Interview mit dem Trainer von Borussia Mönchengladbach

Kasseler André Schubert: Vorfreude auf die Champions League

Im Kreis der Profis: Interimstrainer André Schubert während einer Übungseinheit bei Borussia Mönchengladbach . Foto: dpa

Kassel. Mehr Traumstart geht nicht. Am vergangenen Montag hat André Schubert das Traineramt beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach übernommen. Als Interimslösung.

Er habe nicht „Nein“ sagen können, weil Sportdirektor Max Eberl Geburtstag gehabt hätte, erklärte Schubert. Es folgten die beiden ersten Saisonsiege gegen Augsburg (4:2) und in Stuttgart (3:1). Heute geht es in der Champions League weiter gegen Manchester City. Wir sprachen mit dem 44-jährigen Kasseler.

Herr Schubert, wie lebt es sich derzeit auf Wolke sieben? 

Champions League: 20.45 Uhr, Sky

Schubert: Wolke 7 ist in dem Zusammenhang ein komischer Ausdruck. Das ist ja kein Lottogewinn. Ich bin als Angestellter des Vereins eingesprungen in einer krisenbehafteten Situation. Das macht eine Menge Arbeit, die ich nicht scheue. Es ist ein großer Vertrauenbeweis des Vereins, aber auch eine große Herausforderung. Deshalb würde ich sagen: Wichtiger als Glückwünsche ist derzeit, dass man mir viel Glück wünscht.

Der Start mit zwei Siegen, der war aber durchaus traumhaft, oder? 

Schubert: Ja, für uns als Gruppe ist das schon ein Traum. Als Cheftrainer stehe ich im Vordergrund, aber natürlich haben ganz viele Menschen mitgearbeitet, vor allem die Spieler. Diese Siege haben sie sich verdient.

Bleiben wir noch kurz beim Träumen. Jetzt geht es in der Champions League gegen Man City. Das ist aber ein Traum für jeden Fußball-Lehrer, oder? 

Schubert: Also ich träume nachts nicht davon. Aber es ist eine große Ehre, sich auf dieser Bühne bewegen zu dürfen. Die Mannschaft hat sich das unter Lucien Favre letzte Saison erarbeitet. Und nun darf ich plötzlich die Mannschaft beim ersten Champions-League-Heimspiel betreuen. Ich freue mich sehr darauf.

Können Sie selbst diese rasante Entwicklung fassen? Vorgestern Jugendnationalmannschaft U 15, gestern Regionalliga, heute Champions League? 

Schubert: Ich habe das ja ähnlich schon erlebt, wenn auch etwas kleiner in Paderborn. Damals war die Situation aber existenzbedrohend, weil der Zweitliga-Aufstieg auf dem Spiel stand. Die Arbeit damals hat mir jetzt geholfen. Wir haben es nun in Gladbach teilweise angepackt wie damals in Paderborn.

Können Sie selbst diese rasante Entwicklung fassen? Vorgestern Jugendnationalmannschaft U 15, gestern Regionalliga, heute Champions League? 

Schubert: Ich habe das ja ähnlich schon erlebt, wenn auch etwas kleiner in Paderborn. Damals war die Situation aber existenzbedrohend, weil der Zweitliga-Aufstieg auf dem Spiel stand. Die Arbeit damals hat mir jetzt geholfen. Wir haben es nun in Gladbach teilweise angepackt wie damals in Paderborn.

In Paderborn war es erfolgreich. Der Aufstieg wurde geschafft.

Schubert: Nicht nur das. Unser erstes Spiel damals hatten wir gegen Burghausen, vier Tage nach einer Heimniederlage gegen Bremen II. Nach 30 Minuten führten wir 4:0. Es läuft also vergleichbar.

Sie sprachen bei Ihrem Amtsantritt von Mut, der nötig sei. Wie macht man eine verunsicherte Mannschaft mutig? 

Schubert: Wir drehen gezielt an einigen Schrauben. Wir haben Trainingsschwerpunkte erarbeitet. Zudem versuchen wir, den Spielern Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Jeder Torschuss, jeder geblockte Torschuss kann so ein Erfolgserlebnis sein. Wir erinnern sie an ihre Stärken. Mit Videos, in Einzelgesprächen. Immer unter dem Motto: Hier schau, was du kannst - mach es einfach.

