„Es ist ein kleines Abenteuer“

Interview: Marc Stendera über die U-20-WM in Neuseeland

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Durchsetzungsstark: Marc Stendera hat bei der U-20-WM bereits vier Treffer erzielt.

Kassel/Christchurch. Neben der Frauen-Weltmeisterschaft hat der Fußball derzeit noch eine WM zu bieten. Die Junioren der U 20 kämpfen in Neuseeland um den Titel. Mit dabei: Deutschland mit dem aus Kassel stammenden Marc Stendera, Mittelfeldspieler von Bundesligist Eintracht Frankfurt. Vor dem Achtelfinale am Donnerstag gegen Nigeria (9.30 Uhr, live bei Eurosport) sprachen wir mit dem 19-Jährigen.

Marc Stendera, wir erreichen Sie in Christchurch, Neuseeland. Waren Sie schon einmal so weit entfernt von der Heimat? 

Stendera: So weit noch nicht, wobei ich so spontan noch nicht einmal sagen kann, was bisher meine weiteste Reise gewesen ist.

Vermissen Sie nach zwei Wochen denn schon ein bisschen die Heimat? 

Stendera: Naja, meine Freunde vermisse ich schon, aber sonst? Denke ich darüber nicht so nach. Ich bin ja auch hier, um etwas zu erreichen.

Das ist Ihr drittes großes Turnier mit einer U-Nationalmannschaft. Ist das für einen jungen Menschen wie Sie immer noch ein kleines Abenteuer? 

Stendera: Natürlich ist das ein kleines Abenteuer, weil ich immer Neues erfahre. Die Weltmeisterschaft hier in Neuseeland ist noch einmal anders als die beiden Europameisterschaften, die ich bisher bestritten habe. In dem Turnier hier steckt mehr Spektakel, es hat mehr Atmosphäre, weil mehr Mannschaften teilnehmen. Es ist insgesamt eine größere Veranstaltung mit mehr Spielen - und es schauen auch mehr Menschen zu. Außerdem mache ich in anderen Bereichen neue Erfahrungen. Neuseeland ist für uns ein sehr fernes Land mit extremer Zeitverschiebung. Da musste ich mich erst einmal an die Begebenheiten anpassen.

Hat sich Ihr Körper mittlerweile an die Zeitverschiebung von zehn Stunden gewöhnt? 

Stendera: Das war nicht leicht. Ich bin am Anfang immer früh müde geworden, und in der Nacht war ich auf einmal hellwach. Aber mittlerweile ist auch das kein Problem mehr.

Bleibt bei all den Spielen und dem Training auch Zeit, Land und Leute kennenzulernen?

Stendera: Wir haben schon ein bisschen Freizeit und die Möglichkeit, aus dem Hotel zu kommen. Wir unternehmen als Mannschaft und mit dem Trainerteam einiges. Wir waren zum Beispiel am Meer und sind Speedboot gefahren. Die Stimmung ist sehr gut, wir verstehen uns hervorragend.

Die Ergebnisse in der Gruppenphase stimmten ja auch: 8:1 gegen Fidschi, 3:0 gegen Usbekistan, 5:1 gegen Honduras. Täuscht der Eindruck, oder war das Anstrengendste bisher die Reise zum Turnier? 

Stendera: Von den Namen unserer Gegner her denkt man vielleicht, das war alles nicht so schwer. Aber man muss alle Spiele erst mal gespielt haben. Wir haben es gut gemacht und viele Tore geschossen gegen Teams, die sehr defensiv stehen. Das ist nicht ganz einfach. Auch das 8:1 gegen Fidschi kam nicht irgendwoher. Dass die auch ein bisschen Fußball spielen können, haben sie beim 3:0 gegen Honduras bewiesen.

Im Achtelfinale geht es nun gegen Nigeria. Ist das der erste echte Prüfstein? 

Stendera: Das ist mehr als ein echter Prüfstein, das wird ein sehr, sehr schweres Spiel, das uns alles abverlangen wird. Aber wenn wir unsere Leistung zeigen, habe ich ein gutes Gefühl, dass wir weiterkommen, auch wenn der Druck in der K.o.-Phase jetzt größer ist als bei einem Gruppenspiel.

Ist Deutschland jetzt der große WM-Favorit? 

Stendera: Das mit dem Favoriten wollen immer alle hören. Wir können sicher mitspielen um den Titel, aber selbst das Finale liegt noch weit voraus. Wir müssen uns jetzt erst einmal auf Nigeria konzentrieren. Und wenn wir gewinnen, sind es immer noch zwei Partien bis zum Endspiel. Das zu erreichen, ist aber sicher das große Ziel.

Sie sind mittlerweile etablierter Bundesligaspieler. Ist da eine U-20-WM überhaupt noch eine Herausforderung? 

Stendera: Natürlich. Man spielt gegen andere Länder und gegen die besten Spieler seines Jahrgangs. Mit ihnen kann ich mich messen und gucken, wie gut ich wirklich bin. Ich reife auch, sonst würde ich solch ein Turnier nicht mitspielen.

Sind Sie jetzt im WM-Tunnel oder interessiert Sie auch, was bei Eintracht Frankfurt passiert? 

Stendera: Natürlich informiere ich mich auch oder ich höre nach, was bei der Eintracht passiert. Aber in erster Linie will ich eine gute WM spielen. Wer Trainer in Frankfurt wird, werde ich dann sehen.

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