zumal Klinsmann dann funktioniert, wenn er wenig Gegenwind bekommt. Wenn er nicht infrage gestellt wird. Solche Bedingungen fand er 2004 vor, als er alles rund um das am Boden liegende Nationalteam umkrempeln durfte. Mit seinen Neuerungen schrieb Klinsmann wichtige Zeilen fürs Sommermärchen. Als Chef der US-Mannschaft ließen ihm die Verantwortlichen ebenfalls freie Hand – und auch das führte in den ersten Jahren zu Erfolg.

Schon als Spieler tickte er ähnlich. Bei Tottenham beispielsweise ließ sich Klinsmann eine Stammplatzgarantie in den Vertrag schreiben. Und wenn ihm einer nicht den erwarteten Respekt entgegenbrachte, musste halt eine unschuldige Werbetonne den Frust ausbaden. Kurzum: Klinsmann benötigt ein Wohlfühl-Klima.

Insofern geht die Hertha ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Emotional wird der neue Coach die Mannschaft sicher antreiben können. Fähigkeiten eines strategisch und taktisch handelnden Vereinstrainers hat er aber bislang nicht unter Beweis gestellt. Gleichwohl hat Klinsmann einen mächtigen Fürsprecher: Großinvestor Lars Windhorst, der den Verein offenbar schneller als geplant in Europa etablieren möchte. Nur: Wie lange hält der Geldgeber an seinem Zögling fest, falls der Erfolg ausbleiben sollte? Klinsmanns Verpflichtung sorgt auf jeden Fall für Leben und Gesprächsstoff in der Bundesliga.

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