Die Kunst des Eigentors: Christoph Kramer und seine Vorgänger

Kassel. Dieser Titel dürfte Christoph Kramer nicht schmecken: Der 23 Jahre alte Weltmeister erzielte das kurioseste Eigentor des Jahres. Bei der 0:1-Niederlage bei Borussia Dortmund schaufelte der Mönchengladbacher den Ball über Freund und Feind ins eigene Tor - und das aus rund 45 Metern. Grund genug, das Phänomen Eigentor zu beleuchten:

Beste Eigen-Torschützen

Der Rekord in der Bundesliga liegt bei sechs Eigentoren. Aufgestellt hat ihn Manfred Kaltz in 581 Partien für den HSV. Ebenso oft traf Nikolce Noveski (248 Bundesligaspiele) ins eigene Netz. Allerdings könnte Noveski zum alleinigen Rekordhalter avancieren. Sein Vertrag beim FSV Mainz 05 dauert bis 2015. Übrigens: Unter den zielsichersten Eigen-Torschützen finden sich weitere prominente Namen: Franz Beckenbauer (424) etwa traf viermal ins falsche Tor.

Eigentorreichste Spiel

Sage und schreibe drei Eigentore gab es im Spiel zwischen Mönchengladbach und Hannover im Dezember 2009 (5:3). Alle drei Treffer fielen gegen Hannover. Die Unglücksraben hießen Constant Djakpa und zweimal Karim Haggui. Apropos zwei Eigentore in einem Spiel: Das gelang sonst nur Dieter Bast, Dieter Pulter, Gerd Zimmermann, Per Rontved und Rekordhalter Nikolce Noveski. Letztgenannter besorgte beim 2:2 seiner Mainzer gegen Eintracht Frankfurt immerhin noch einen Treffer in das richtige Gehäuse. Das Spiel endete 2:2.

Eigen-Torhüter

Tomislav Piplica, seinerzeit Torhüter von Energie Cottbus, erzielte 2002 die Mutter aller kuriosen Eigentore. Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (3:3) köpfte der heute 45-Jährige die Kugel ins eigene Netz. Doch Piplica ist nicht allein, auch andere Torhüter sorgten für Lacher: Bayerns Jean-Marie Pfaff patschte den Ball bei seinem Bundesliga-Debüt 1982 nach einem Einwurf des Bremers Uwe Reinders ins Netz. Bei Oliver Reck war 1991 es der Kopf, der das Leder in die eigenen Maschen lenkte, und Eintracht-Schlussmann Jürgen Pahl warf den Ball 1982 kurzerhand selbst ins Tor.

Das Eigentor von Tomislav Piplica:

Das Eigentor von Jean-Marie Pfaff:

Kunst-Eigen-Torschützen

Mit einem Eigentor das Tor des Monats bei der ARD-Sportschau zu erzielen, können nur zwei Spieler von sich behaupten. Helmut Winklhofer zog - in Erwartung eines Pressschlages - im Spiel seiner Bayern gegen Bayer Uerdingen voll ab und hämmerte das Leder aus mehr als 30 Metern in den eigenen Kasten. Besonders kurios: Es war der erste Spieltag der Saison 1985/86 und Uerdingen brachte den Vorsprung über die Zeit. Acht Jahre wählten die Zuschauer Frank Rohde (Hertha BSC). Sein harmloser Rückpass machte vor Walter Junghans einen verhängnisvollen Hüpfer, sodass der Schlussmann ein Luftloch trat und der Ball ins Tor kullerte.

Helmut Winklhofer in Aktion:

Frank Rohde und sein Eigentor:

Inzwischen werden Eigentore nicht mehr bei der Wahl zum Tor des Monats berücksichtigt. Das gilt auch für den 45-Meter-Schuss von Christoph Kramer. Dessen Reaktion war im Übrigen typisch für einen solchen Fauxpas. „Als ich sah, dass der Ball im Tor war, dachte ich: große Scheiße.“

Von Matthias Hoffmann

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