Auftritt ohne jeden Glanz

Länderspiel-Schnellcheck: 4:0 gegen Gibraltar - von wegen Schützenfest

Der Ball ist im Tor: Sami Khedira, Max Kruse und Torschütze Thomas Müller bejubeln das verhalten. Gibraltars Torhüter Jamie Robba kniet frustriert am Pfosten. Foto: dpa

Deutschland liefert einen enttäuschenden und wenig weltmeisterlichen Auftritt ab. Das Länderspiel im Schnellcheck.

Das versprochene Schützenfest blieb aus. Weltmeister Deutschland gewann das EM-Qualifikationsspiel in Nürnberg gegen den Fußball-Zwerg Gibraltar 4:0 (3:0). Das war natürlich verdient. Das war ungefährdet. Aber das war vor allem ein Auftritt ohne jeden Glanz. Die Partie im Schnellcheck.

Wie war denn das Spiel?

Sagen wir mal so: E I N S E I T I G! Sehr einseitig. In der 4. Spielminute gab es Szenenapplaus für Manuel Neuer, als er den Ball kurz vor der Mittellinie in Empfang nahm. Anders als beim WM-Spiel gegen Algerien musste der Torhüter nicht den Libero-Ausputzer geben. Es war einfach sonst niemand da. Alle anderen Spieler hielten sich halt in der Hälfte der Gäste auf. So ging das meist. Deutschland war drückend überlegen. Aber vor allem in der zweiten Halbzeit war der Weltmeister auch einfalls los und enttäuschend gegen tapfer kämpfende Gäste.

Bundestrainer Joachim Löw hatte natürlich offensiv aufgestellt: Drei Verteidiger, von denen die Außen praktisch dauerhaft in der Vorwärtsbewegung waren, dazu anfangs zwei, später drei Stürmer. Bis zum ersten Treffer vergingen 12 Minuten. Dann verwertete Thomas Müller eine Flanke von Shkodran Mustafi. Beim 3:0-Pausenstand (Tore: Müller 29., Götze 38.) war es trotzdem nicht überzeugend. Und in der zweiten Hälfte wurde es richtig schlecht. Einfallsloser kann man gegen ein Defensivbollwerk nicht spielen. Damit überhaupt etwas passierte, musste ein Eigentor (Santos, 67.). Weltmeisterlich war dieses 4:0 am Ende kein Stück. Und für Gibraltar sogar irgendwie ein Sieg.

War das Ergebnis gerecht? 

Natürlich. Stand aber irgendwie schon beim Anpfiff fest, dass es diesmal nicht um die Frage der Gerechtigkeit gehen würde.

Wie groß war der Nordhessen-Faktor?

Sehr groß. Und das nicht nur, weil Kassels Eishockeyspieler gleichzeitig in Kaufbeuren gewannen. Der Bebraer Shkodran Mustafi stand in der Anfangsformation. Und der Verteidiger machte in der ersten Hälfte ein gutes Spiel. Er bereitete die erste Chance der Partie vor. Er bereitete das erste Tor der Partie vor. Und überhaupt glänzte der beim spanischen Spitzenklub Valencia spielende Mustafi als Vorbereiter mit unermüdlichen Flankenläufen auf der rechten Seite. Und als Gibraltar in der 41. Minute fast mal in Tornähe kam, klärte wer? Mustafi, der in der zweiten Hälfte aber ebenfalls nachließ.

Hatte Gibraltar auch etwas zu Lachen?

Meist arbeitslos, aber dann hellwach: Manuel Neuer.

Richtig viel sogar. Nicht nur, weil der Mega-Außenseiter besser blieb als Brasilien bei der WM (1:7). Nicht nur weil der erste Gegentreffer später fiel als in allen bisherigen Partien. Nein, es gab ja auch die 45. Minute und einen Schuss, der Manuel Neuer zu einer Glanztat zwang. Walker nahm einen Einwurf an, hielt einfach drauf - und Löw schlug vor Scham die Hände vors Gesicht. Und Gibraltar verdiente sich richtig Respekt.

Wer war der Spieler des Spiels? 

Mit Augenzwinkern: Manuel Neuer. Blieb ohne Gegentor. Blieb fehlerfrei. Schaffte das Kunststück, hellwach zu sein, als er aus dem Nichts gefordert wurde. Fehlte angesichts der Einfallslosigkeit seiner Vorderleute nur ein Torschuss.

Und wie war die TV-Übertragung der Partie?

Zumindest hätte RTL die Hälfte an Kameras gereicht. Wurde ja meist nur in einer Hälfte gespielt. Reporter Marco Hagemann stellte nach 21 Minuten fest: „Mustafi macht ein gutes Spiel.“ Und später: „Sehr spielfreudig.“ Guter Mann, dieser Hagemann.

Von Frank Ziemke

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