Wieder im Spielbetrieb mit Braunschweig

Kasseler Feigenspan vor Start der 3. Liga: „Für den Kopf nicht befriedigend“

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Spielte in Kassel und jetzt für Braunschweig: Für Mike Feigenspan und seinen Klub geht es noch um den Aufstieg.

Der Kasseler Mike Feigenspan hat mit Eintracht Braunschweig noch große Ziele. Heute startet er mit Braunschweig wieder in der Dritten Liga.  

Es ging lange hin und her in der Diskussion um die Fortsetzung der 3. Fußball-Liga. Nun steht fest, dass die Saison heute wieder beginnt. Im Interview erzählt er von einer Zeit der Ungewissheit als Drittligaspieler.

Herr Feigenspan, man fragt ja derzeit zuerst: Sind Sie gesund?

Ich bin komplett gesund, hatte auch in der ganzen Zeit keine Anzeichen einer Erkrankung. Die ersten Corona-Tests, die wir bisher gemacht haben, sind auch alle negativ ausgefallen.

Wie laufen die Tests ab?

Die Tests waren schon unangenehm. Man bekommt ein kleines Stäbchen in den Rachen und in die Nase gesteckt. Da wird schon sehr tief reingestochen, damit man Gewissheit hat, dass der Test auch verwertbar ist.

In welchen Abständen wird getestet?

Zweimal pro Woche.

Wie sehr haben Sie den Ball in den vergangenen Wochen vermisst?

Wir waren eineinhalb Monate weg vom Fußball, in Kurzarbeit. In dieser Zeit haben wir uns individuell fit gehalten, hauptsächlich Läufe und Stabi-Übungen gemacht. Und da waren wir natürlich froh, als wir das Okay bekommen haben, dass wir wieder auf dem Platz trainieren dürfen. Es war einfach schön, wieder gegen den Ball zu kicken.

Kurzarbeit heißt weniger Geld. Das kann für einen Drittligaspieler existenzbedrohend sein.

Natürlich verzichtet man auf Geld. Im Vordergrund sollte aber stehen, dass der Verein am Leben bleibt. Da hat unsere Mannschaft sehr kollegial gehandelt, und wir haben das alle unterschrieben.

Sind Sie in Braunschweig geblieben oder zur Familie nach Kassel gekommen?

Ich war bei meiner Familie in Kassel zu der Zeit.

Ist es schwierig, wenn man sonst eher selten zuhause ist und nun zum Beispiel Freunde nicht sehen kann?

Ja, klar. Aber man muss die Situation annehmen derzeit. Es leiden viele Bereiche darunter, schaut man sich nur mal die Wirtschaft allgemein an, Restaurants oder Cafés. Da muss man sich die paar Wochen oder Monate, die es sind oder noch werden, an die Vorgaben halten. So langsam entspannt sich die Lage ja auch ein bisschen.

Salomon Kalou hat mit seinem Kabinen-Video bei Bundesligist Hertha BSC für viel Aufregung gesorgt. Aber kann man sich unter Teamkollegen wirklich daran halten, dass man sich beispielsweise nicht abklatscht?

Da ist jeder Einzelne gefordert, und wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Natürlich ist das alles schon eine Umstellung. Aber an der Stimmung im Team ändert das kaum etwas. Wir nehmen die Regeln ernst und halten uns daran.

Die ganze Situation ist für Spieler aber sicher auch belastend, oder?

Ich habe den Neustart der 3. Liga lange Zeit in weiter Ferne gesehen. Von Tag zu Tag wurde etwas Neues geplant, etwas Neues geschrieben. Keiner wusste so richtig, ob es wirklich weitergehen kann. Wir haben zwar trainiert, waren aber dennoch im Ungewissen. Das war für den Kopf nicht so befriedigend.

Ihr Team hat den Aufstieg noch im Blick.

Klar, wenn man sich die Liga anschaut, wird fast jeder noch versuchen, etwas zu erreichen. Darauf muss man sich zusätzlich fokussieren. Auf der einen Seite müssen die Vorgaben des Hygienekonzepts eingehalten werden, und dann hast du den normalen Ligadruck dazu. Weil du dieses Ziel erreichen willst, als Mannschaft und als Verein.

Wie schwierig wird es ohne Fans? In Braunschweig ist das Stadion meist voll.

In Braunschweig macht das schon viel aus. Das hat man in der vergangenen Saison gesehen, was da für Kräfte freigesetzt werden können. Aber diese Situation eines leeren Stadions kennt keine Mannschaft, es ist also für alle neu. Wir werden sehen, wer am besten damit umgehen kann.

Gab es Aktionen von Fans für die Spieler?

Unsere Fans haben Masken genäht, die wir auch zugeschickt bekommen, das fand ich sehr gut. Zudem gab es auch viele weitere soziale Projekte, in denen sich die Fans in den vergangenen Wochen engagiert haben, beispielsweise als Einkaufshilfen. Das war schon toll, wie da alle zusammen gestanden haben.

Heute findet der Neustart der 3. Liga statt: Haben Sie kurzfristige Ziele?

Auf jeden Fall. Als kleiner Junge habe ich immer gesagt, 3. Liga wäre super. Das habe ich geschafft. Das heißt aber nicht, dass ich mich jetzt in den Sonnenstuhl lege und entspanne. Ich will alles aus mir herausholen, was geht. Wenn es der Fußball zulässt, würde ich gern noch eine Liga höher spielen.

Sie sind ja auch jemand, der sich nicht so schnell von seinem Weg abbringen lässt.

Das habe ich über die Jahre gelernt. Das ging ja beim KSV schon los. Das erste halbe Jahr war ich nur Einwechselspieler. Das habe ich dann auch dankend angenommen, weil es nicht selbstverständlich ist, dass man als junger Spieler seine Spielzeit bekommt. Ich habe versucht, mich stetig zu verbessern. Da ist Selbstkritik ein ganz wichtiger Faktor.

Zur Person: 

Mike Feigenspan (24) kommt aus Kassel. In der A-Jugend spielte er für den SC Paderborn und den OSC Vellmar. 2014 wechselte er zu den Senioren des KSV Hessen Kassel. Zwei Jahre später zog es ihn weiter zur Reserve des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Der Offensivmann ist nun seit Anfang 2019 für Eintracht Braunschweig in der dritten Liga aktiv. Er kam in dieser Saison in 21 Spielen zum Einsatz und erzielte vier Tore. Feigenspan ist nicht verheiratet, aber in einer Beziehung und hat keine Kinder.

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