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Jonas Hofmann: Löws letzte Entdeckung

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Von: Maximilian Bülau

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Jonas Hofmann.
Schaut her, ich hab’s gemacht: Jonas Hofmann freut sich über sein Tor gegen England. © Christof Stache/afp

Ein Tor gegen England zu erzielen, ist für einen deutschen Fußball-Nationalspieler etwas Besonderes.

Blickt man zurück bis ins Jahr 2000, dann ist das in Pflichtspielen – und nehmen wir mal an, die Nations League zählt zu solchen Pflichtspielen – nicht allzu vielen gelungen. Der Freistoßtreffer von Didi Hamann im Oktober 2000 in der WM-Qualifikation ist noch im Kopf. Im Anschluss durfte Hamann unzählige Freistöße schießen, 2004 beim 3:0 gegen Belgien gelang ihm immerhin ein weiteres Standard-Tor. Neben Hamann waren Thomas Müller, Lukas Podolski und Miroslav Klose im WM-Achtelfinale 2010 gegen England erfolgreich. Mehr Pflichtspiel-Torschützen in diesem Duell gab es in den vergangenen 22 Jahren nicht.

Zumindest gab es bis zum Dienstagabend keinen weiteren. Nun darf sich auch Jonas Hofmann zu dieser seltenen Spezies zählen. Dem gebürtigen Heidelberger gelang am Dienstagabend in der 51. Minute der Führungstreffer gegen England, wunderbar freigespielt von Joshua Kimmich, unter Mithilfe des englischen Torhüters Jordan Pickford.

Der 29-Jährige ist dabei so gar kein typischer Nationalspieler. Sein Debüt gab er erst im Alter von 27. Seit 2016 ist er für Borussia Mönchengladbach aktiv. Und irgendwie gab es da dann immer Jonas Hofmann und Patrick Herrmann – der übrigens bereits 2015 zu zwei A-Länderspielen kam. Hofmann und Herrmann wirken wie zwei Durchschnitts-Bundesligaspieler. Ewig dabei, nie wirklich besonders. Wobei das gerade bei Hofmann nicht stimmt. Immerhin war der 29-Jährige in einer schwachen Gladbacher Saison noch einer der Lichtblicke – und mit zwölf Saisontoren hinter Serge Gnabry (14) der zweitbeste deutsche Torschütze der Liga.

Dennoch ist es bemerkenswert, dass Bundestrainer Hansi Flick gegen England auf dem rechten Flügel Hofmann den Vorzug vor Gnabry gab. Überhaupt ist es bemerkenswert, dass Hofmann beim DFB-Team auf der offensiven Außenbahn eingesetzt wird, einer Position, die mehrfach prominent besetzt ist. Doch Flick schätzt Hofmann – vor allem seine Flexibilität. Von seinen zwölf Länderspielen machte der 29-Jährige neun unter Flick, stand zuletzt, wenn er fit war, immer auf dem Platz.

Allerdings tat er das zumeist als Rechtsverteidiger und nicht als Offensiver. Und es war auch nicht Flick, der Hofmann als Option fürs Nationalteam entdeckte, sondern dessen Vorgänger Joachim Löw. Weil die Rechtsverteidiger in Deutschland eben rar sind, Hofmann diesen Job – vor allem in Kombination mit einer Dreierkette – mehr als solide verrichtete. Die EM verpasste er dann dennoch wegen einer Knieverletzung. Die kommende WM unter Flick wird Hofmann aber wohl erleben. Denn Löws letzte Entdeckung war eine gute. (Maximilian Bülau)

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