Für einen Bundesligatrainer geht es nicht nur um Taktik und Spielanalyse. Die Süddeutsche thematisiert Ihre Rhetorik, die Bild Ihren Pullover. Braucht ein Trainer einen Medientrainer? 

Schubert: Medientraining kann nicht schaden, ich hatte es schon bei meiner Arbeit auf St. Pauli. Auch die Arbeit beim DFB hat sehr geholfen. Ich habe meine Fehler gemacht und daraus gelernt. Mittlerweile kann ich die Ruhe bewahren. Und gehe davon aus, dass mir ohnehin niemand was Böses will.

Gegen Manchester gibt es keinen grünen Pullover. Anzug ist Pflicht. Wann haben Sie zuletzt einen Anzug getragen? 

Schubert: Das ist mir nicht fremd, nur auf Krawatte verzichte ich lieber. Bei DFB-Anlässen musste ich häufig Anzug tragen. Ich habe durchaus einige im Schrank hängen.

Der Schrank steht wahrscheinlich in Baunatal. Wann waren Sie zuletzt zuhause? 

Schubert: Gerade erst. Es tut gut, mal rauszukommen und ein paar Stunden abzuschalten Und meine Mutter zu besuchen. Das ist mir wichtig, darauf freue ich mich immer.

Und dafür haben Sie Zeit? 

Schubert: Die nehme ich mir. Natürlich arbeite ich derzeit sehr viel, aber solche Phasen gibt es und ich bin sie durchaus gewohnt. Mittlerweile weiß ich, dass die Entspanntheit und Lockerheit, wie wir die Dinge sehen, wichtig sind. Für mich. Aber auch für die Spieler, denen wir etwas vermitteln wollen. Das funktioniert dauerhaft nicht, wenn wir 24 Stunden am Tag brennen.

Wie intensiv war in den letzten Tagen der Kontakt mit der Heimat? 

Schubert: Ich hatte schon unzählige Nachrichten. Aus Nordhessen, aber auch aus Paderborn, Hamburg und vom DFB. Ich versuche zu beantworten, was geht.

Macht das eigentlich stolz, sagen zu können: Ich bin der erste Bundesliga-Trainer aus Kassel? 

Schubert: Bin ich das? Die Gedanken habe ich mir noch gar nicht gemacht. Ich betreue diese Mannschaft für ein paar Spiele. Ich sehe mich nicht so, als Bundesligatrainer.

Gegenüber dem Kicker sagten Sie, ihr Lebensglück hänge nicht an der ersten und zweiten Liga. Verraten Sie uns, woran es hängt? 

Schubert: Die Antwort wird wohl jeder ähnlich geben. Es geht um Zufriedenheit. Zum Lebensglück gehören Familie, Freunde, das ganze Umfeld. Und die Zufriedenheit mit dem, was man tut. Diese Zufriedenheit habe ich auch, wenn ich die U 23 trainiere. Über ein Tor dieser U 23 freue ich mich maximal. Mehr geht auch bei einem Tor der ersten Mannschaft nicht. Das meinte ich mit dem Satz. Mein Lebensglück hat sich nicht geändert.

Trotzdem: Wenn Max Erberl noch einmal Geburtstag feiert und Ihnen eine Festanstellung anbietet: Würden Sie „Ja“ sagen? 

Schubert: So schnell hat er nicht wieder Geburtstag. Ich helfe dem Verein. Alles andere ist derzeit keine Frage, die sich mir stellt.

André Schubert, 44, ist in Kassel geboren. Als Spieler war er für Wolfsanger, Vellmar, Lohfelden und Baunatal am Ball. Erste Erfahrungen als Trainer sammelte er in der Jugendarbeit, erste Profistationen waren die Zweitligisten Paderborn (2006 – 2011) und FC St. Pauli (2011 – 2012). Schubert beriet den KSV Hessen Kassel, wechselte dann als U 15-Nationaltrainer zum DFB und schließlich im Sommer zu Mönchengladbach II. André Schubert ist ledig.

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