Kramers Eigentor erlöst Dortmund - der HNA-Schnellcheck zum Duell Borussia gegen Borussia

Kassel. Welch ein Fußballspiel: Borussia Dortmund hat nach fünf Bundesliga-Niederlagen wieder gewonnen. Mit dem 1:0 gegen Mönchengladbach verhinderte der Vizemeister, dass er nicht nur während dieses Spieltages, sondern auch nach diesem Spieltag Tabellenletzter ist. Das Tor – ach ja – erzielte ein Gladbacher auf kuriose Art und Weise. Der Schnellcheck zur Partie.

? Wie war das Spiel?

! Einseitig. Der Kurzzeit-Tabellenletzte aus Dortmund spielte den Langzeit-Tabellendritten nahezu schwindelig. Das allein reicht als Beweis aus, wie grotesk, wie verrückt und wie unmöglich Fußball sein kann. Dazu passt, dass die Dortmunder mal wieder eine Großchance nach der anderen vergaben, als gäbe es beim Discounter Großchancen im Sonderangebot – und am Ende zeigt ihnen Gladbachs Christoph Kramer, wie das geht mit dem Toreschießen. Der Schuss des Weltmeisters nach knapp einer Stunde war das Eigentor des Jahres. Aus 45 Metern schoss er über seinen Torwart Yann Sommer – das erlösende 1:0 für den Gastgeber. Jetzt hat Kramer gute Chancen auf einen Posten im Entwicklungshilfeministerium – Abteilung: Erfolgreicher Torschuss.

? Hat Dortmund gespielt wie ein Abstiegskandidat? 

! Oh nein. Die Borussia hat gespielt, als sei Dienstag oder Mittwoch und als würde die Champions League auf dem Programm stehen. 22 eigene Torschüsse und nur ein Torschuss der Gladbacher (auf das gegnerische Tor!) – das sagt schon alles.

? Hat Gladbach gespielt wie ein Titelkandidat? 

Lesen Sie auch

Video: "Eigentor des Jahres" sorgt für BVB-Sieg

! Oh nein. Anders als gegen Bayern München gaben die Gladbacher ihre schüchterne Haltung nie auf. Von begeisterndem Konterfußball war nichts zu sehen. Das Selbstbewusstsein eines Teams, das in dieser Saison noch keine einzige Niederlage in einem Pflichtspiel kassiert hat, mussten die Rheinländer wohl kurz vor Anpfiff am Stadiontor abgeben. So war Gladbach eine große Enttäuschung.

? Wer war Mann des Tages? 

! Marco Reus. Der 25 Jahre alte Nationalspieler spielte so gut, dass Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wohl jetzt auch persönlich mit der Rikscha nach Dortmund kommen würde, um ihn nach München zu holen. Reus war an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Einzig: Ein Tor schoss er nicht. Er zielte in Minute zwei knapp am Tor vorbei, er traf danach den Pfosten und die Latte, aber das Tor, das traf er nicht.

Aber dafür hatten die Westfalen ja Christoph Kramer. Problem: Wenn Dortmund am nächsten Spieltag in Paderborn antritt, fehlt Kramer. Der hat eine Verpflichtung mit Mönchengladbach und muss gegen Frankfurt ran.

? Gab es einen Gänsehautmoment?

! Einen? Mehrere! Die Dortmunder Fans unterstützten ihre Mannschaft, als sei sie gerade Meister geworden. Das war großes Kino. Ebenfalls gänsehautverdächtig: Als Christoph Kramer realisierte, dass er in jener 60. Minute irgendwie was verwechselt hat, tröstete ihn zunächst ein Gegenspieler: Sebastian Kehl. Bemerkenswert.

? Wie war die TV-Übertragung?

! Einmal mehr war Marcel Reif für den Bezahlsender Sky am Mikrofon. Sein bester Satz: „Die Dortmunder haben sich für die besten 16 Mannschaften in Europa qualifiziert. Das Problem: In der Bundesliga stehen sie nicht unter den besten 16.“ Das war in der ersten Halbzeit. Jetzt ist Dortmund auf Platz 15. Schon vor dem Spiel rief der Verein den Tag der Wende aus. Es gibt unpassendere Daten dafür als den 09. November – erst recht für den BVB 09.

Von Florian Hagemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.