Interview über den Finaltorschützen und eine Erwähnung vor 36 Mio. Zuschauern

Jugendtrainer über Götzes Siegtreffer: „Solche Tore hat er öfter erzielt“

Der Augenblick: Mario Götze hat den entscheidenden Torschuss im WM-Finale abgegeben. Der Ball passiert Sergio Romero und geht ins Tor. Foto: dpa

Kassel/Hamm. Als Mario Götze das entscheidende Tor im WM-Finale schoss, wurde Volker Pröpper plötzlich bekannt – weil ihn Fernsehkommentator Tom Bartels in diesem Moment erwähnte.

Pröpper spricht im Interview aber nicht nur über diesen Augenblick, sondern auch über Siegtorschütze Götze. Schließlich war er sein Jugendtrainer.

Herr Pröpper, schauen Sie sich das Tor Mario Götzes vom 13. Juli eigentlich immer noch mal an? 

Pröpper: Nein, das muss ich mir nicht immer wieder anschauen. Ich habe das verinnerlicht und abgespeichert.

Den Wortlaut von Kommentator Tom Bartels nach dem Tor haben Sie noch im Kopf? 

Pröpper: Der ist noch präsent, ja. Bartels sagte: „Und diese Technik, die er gelernt hat bei Borussia Dortmund – bei Volker Pröpper in der Jugend.“

Bingo. Was war denn für Sie unglaublicher an diesem Abend: Götzes Traumtor oder der Kommentar von Tom Bartels? 

Pröpper: Das Letztere. Dass Tom Bartels mich erwähnt, habe ich erst glauben können, als ich die ganzen Kurznachrichten von Freunden Sekunden danach erhalten habe. Zunächst hatte ich ja gedacht, ich träume. Ich habe zu meiner Frau gesagt, die in der Küche beschäftigt war, weil sie sich ablenken musste: Hast du das gehört? Hast du das gehört?

Wissen Sie, wie Tom Bartels auf Sie gekommen ist? 

Pröpper: Ich vermute, dass Mario im Vorfeld Tom Bartels ein Interview gegeben hat und er da erwähnt hat, dass ich ein Jugendtrainer von ihm gewesen bin. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Ich habe Tom Bartels zumindest noch nie getroffen. Bis vor Kurzem wusste ich noch nicht einmal, wie er aussieht.

Was würden Sie ihm sagen, wenn Sie ihn sehen? 

Pröpper: Das hast du gut gemacht, Tom.

Hat sich für Sie seitdem etwas geändert? 

Pröpper: Ich werde schon oft darauf angesprochen. Schließlich haben 36 Millionen Menschen das Finale gesehen und meinen Namen gehört. Vor Kurzem hatte ich einen Auftritt bei der Kinderlachen-Gala in Dortmund. Da wurde der Ausschnitt gezeigt, in dem mein Name genannt wurde. Ich durfte den Original-Spielball auf die Bühne tragen, der für einen guten Zweck versteigert wurde. Und in Hamm bin ich bei der Sportlerwahl für das beste Jugendkonzept nominiert worden, das ich entwickelt habe.

Götze haben Sie von 2005 bis 2007 in der Jugend von Borussia Dortmund trainiert. Er war am Anfang zwölf Jahre alt. War damals schon absehbar, dass er ein großer Spieler werden kann? 

Pröpper: Als er zwölf war, hatte er schon sehr, sehr viel Begabung, sehr viel Ballgefühl: das also, was die Situation zum 1:0 gegen Argentinien ausgemacht hat. Solche Tore hat er öfter erzielt – also Tore, die schwierig sind: mit Brustannahme, Drehung und Schuss. Das sind Tore allerhöchster Perfektion.

Haben Sie das Tor kommen sehen? 

Pröpper: Als André Schürrle auf dem linken Flügel antrat, habe ich schon gedacht: Wenn der Ball von ihm gut ins Zentrum auf Mario kommt, dann könnte es was werden. Und der Ball kam recht gut.

Und dann hat Götze die Technik angewendet, die Sie ihm beigebracht haben? 

Pröpper: Unter anderem. Ich will mir jetzt nicht anmaßen, dass ich derjenige bin, ohne den das Tor nicht zustandegekommen wäre. Aber wir haben sicher im Bereich des Verwertens von Flanken viel gearbeitet.

Was war Götze für ein Typ, als er bei Ihnen trainiert hat? 

Volker Pröpper

Pröpper: Mario war eher ein zurückhaltender Typ, mit dem man viel Spaß haben konnte und der sehr viel aufgenommen hat. Ich habe ihm immer wieder gesagt, was er verbessern muss: Das war vor allem das Defensivverhalten. Da hat Mario lange gebraucht, bis er das verinnerlicht hat. Aber er war ehrgeizig genug, es zu lernen. Später rettete er dann hinten auf der Linie und schoss vorne das entscheidende Tor. Aber dass er eines Tages so durch die Decke stoßen würde, konnte man nur vermuten.

Stimmt es, dass er nie Spielführer sein wollte? 

Pröpper: Das ist richtig. Ich wollte ihm die Spielführerbinde geben, aber er wollte das nicht. Er wollte nicht so im Mittelpunkt stehen. Sein Motto war eher: Lass mal die anderen machen. Er wollte auch nie den entscheidenden Elfmeter schießen. Das war nicht so sein Ding.

Ist er heute noch derselbe Typ? 

Pröpper: Er ist authentisch geblieben, wobei ich ihn heute kaum noch sehe. Ich habe ihm Glückwünsche über seinen Vater ausrichten lassen, zu dem ich heute noch ein freundschaftliches Verhältnis habe.

Was ist von Mario Götze noch zu erwarten? 

Pröpper: Er hatte ja vor der Weltmeisterschaft kein einfaches erstes Jahr bei den Bayern hinter sich. Mit dem Tor im Finale hat er sich viel Selbstbewusstsein zurückgeholt. Das erste Halbjahr dieser Saison bestätigt das. Ich traue ihm noch mehr zu. Er könnte in die Kategorie Messi und Ronaldo stoßen.

Haben Sie ihm mittlerweile verziehen, dass er zu den Bayern gewechselt ist? 

Pröpper: Auf jeden Fall, auch wenn sein Wechsel damals ein Stoß in mein Borussen-Herz war.

Volker Pröpper (51) kommt aus Hamm. Er ist gelernter Bergbaumechaniker. Seit 1991 ist er im Jugendbereich von Borussia Dortmund tätig, seit 2000 hauptberuflich. Vor zwei Jahren wurde der Inhaber der höchsten europäischen Trainerlizenz Chefscout im Nachwuchsbereich. Neben Götze trainierte er Marco Reus und Nuri Sahin. Pröpper ist verheiratet, hat zwei Kinder.

Von Florian Hagemann

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